Verkehrsminister Manfred Stolpe ist einer der wenigen Deutschen, die noch nie in Mallorca waren. Jetzt wäre die Gelegenheit für einen Schnuppertrip günstig: Auf zum Wahlkampf auf die Baleareninsel. Aber nein. Die deutschen Politiker wollen ihre Landsleute in Ruhe lassen. "Ich glaube, sie wollen vor allem ihre Ferien genießen", vermutet SPD-Chef Müntefering.Das "Mallorca-Magazin", eine der beiden deutschen Wochenzeitungen auf der Insel, befragte kürzlich fast achtzig deutsche Politiker, ob sie denn der Deutschen liebstes Ferienziel nicht in ihren Wahlkampf einbeziehen wollten. Das Resümee: Eine "ganz große Koalition" sei sich einig, dass "die Insel für Parteireklame tabu" ist. "Die Menschen wollen im Urlaub vor allem Urlaub machen", sagte auch SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter, "da sollten die Parteien sie nicht verfolgen".Nikolaus Nowak, stellvertretender Chefredakteur der "Mallorca-Zeitung", hätte nichts dagegen gehabt, etwa eine Podiumsdiskussion unter deutschen Politikern auf der Insel zu organisieren. "Im Urlaub haben die Wähler vielleicht viel mehr Muße, sich mit politischen Themen zu beschäftigen", argumentiert er.So dachte vor sieben Jahren auch der damalige FDP-Chef Wolfgang Gerhardt, der während des Wahlkampfs 1998 in Mallorcas Flughafen ein Plakat seiner Partei aufstellte. Viele Sympathien brachte es ihm nicht ein. Vor allem die Mallorquiner reagierten verstimmt. Sie sehen die Invasion der Deutschen ihrer Insel sowieso mit gemischten Gefühlen. Kein deutscher Wahlkampf auf Mallorca, das hat denn schon sein Gutes, findet schließlich auch Nikolaus Nowak. Ohne "wimpelwedelnde Politiker" am Ballermann gebe es immerhin keine neue Nahrung für "die Mär von Mallorca als 17. Bundesland".
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