Mann gab sich als Restaurator aus

Gedenktafel für Silvio Meier verschwunden

Karin Schmidl
2 Min

FRIEDRICHSHAIN. Im Bezirk wird über das Verschwinden der Gedenktafel gerätselt, mit der bislang an die Ermordung des Punks Silvio Meier erinnert wurde. Die Tafel hing im U-Bahnhof Samariterstraße. Als dessen Sanierung vor wenigen Wochen abgeschlossen wurde und die Tafel wieder angebracht werden sollte, war sie weg. "Uns wurde mitgeteilt, dass Bauarbeiter sie einem Mann ausgehändigt haben, der vorgab, sie restaurieren zu wollen", sagt Wirtschaftsstadtrat Lorenz Postler (SPD). Doch die Adresse, die der Restaurator angegeben hatte, erwies sich als falsch, ebenso sein Name.Der Fall ist brisant: Der 27-jährige Hausbesetzer Silvio Meier war vor 13 Jahren im U-Bahnhof Samariterstraße von einem Rechtsextremisten erstochen worden. Im Herbst 1993 wurden die Tatbeteiligten verurteilt: Zwei erhielten Haftstrafen von drei- und viereinhalb Jahren, einer eine Bewährungsstrafe von acht Monaten. Freunde Silvio Meiers, unter ihnen Stadtrat Postler, hatten damals dafür gesorgt, dass am Tatort eine Gedenktafel angebracht wird. Nach deren Verschwinden wird jetzt im Bezirk heftig spekuliert, ob jemand aus der rechten Szene die Unachtsamkeit der Bauleute ausgenutzt hat, um eine unliebsame Erinnerung zu beseitigen.Baufirma muss Tafel ersetzenEs ist nicht das erste Mal, dass die Gedenktafel verschwunden ist. Sie wurde schon einmal in den 90er-Jahren gestohlen. Die neue Tafel montierten dann Mitarbeiter der BVG wieder ab. Man habe sie "vor einer Schlägerei sichergestellt", hieß es. Die BVG machte nie einen Hehl daraus, dass sie die Gedenktafel im Bahnhof nicht wollte. Man sorge sich um "das subjektive Sicherheitsempfinden" seiner Fahrgäste, wurde erklärt. Im U-Bahnhof Samariterstraße treffen sich regelmäßig Freunde von Silvio Meier zum Gedenken. Erst nach Intervention aus der Landespolitik war die BVG bereit, die Tafel zu tolerieren."Dorthin, wo die Tat geschah, muss wieder eine Tafel, eindringlicher kann man nicht an einen politisch motivierten Mord erinnern", sagt Postler. Für die BVG ist die Sache diesmal klar: "Die Baufirma ist verantwortlich, sie muss eine neue Tafel finanzieren", so Sprecherin Petra Reetz. Angebracht werden soll sie wieder im U-Bahnhof. Auch die Inschrift soll dieselbe sein: "Kein Vergeben, kein Vergessen. Hier wurde Silvio Meier am 21. November 1992 von Faschisten ermordet."

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