In der Bundeswehr wird hinter den Kulissen über die Verteilung der militärischen Aufgaben im Weltraum gestritten. Das berichten NDR und WDR unter Berufung auf eigene Recherchen. Im Kern geht es um die Frage, welche Fähigkeiten künftig bei der Luftwaffe und welche bei der jüngsten Teilstreitkraft, dem Cyber- und Informationsraum (CIR), angesiedelt werden sollen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte angekündigt, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in den Bereich Space zu investieren.
Das Weltraumkommando der Bundeswehr im nordrhein-westfälischen Uedem ist der Luftwaffe unterstellt. Es beschafft Satellitenbilder, sichert die Kommunikation über Satellit und analysiert gegnerische Satelliten. Betrieben werden die Aufklärungssatelliten jedoch vom CIR, der 2017 aufgestellt wurde und unter anderem die Cybereinheiten sowie die Truppen der Elektronischen Kampfführung umfasst.
Bundeswehr schickt Spionageschiff in die Ostsee: Reaktion auf russische Marinepräsenz
Streit um Abwehrsysteme
Künftig sollen laut Verteidigungsministerium nicht nur mehr Satelliten beschafft werden, sondern auch sogenannte Wirkmittel – Abwehr- und Angriffssysteme wie bodengestützte Anti-Satelliten-Laser. Für diesen Bereich sieht sich die Luftwaffe zuständig. Ein Sprecher teilte mit, die Luftwaffe trage „die Dimensionsverantwortung für die eigenständige militärische Dimension Weltraum“.
Nach Informationen von NDR und WDR sollte Generalinspekteur Carsten Breuer bereits im Mai eine abgestimmte Vereinbarung vorgelegt werden. Der Inspekteur des CIR, Vizeadmiral Thomas Daum, soll jedoch interveniert und die komplette Zuständigkeit für Sensoren und Wirkmittel im Weltraum für seine Teilstreitkraft beansprucht haben. Hausintern sei angekündigt worden, dass das CIR zwei Bataillone für Space-Operationen aufstellen wolle.
Ein CIR-Sprecher erklärte, der Schutz der Bundeswehr „vor Gefahren aus dem elektromagnetischen Spektrum“ sei ein Kernauftrag. Dies schließe das Blenden, Stören und Hacken gegnerischer Aufklärungsmittel auch im Weltraum ein.
Verzögerungen bei Beschaffung
Aus der Bundeswehr heißt es laut den Berichten, das „Zuständigkeitsgerangel“ führe zu Verzögerungen bei Planungen und Beschaffungen. Auch Industrievertreter berichteten von parallelen Gesprächen mit Luftwaffe und CIR. In den USA bildet das Space-Command eine eigenständige Teilstreitkraft, in Frankreich und Großbritannien sind die Weltraumeinheiten den Luftstreitkräften unterstellt.
Pistorius deutete diese Woche bei der Air and Space Chiefs' Conference 2026 in Berlin an, dass die Luftwaffe künftig mehr Aufgaben im Weltraum übernehmen soll. Sie setze „die strategische Ambition für den Weltraum als Einsatzraum um“ und erhalte „maßgebliche Verantwortung für die neue Domäne“, sagte der Minister.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]