Die ersten Wellen der grauen Zugvögel haben Deutschland erreicht, in den kommenden Wochen sollen sich die Rastplätze im Norden und Osten weiter füllen. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr so eine Katastrophe nicht wieder erleben werden“, sagte Günter Nowald, Geschäftsführer der Organisation Kranichschutz Deutschland. Im vergangenen Herbst hatte die Vogelgrippe das ansonsten faszinierende Naturschauspiel überschattet – bundesweit wurden nach seinen Angaben mindestens 20.000 tote Kraniche geborgen.
In Linum war das Sterben besonders sichtbar
Besonders hart getroffen hatte es die Feuchtgebiete rund um Linum in Brandenburg, wo Helfer massenhaft Kadaver einsammeln mussten. In diesem Jahr trafen die Vögel dort mit Verspätung ein. Am 22. September wurden laut Kranichschutz Deutschland lediglich 3200 Tiere gezählt – nach Angaben Nowalds der mit Abstand niedrigste Wert seit über zehn Jahren. Ein Jahr zuvor waren es am 23. September in derselben Region noch 21.240 Kraniche. Warum sich die Ankunft verzögert, sei unklar, sagte Nowald. Das Bild könne sich aber innerhalb weniger Tage ändern.
Die diesjährige Kranichzeit sei mit Blick auf die Vogelgrippe bislang unauffällig gestartet, teilte das Friedrich-Loeffler-Institut mit. Wie hoch das Risiko in der Saison sei, lasse sich nicht zuverlässig vorhersagen. Für September 2026 rechnet das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Greifswald mit einem leichten Anstieg der Virusnachweise bei Geflügel und Wildvögeln.
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Am Ostseebodden in Mecklenburg-Vorpommern wurden zuletzt rund 10.000 Tiere gezählt. Auch in der Niedermoorlandschaft bei Linum, in der Niederlausitz und in der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen sammeln sich die Vögel, um vor dem Weiterflug in den Süden Energiereserven aufzubauen. Bis in die erste Oktoberhälfte hinein rechnet Nowald mit weiteren Zuflügen. Naturschützer werben um Besucher: Bei Führungen und Ranger-Touren lässt sich das Schauspiel mit den charakteristischen Rufen und Balztänzen beobachten. In asiatischen Ländern gilt der Kranich bis heute als Symbol für Glück und ein langes Leben.
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