Man lässt ihn gewähren

Martin Klesmann
2 Min

Die Bundesbank ist bestrebt, die erneut kontrovers diskutierten Äußerungen ihres Vorstandsmitgliedes Thilo Sarrazin zu einem generellen Kopftuch-Verbot an deutschen Schulen nicht zu kommentieren. "Wir äußern uns dazu nicht", sagte gestern ein Sprecher der Bundesbank. Und das, obwohl Bundesbank-Vorstand Sarrazin eine Forderung aufgemacht hatte, die laut führenden Juristen "nicht verfassungskonform" ist.Zu groß ist bei der Bundesbank offenbar die Angst, dass die oberste deutsche Bank noch einmal ins grelle Licht der Öffentlichkeit gerückt wird. Schon nach dem Sarrazin-Interview vor zwei Monaten im Magazin Lettre International hatte Bundesbank-Chef Axel Weber versucht, Sarrazin zu entmachten und zum Rücktritt zu bewegen. Sarrazin hatte im Interview mit dem ihm eigenen zynischen Unterton davon gesprochen, dass viele Türken und Araber in Berlin "keine produktive Funktion hätten, außer für den Obst- und Gemüsehandel". Außerdem produzierten sie "ständig neue kleine Kopftuchmädchen".Doch Weber konnte sich im Vorstand der Bundesbank nicht voll durchsetzen. Sarrazin verlor lediglich die Verantwortung für den Bereich Bargeld. Die Bundesbank-Pressestelle musste sogar einräumen, dass sie gegen Sarrazins Interviewaussagen vorab zunächst keine grundsätzlichen Bedenken geltend gemacht hatte.Ein Stück Verständnis erfuhr Sarrazin gestern von der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Dilek Kolat, SPD-Fraktionsvize und Kreischefin von Tempelhof-Schönberg, hielt es gegenüber der Berliner Zeitung für wünschenswert, dass muslimische Mädchen erst ab 14 Jahren ein Kopftuch tragen sollten, wenn sie es denn wollten. "Ich weiß, so etwas ist rechtlich gar nicht umsetzbar", sagte Kolat. Aber sie habe bei Grundschulkindern, die ein Kopftuch tragen, schon den Eindruck, dass dies "eine Vorgabe der Eltern" sei. Unterstützung bekam Dilek Kolat von Berrin Alpbek, Bundesvorsitzende der Föderation türkischer Elternvereine. "Man könnte eine Empfehlung abgeben, dass Mädchen erst ab 14 Jahren ein Kopftuch in der Schule tragen sollen", sagte sie. Das sei ihre persönliche Meinung. Mädchen seien nämlich erst dann religionsmündig. Sie wolle nicht, dass Eltern Mädchen das Kopftuchtragen vorschreiben, sagte Alpbek, Mitglied der Islamkonferenz. Die Bildungsverwaltung plädiert indes in ihrer Handreichung "Islam und Schule" für einen "selbstverständlichen respektvollen Umgang mit dem Kopftuch". Eine solche Haltung wäre "die ,beste Medizin', um es als Mittel des politischen Protestes, der pubertären Provokation oder der Segregation zu entwerten", heißt es in dem Papier, das Lehrer besser auf muslimische Schüler vorbereiten soll.------------------------------Foto: Thilo Sarrazin, Bank-Vorstand

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