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Finanzskandal in der Premier League: Manchester City soll in 114 Fällen schuldig sein

Eine unabhängige Kommission soll Manchester City bei fast allen Finanzvorwürfen schuldig gesprochen haben. Über die Strafe ist noch nicht entschieden.

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Das Etihad Stadium ist die Heimstätte von Manchester City.

Das Etihad Stadium ist die Heimstätte von Manchester City.

© Conor Molloy/imago

Manchester City soll im jahrelangen Streit um Verstöße gegen die Finanzregeln der Premier League in nahezu allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden sein. Nach einem Bericht von The Athletic hat die unabhängige Kommission bei 114 der ursprünglich 115 Vorwürfe Verstöße festgestellt. Das Medium beruft sich auf mit dem Verfahren vertraute Personen, die wegen der Vertraulichkeit anonym blieben. Auch weitere britische Medien berichten über die Entscheidung.

Offiziell veröffentlicht ist das Urteil bislang nicht. Auch über mögliche Sanktionen ist nach den Berichten noch nicht entschieden worden. Manchester City wird demnach voraussichtlich Berufung einlegen.

Der Club äußerte sich entsprechend zurückhaltend. „Das Verfahren der Premier League dauert an. Es sind noch wesentliche Schritte zu absolvieren und es unterliegt strenger Vertraulichkeit“, erklärte ein Sprecher nach Angaben britischer Medien. City verwies zugleich auf seine bisherige Position zu den Vorwürfen.

Damit steht der wohl bedeutendste Finanzprozess in der Geschichte der Premier League vor einer neuen Phase. Die Liga hatte Manchester City im Februar 2023 nach einer vierjährigen Untersuchung vor eine unabhängige Kommission gebracht. Die Vorwürfe betreffen vor allem die Spielzeiten von 2009/10 bis 2017/18 sowie die spätere Zusammenarbeit des Clubs mit den Ermittlern.

Manchester City soll Finanzangaben falsch dargestellt haben

Ein zentraler Teil des Verfahrens betrifft die Frage, ob City der Premier League korrekte Angaben über seine finanzielle Lage vorlegte. Die ursprüngliche Aufstellung umfasst unter anderem 54 Vorwürfe wegen angeblich unzutreffender Finanzinformationen sowie 14 Vorwürfe zu Angaben über Zahlungen an Spieler und Trainer. Weitere Punkte betreffen die Einhaltung der Finanzregeln der Uefa und die Kooperation mit der Premier League, berichtet unter anderem die BBC.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Sponsoringeinnahmen des Clubs. Die Premier League warf City vor, Einnahmen, Geschäftsbeziehungen und Betriebskosten nicht korrekt ausgewiesen zu haben. Manchester City hat die Vorwürfe stets entschieden bestritten und erklärt, seine Position werde von umfangreichen Beweisen gestützt.

Das Verfahren zog sich außergewöhnlich lange hin. Die Anhörung vor der unabhängigen Kommission begann im September 2024 und endete nach mehreren Wochen im Dezember desselben Jahres. Noch im August 2026 erklärte Premier-League-Chef Richard Masters laut BBC, die Entscheidung lasse länger auf sich warten als erwartet. Einzelheiten könne er wegen der Vertraulichkeit nicht nennen.

Manchester City drohen empfindliche Sanktionen

Welche Folgen die gemeldeten Schuldsprüche haben könnten, ist derzeit offen. Die unabhängige Kommission verfügt über weitreichende Sanktionsmöglichkeiten. Nach Einschätzung von Experten reichen diese grundsätzlich von Geldstrafen über Punktabzüge bis zum Ausschluss aus der Premier League. Auch eine Aberkennung von Titeln wurde in der Vergangenheit als theoretisch mögliche Sanktion genannt. Über eine konkrete Strafe ist jedoch bislang nichts bekannt.

Manchester City gewann während des Zeitraums, auf den sich ein großer Teil der Vorwürfe bezieht, drei englische Meisterschaften: 2012, 2014 und 2018. Unter dem im Mai ausgeschiedenen Trainer Pep Guardiola entwickelte sich der Club später zur dominierenden Mannschaft des englischen Fußballs. Guardiola gewann mit City sechs Meisterschaften und 2023 erstmals die Champions League. Im Mai 2026 verabschiedete er sich nach zehn Jahren und insgesamt 20 Titeln vom Club.

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Frühere Uefa-Strafe gegen City wurde gekippt

Manchester City war bereits früher wegen seiner Finanzen mit der Uefa aneinandergeraten. Der europäische Verband schloss den Club 2020 zunächst für zwei Jahre aus seinen Wettbewerben aus und verhängte eine Geldstrafe. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hob die Sperre später auf. Er sah einen Teil der Vorwürfe als nicht ausreichend belegt oder verjährt an, bestätigte allerdings einen Verstoß wegen mangelnder Kooperation und verhängte eine reduzierte Geldstrafe.

Das damalige Verfahren ist rechtlich vom aktuellen Fall der Premier League getrennt. Die jetzigen Vorwürfe sind erheblich umfangreicher und betreffen zusätzlich die eigenen Regeln der englischen Liga.

Sollte sich der Bericht über die 114 Schuldsprüche mit der offiziellen Veröffentlichung bestätigen, wäre damit zwar die Frage der Haftung weitgehend entschieden. Offen blieben jedoch die Höhe der Sanktion und das angekündigte Berufungsverfahren. Erst danach dürfte endgültig feststehen, welche sportlichen und finanziellen Folgen Manchester City tragen muss.

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