BERLIN, 19. Dezember. Nachdem Ende vergangener Woche im Kanzleramt Lücken in den Aktenbeständen zur Leuna-Privatisierung entdeckt wurden, erweisen sich jetzt auch die Unterlagen des Bundesfinanzministeriums als nicht vollständig. Nach Informationender "Berliner Zeitung" fanden die Beamten im Archiv des Ministeriums ein "offenbar bewußt herbeigeführtes Aktenchaos" vor. Bestimmte Dokumente seien unvollständig und mehrere Computerfestplatten wiesen Spuren von Manipulationen auf, hieß es. Auch im Bundeskanzleramt fanden sich demzufolge Aktenordner, die "offenbar absichtlich durcheinandergebracht" wurden, um das Fehlen einzelner Seiten zu verschleiern.Ob es dem Untersuchungsausschuss noch gelingen wird, die Aktenlage zu rekonstruieren, ist ungewiss. Der SPD-Obmann des Ausschusses, Frank Hofmann, verwies darauf, dass es auch dem Untersuchungsausschuss "DDR-Vermögen" in der vergangenen Legislaturperiode nicht gelungen sei, vollständige Akteneinsicht in den Komplex Leuna/Minol zu bekommen, weil Kanzleramt und Finanzministerium seinerzeit die Herausgabe verweigert hätten. Insofern seien auch die dem Gremium vorliegenden Kopien nicht komplett. Treuhand-Vorwürfe unbestätigt Bislang nicht erhärtet werden konnte eine Meldung der "Welt am Sonntag", wonach es im Zusammenhang mit der Leuna/Minol-Privatisierung auch zu Bestechungszahlungen an "Mitarbeiter im Wirkungsfeld der Treuhandanstalt" gekommen sein soll. Das Blatt beruft sich bei seiner Meldung auf angeblich bisher nicht bekannte Schriftstücke über die entsprechenden Verhandlungen der Treuhand und verschiedener Bundesministerien mit dem Ölkonzern Elf Aquitaine, ohne diese Schriftstücke jedoch näher zu benennen oder auszugsweise zu zitieren. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" hatte der seinerzeit verantwortliche Treuhand-Vorstand Klaus Schucht für die Leuna/Minol-Privatisierung unter anderem die Dienste der Investmentbank Goldman & Sachs und hier angesiedelter Unternehmenensberater in Anspruch genommen. In diesem Zusammenhang wurden nach Abschluss des Privatisierungsvertrages von 1992 ebenso hohe Honorarzahlungen fällig wie für die sich 1994 anschließende weltweite Suche nach einem industriellen Partner, der sich anstelle des Thyssen-Konzerns das Betreiberrisiko des Raffineriekomples mit dem französischen Konzern Elf Aquitaine teilen sollte.
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