Das schwere Unwetter „Adam“ hat den Flugverkehr auf den spanischen Ferieninseln Mallorca und Ibiza erheblich beeinträchtigt. Insgesamt 64 Flüge wurden am Sonntag gestrichen, weitere 16 Maschinen mussten umgeleitet werden. Auf Ibiza stand der Flughafen gleich zweimal vollständig still, nachdem heftige Regenfälle Teile des Flugfelds und des Terminals unter Wasser gesetzt hatten. Ausgerechnet zum Beginn der Herbstferien in mehreren deutschen Bundesländern müssen sich Urlauber damit auf mögliche Störungen einstellen.
Nach Angaben des spanischen Flughafenbetreibers Aena, über die Europa Press berichtet, wurden allein am Flughafen Palma de Mallorca bis Sonntagabend 37 Verbindungen gestrichen. Auf Ibiza fielen weitere 27 Flüge aus, 16 Maschinen mussten andere Flughäfen ansteuern. In Palma kam es zudem zu zahlreichen Verspätungen.
Auch am Montag bleibt die Wetterlage auf den Balearen angespannt. Die spanische Wetterbehörde Aemet hat die höchste Warnstufe Rot für Mallorca zwar inzwischen auf Orange herabgesetzt. Die Behörden warnen jedoch weiterhin vor kräftigen Gewittern, Starkregen und Überschwemmungen.
Extreme Regenfälle: Alarmstufe Rot für Valencia und Alicante
Flughafen Ibiza zweimal stillgelegt: Wasser dringt ins Terminal ein
Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage am Sonntag auf Ibiza. Dort musste der Flughafenbetrieb wegen der außergewöhnlich heftigen Niederschläge gleich zweimal unterbrochen werden.
Zwischen 10 und 11 Uhr konnten aus Sicherheitsgründen keine Flugzeuge starten oder landen. Nur eine Viertelstunde später wurde der Betrieb erneut eingestellt. Bis 12.15 Uhr mussten Mitarbeiter Wasser abpumpen, das sich auf dem Flugfeld angesammelt hatte.
Die Wassermassen drangen nach Recherchen der Inselzeitung Periódico de Ibiza auch in das Flughafenterminal ein. Besonders betroffen war der Check-in-Bereich. Mehrere Abfertigungsschalter wurden überflutet und mussten vorübergehend geschlossen werden.
Reisende konnten ihr Gepäck teilweise nicht wie gewohnt aufgeben. Einige Passagiere mussten sich mit ihren Koffern direkt zur Sicherheitskontrolle begeben.
Auch außerhalb des Terminals richtete das Unwetter Schäden an. Eine herabgestürzte Überdachung blockierte zeitweise den Zugang zum Parkhaus P1. Eine Fahrspur am Expressparkplatz musste gesperrt werden. Die wichtigste Straßenverbindung zum Flughafen war wegen Überschwemmungen zeitweise in beiden Richtungen unpassierbar.
Erst nach Abschluss der Pumpenarbeiten konnte der Flughafen seinen Betrieb wieder aufnehmen, zunächst allerdings mit Einschränkungen.
Herbstferien beginnen: Was Reisende nach Mallorca beachten müssen
Das Unwetter trifft die Ferieninseln zu einem für deutsche Urlauber besonders wichtigen Zeitpunkt. Am Montag beginnen in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Sachsen-Anhalt die Herbstferien. In Nordrhein-Westfalen starteten sie bereits am Wochenende, in zahlreichen weiteren Bundesländern dauern sie derzeit an.
Damit sind gerade besonders viele Familien auf Urlaubsreisen angewiesen. Mallorca gehört traditionell zu den beliebtesten Zielen deutscher Feriengäste.
Ob und wie viele Verbindungen zwischen Deutschland und den Balearen am Montag zusätzlich von Streichungen betroffen sind, war zunächst nicht beziffert. Allerdings können sich die Folgen der Flugausfälle und Umleitungen vom Sonntag auch auf spätere Verbindungen auswirken.
