Putz bröckelt von den grün-gelben Wänden, alte Deckenlampen tauchen die Halle in ein grelles LED-Licht, ein Basketballkorb hängt verstaubt an der Wand. Im hinteren Teil stehen provisorisch ein paar Klappstühle und auf der Leinwand davor läuft eine Präsentation ab. Wo früher Kinder und Jugendliche Bockspringen geübt und Völkerball gespielt haben, sollen schon in zwei Jahren Streicher, Holz- und Blechbläser einziehen. In der Brandenburger Straße in Magdeburg entsteht der neue Orchesterprobesaal der Magdeburgischen Philharmonie.
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Aus der maroden Turnhalle soll ein hochmoderner Probesaal werden. Diesen Donnerstag beginnen die Bauarbeiten, Ende 2028 wollen die 82 Musiker der Philharmonie einziehen. Kostenpunkt: 4,5 Millionen Euro. Ein Förderantrag über 900.000 Euro wurde im Rahmen des Programms „Sachsen-Anhalt Öffizienz“ von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt bewilligt. Und das in Zeiten, in denen „viele Städte auf Sparkurs“ sind, betont Julien Chavaz, Generalintendant des Theater Magdeburgs.
Zu laut, zu eng und gesundheitsschädlich
Aber warum überhaupt ein Umbau? „Es ist einfach zu laut“, bringt es Chavaz auf den Punkt. Der bisherige Probesaal im Opernhaus sei schlicht nicht mehr zeitgemäß. Proberäume von Orchestern wurden genormt – seit Jahren entspreche der bisherige Saal dieser Norm nun nicht mehr, erläutert Chavaz der OAZ. Eine dauerhafte Beschallung mit 85 Dezibel bedeutet eine reale Gefahr für Gehörschäden, warnt Marcel Körner vom Orchestervorstand – „das menschliche Ohr fühlt jeden Schall kumulativ“. Stundenlange Proben belasten Skelett und Gehör gleichermaßen. „Wenn Sie das Opernhaus besuchen, dann denken Sie: Was für ein schöner Job. Musik ist jeden Tag eine Erfüllung. Aber niemand weiß, wie lange und mühsam der Weg bis zum Fest ist.“
Doch nicht nur der Lärm treibt das Projekt an, auch der Platz fehlt. Bislang zog das Orchester in großen Besetzungen zwischen Orchestersaal, Probebühne im Opernhaus und den Werkstätten in der Orchesterstraße hin und her – „eine logistische, eine personelle und am Ende auch finanzielle Belastung für das ganze Haus“, so die technische Direktorin Christiane Hercher.
Generalintendant Julien Chavaz präsentiert die Pläne für den neuen Probesaal der Philharmonie.
© Kathrin Singer
Platz für 250 Personen
Der neue Saal soll nun bis zu 250 Personen fassen – Platz genug für Orchester und Chor gemeinsam. Erstmals können die Musiker in gestufter Anordnung sitzen, wie man es von den Sinfoniekonzerten kennt, mit einer Podestanlage für den Chor dahinter. Ein Instrumentenlager wird direkt angebunden, hinzu kommen mehrere Proberäume mit eigens optimierter Raumakustik. Geplant hat das Ganze ein Team aus 15 Architekten und Ingenieuren, darunter drei weltweit tätige Akustiker. Sogar ein Tonstudio soll entstehen, das später auch anderen Kultureinrichtungen offenstehen könnte.
Und noch ein Problem löst das Theater mit dem Umbau. Die bisherigen Räume waren alles andere als barrierefrei. Künftig verbindet ein barrierefreier Aufzug beide Gebäudeteile, dazu kommen barrierefreie WCs und Sozialräume. „Wir schaffen jetzt eine bauliche Realität, die Inklusion ermöglicht“, betont Clemens Leander im Namen der künstlerischen Vermittlung.
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Der Weg bis hierher war lang. Bereits 2015 fasste der Theaterausschuss erste Beschlüsse. 2017 wurde das Logenhaus in der Weitlingstraße geprüft, aus Kosten- und Akustikgründen jedoch verworfen. 2023 folgte eine Konzeptstudie, 2025 der Beschluss für den heutigen Standort, 2026 schließlich die Baugenehmigung. Verwaltungsdirektorin Bettina Pesch, der von allen Seiten für ihren unermüdlichen Einsatz gedankt wurde, hält es pragmatisch: „Ich bin immer die Freundin der kleinen Schritte in der Politik.“
Der alte Orchesterprobesaal bleibt übrigens nicht ungenutzt – er soll künftig dem 36-köpfigen Chor bessere Bedingungen bieten. Für die Zukunft punktet die einstige Turnhalle vor allem mit ihrer Lage: zentral, fußläufig zu Theater und Stadtzentrum, maximal sieben Minuten Fußweg, mit guter Nahverkehrsanbindung sowie Pkw- und Fahrradstellplätzen. Für die Musiker aber zählt am Ende vor allem eins: „Der Schalldruck wird geringer, wir hören uns besser, während wir alle anderen Stimmen klarer wahrnehmen können“, so Körner.
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