Landwirtschaft

Maisfieber: Warum eine XXL-Ernte Menschen von weit her nach Ostdeutschland zieht

Auf Gut Hohen Luckow wird rund um die Uhr Mais geerntet. Junge Menschen kommen von weit her, um dabeizusein. Eine Nacht mitten im Maisfieber.

16 Min
Vom Feld aufs Silo: In Hohen Luckow bringen die Erntehelfer Tag und Nacht Mais ein.

Vom Feld aufs Silo: In Hohen Luckow bringen die Erntehelfer Tag und Nacht Mais ein.

© Gaby Schütze für Ostdeutsche Allgemeine

Um halb zwei in der Nacht wird auf einem Acker südwestlich von Rostock eine OP am offenen Maisgebiss durchgeführt. Das Gebiss vom Häcksler ist abgenommen, unter den großen Flutscheinwerfern der Maschine wird geschraubt. „So eine Scheiße“, flucht der Häckslerfahrer. Vier Traktoren stehen daneben. Ihre Fahrer sind ausgestiegen, sitzen auf dem Frontgewicht eines Treckers und warten, dass es weitergeht. Draußen wird es kalt. Wer zwischen den Maschinen hindurchgeht, muss aufpassen, wo er hintritt, denn aus dem Boden ragen Maisstoppeln. Jenseits der Lichtkegel verschwindet der Acker im Schwarz.

Wer verstehen will, warum die Maisernte ein Highlight ist, kann auf TikTok anfangen. Dort heißt das, was auf dem Acker passiert, Maisballern. In millionenfach geklickten Videos von verschiedenen Maisernten sind Häcksler und Traktoren im Abendlicht zu sehen. Unterlegt sind die 15‑Sekunden-Landmaschinenpornos oft mit Hardstyle-Musik. Die jungen Erntehelfer, die aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz für die Maisernte nach Hohen Luckow kommen, nennen es Maisfieber. Das ganze Jahr wird auf eine Ernte hingefiebert, bei der die Beteiligten dann im Schichtwechsel die 2180 Hektar Mais (das entspricht mehr als 3000 Fußballfeldern) einfahren.

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