ZDF-Sendung

Ostdeutsche nicht als „zurückgebliebene Hinterwäldler“ darstellen: Lanz kritisiert Ost-Bild der Medien

Markus Lanz wirft den Medien ein falsches Bild von Ostdeutschland vor. Die Berichterstattung habe „die Leute wahnsinnig verletzt“.

4 Min
Markus Lanz äußert sich in einer Sendung kritisch über die Berichterstattung zu Ostdeutschland.

Markus Lanz äußert sich in einer Sendung kritisch über die Berichterstattung zu Ostdeutschland.

© Markus Hertrich/ZDF/dpa

In seiner ZDF-Sendung hat sich Markus Lanz über die Art, wie über Ostdeutschland berichtet wird, geäußert. „Mich nervt das immer wahnsinnig“, sagte der Moderator. In seiner Talkshow hat der Moderator der eigenen Branche vorgeworfen, den „vermeintlich doofen Ossi“ vorzuführen.

Die Sendung lief am Mittwochabend, nur vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und gut zwei Wochen vor der Wahl in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Statt einer Politikerrunde diskutierten vier Journalistinnen und Journalisten – und übten dabei offen Kritik am eigenen Berufsstand.

Was Markus Lanz an der Berichterstattung über den Osten stört

Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt. Die AfD liegt in Umfragen deutlich vor der CDU, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund will Ministerpräsident werden.

Vor diesem Hintergrund ging es in der Runde um die AfD, die Zukunft der sogenannten Brandmauer und das Verhältnis von Ost und West – 36 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Am schärfsten wurde Lanz beim Thema Ostdeutschland. Er habe das Gefühl, dass in den Medien mit klischeehaften Zuschreibungen gearbeitet werde. „Da wird der vermeintlich doofe Ossi vorgeführt: Guck mal, was für ein stumpfer Typ – und der wählt jetzt natürlich AfD“, sagte der Moderator. So einfach dürfe man es sich nicht machen.

Er weigere sich zu glauben, dass der gesamte Osten so sei. Die Medien müssten aufpassen, welches Bild sie zeichneten.

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Der Vergleich mit den USA und den Trump-Wählern

Für sein Argument blickte Lanz über den Atlantik. „Das kenne ich gut aus den USA“, sagte er. Ein Fernsehteam suche sich dort einen Menschen in den Südstaaten, der sich sprachlich schwertue, und unterstelle ihm im Gespräch immer wieder, ein besonders harter Trump-Wähler zu sein.

Das Ergebnis sei absehbar: Überfordert sagten die Befragten am Ende Dinge, die ihnen zuvor untergeschoben worden seien. „Das hat die Leute wahnsinnig verletzt“, so Lanz. Vergleichbare Reportagen sehe er auch in Deutschland.

Die DDR als Erklärung für alles? Debatte bei Lanz

Die Journalistin und Autorin Sabine Rennefanz kritisierte ein verbreitetes Erklärmuster: Die politische Haltung im Osten werde oft auf die DDR-Erfahrung und die Prägung durch die Diktatur zurückgeführt – so, als handle es sich um einen Schaden.

Lanz griff das auf: Die Menschen wollten nicht als „zurückgebliebene Hinterwäldler“ dargestellt werden.

Rennefanz beschrieb außerdem, dass manche Kollegen mit einem festen Ziel in Interviews gingen – einen AfD-Politiker zu entlarven. „Ich glaube, wir kommen mit diesem Journalismus nicht weiter“, sagte sie.

Marc Felix Serrao, Journalist bei Axel Springer, beschrieb die Folgen für das Verhältnis zwischen Reportern und Befragten. Es sei der Eindruck entstanden, dass es nicht um objektive Berichterstattung gehe, sondern darum, Leute vorzuführen.

Debatte über Umgang der CDU mit der AfD

Neben der Ost-West-Debatte ging es um den Umgang der CDU mit der AfD – und da war sich die Runde alles andere als einig. Marc Felix Serrao hielt eine Regierungsbeteiligung der AfD dagegen für einen möglichen „heilsamen Schock für die Demokratie“. Zeit-Journalistin Mariam Lau widersprach: Der radikale Flügel sei in der Partei immer stärker geworden – gerade weil das bei Wahlen nie abgestraft worden sei.

Die AfD kommt in Sachsen-Anhalt vier Tage vor der Landtagswahl in einer neuen Umfrage auf 43 Prozent. Die CDU liegt in der Erhebung des Instituts Insa bei 22 Prozent. Die Linke käme auf zwölf Prozent, die SPD auf sieben und die Grünen auf fünf Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) läge bei vier Prozent, die FDP bei drei Prozent.

Am Ende landete die Runde wieder beim Ost-West-Verhältnis. Rennefanz kritisierte einen Artikel der FAZ über ein „ostdeutsches Sonderbewusstsein“.

Selbst Menschen, die bei Demonstrationen mit DDR-Fahnen unterwegs seien, wollten die DDR nicht zurück, sagte sie. Viele wollten vor allem provozieren und dem Westen „den Stinkefinger“ zeigen. Deutschland werde wohl noch zehn oder 15 Jahre darüber diskutieren, „was Deutschsein bedeutet“, glaubt Rennefanz.

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