Der Flughafenbetreiber Aena empfiehlt Reisenden deshalb ausdrücklich, vor der Anfahrt zum Flughafen den Status ihres Fluges bei der jeweiligen Fluggesellschaft zu überprüfen.
Aktuelle Informationen zu Ankünften und Abflügen stellt Aena auf seiner offiziellen Flugauskunft bereit.
Wer von einer Annullierung betroffen ist, hat nach den europäischen Fluggastrechten grundsätzlich Anspruch auf eine Erstattung des Ticketpreises oder eine anderweitige Beförderung. Bei längeren Wartezeiten müssen Fluggesellschaften unter den gesetzlichen Voraussetzungen auch Verpflegung und gegebenenfalls eine Hotelunterkunft bereitstellen.
Eine zusätzliche pauschale Entschädigung entfällt dagegen in der Regel, wenn die Airline nachweisen kann, dass der Flugausfall auf unvermeidbare außergewöhnliche Wetterbedingungen zurückzuführen ist.
Höchste Warnstufe auf Mallorca aufgehoben – Schulen geschlossen
Auf Mallorca hatten die Behörden in der Nacht zum Montag mit besonders gefährlichen Niederschlägen gerechnet. Die spanische Wetterbehörde Aemet warnte zeitweise vor bis zu 90 Litern Regen pro Quadratmeter innerhalb einer einzigen Stunde.
In Teilen der Insel galt deshalb die höchste Warnstufe Rot. Am frühen Montagmorgen wurde die Warnung auf Orange herabgesetzt. Die befürchteten extremen Regenfälle blieben in der Nacht zunächst weitgehend aus.
Dennoch hält die Balearenregierung an ihrer hohen Katastrophenschutzbereitschaft fest. Sämtliche Schulen auf Mallorca, Ibiza und Formentera bleiben am Montag geschlossen. Auch Veranstaltungen im Freien wurden teilweise abgesagt.
Die Behörden rufen die Bevölkerung dazu auf, unnötige Fahrten zu vermeiden und sich von Wasserläufen, Unterführungen und überfluteten Straßen fernzuhalten.
Nach Angaben des Radiosenders Cadena SER wurden auf Mallorca, Ibiza und Formentera am Wochenende insgesamt 130 wetterbedingte Vorfälle registriert. Dazu gehörten umgestürzte Bäume, überflutete Straßen, Stromausfälle und Schäden an Gebäuden.
Zwei Tote und 2000 Evakuierte: Unwetter verwüstet Spaniens Mittelmeerküste
Während die Lage auf Mallorca am Montagmorgen vergleichsweise glimpflich verlief, kam es auf dem spanischen Festland zu schweren Überschwemmungen.
Besonders betroffen sind die Regionen südlich von Valencia und im Norden der Provinz Alicante. Dort wurden örtlich mehr als 700 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Mehrere Ortschaften waren zeitweise über den Straßenverkehr nicht erreichbar.
In der Küstenstadt Oliva mussten rund 2000 Menschen aus sieben Campingplätzen evakuiert werden. Rettungskräfte waren mit Booten und Hubschraubern im Einsatz, um Menschen aus den überfluteten Gebieten zu bergen.
Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE wurden auch Soldaten der militärischen Notfalleinheit UME zur Unterstützung der Rettungsarbeiten entsandt.
Mindestens zwei Frauen kamen bei wetterbedingten Unglücksfällen ums Leben. Eine Frau wurde nordöstlich von Barcelona von einem angeschwollenen Bach mitgerissen. Eine weitere starb vor der Küste Valencias, nachdem sie beim Baden von der Strömung erfasst worden war.
Verantwortlich für das Unwetter ist ein Höhentief mit dem Namen „Adam“, das über dem warmen Mittelmeer besonders intensive Regenfälle und Gewitter auslöst.
Für Mallorca erwarten die Meteorologen auch am Dienstag weitere Schauer und einzelne kräftige Gewitter. Anschließend soll sich die Wetterlage allmählich beruhigen. Bis dahin empfehlen die Behörden Urlaubern und Einheimischen, die aktuellen Warnungen aufmerksam zu verfolgen.
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