Box-EM

Von Chemnitz nach Sofia: Maxi Klötzer boxt sich an die Spitze Europas

Nach dem Olympia-Aus in Paris hat Maxi Klötzer aus Chemnitz bei der Box-EM in Sofia die erste deutsche Medaille sicher – und boxt nun ums Finale.

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Zwei Jahre nach dem Vorrundenaus bei Olympia ist Maxi Klötzer (r.) wieder oben auf.

Zwei Jahre nach dem Vorrundenaus bei Olympia ist Maxi Klötzer (r.) wieder oben auf.

© John Locher/dpa

Neun Jahre ist es her, dass Maxi Klötzer in Sofia ihre erste EM-Medaille überhaupt holte, damals noch im Jugendbereich. Am Dienstag hat die inzwischen 26-jährige Chemnitzerin an ihrem persönlichen Glücksort angeknüpft: Mit einem klaren 5:0-Sieg über die Ungarin Laura Horvath zog sie ins Halbfinale der Elite-Europameisterschaft ein – der ersten überhaupt, bei der Frauen und Männer gemeinsam unter dem Dach von European Boxing antreten.

Souverän durch die Ringmitte

Der Chemnitzerin gelang von der ersten Sekunde an das, was sie sich vorgenommen hatte: Sie diktierte das Tempo, ihre Treffer saßen, und spätestens als die Punktrichter Horvath in der zweiten Runde zweimal zum Anzählen schickten, war die Kampfrichtung klar.

Im letzten Durchgang drehte Klötzer dann den Spieß um: Statt selbst nachzusetzen, wartete sie ab, blockte hinter hoher Deckung erste Angriffe ab und überließ Horvath zunächst die Initiative – um am Ende mit einer forschen Schlussphase auch diese drei Minuten für sich zu entscheiden. „Ich habe sehr große Erwartungen an die EM und auch an mich", hatte sie vor dem Turnier im MDR angekündigt. Eingelöst hat sie das bislang eindrucksvoll.

Von Paris zurück auf die große Bühne

Dass dieser Auftritt so nicht selbstverständlich war, zeigt ein Blick auf Klötzers jüngere Vergangenheit. Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris war für sie bereits in der Vorrunde Schluss, eine 0:5-Klatsche gegen die zweifache Weltmeisterin Nikhat Zareen aus Indien.

Auch die Jahre davor waren von knappen Niederlagen geprägt: 2022 scheiterte sie bei der EM in Budva in der Vorrunde an der späteren Goldmedaillengewinnerin Buse Naz Çakıroğlu, bei der WM in Istanbul im selben Jahr ging es früh gegen die Philippinerin Aira Villegas zu Ende, 2023 folgte bei den Europaspielen in Krakau das Achtelfinal-Aus gegen die Polin Natalia Rok.

Seit 2025 aber zeigt die Kurve wieder nach oben: Deutsche Meisterin im Fliegengewicht, ein Viertelfinal-Aus beim Weltcup in Astana, ein knappes 2:3 bei der WM in Liverpool gegen die Bulgarin Wenelina Poptolewa. Sofia liest sich nun wie die logische Fortsetzung dieser Aufholjagd.

Ein Taschenmesser aus der Schweiz

Dass ausgerechnet Sofia der Ort ist, an dem der nächste große Schritt gelingt, wertet Klötzer selbst als Zeichen. „Ich habe tatsächlich 2017 meine erste U19-Medaille bei einer Europameisterschaft hier in Sofia geholt. Deswegen ist es ein ganz gutes Omen, würde ich sagen“, sagte sie im Vorfeld. Mit dabei ist, wie immer, ihr persönlicher Talisman: „Ich habe immer den gleichen Glücksbringer mit. Als ich vier Jahre alt war, habe ich von meinem Papa ein Schweizer Taschenmesser bekommen. Er hat damals noch in der Schweiz gearbeitet. Das ist immer mit am Start.“

Am Mittwochnachmittag, gegen 13:30 Uhr, wartet nun die Spanierin Laura Fuertes Fernandez, die sich ihrerseits mit 4:1 gegen die Irin Daina Moorehouse durchgesetzt hat. Es ist beinahe, als hätte Klötzer die eigene Zukunft vorausgeahnt: „Momentan sind Frankreich, Finnland und Spanien sehr auf dem Vormarsch", hatte sie vor dem Turnier gewarnt – niemand solle in ihrer Gewichtsklasse unterschätzt werden. Nun bekommt sie es mit genau jener Nation zu tun, vor der sie selbst gewarnt hat. Bronze hat die Chemnitzerin aber schon sicher.

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Zwei Deutsche im Halbfinale

Für Aufsehen sorgte am selben Tag auch Kevin Lebowski, der in der Gewichtsklasse bis 90 kg nach einem dramatischen Hin und Her gegen den englischen Commonwealth-Games-Sieger Isaac Okoh ebenfalls ins Halbfinale einzog. Nach einem Anzählen und Rückstand in Runde eins drehte er die Partie über einen eigenen Knockdown in Runde zwei bis zum entscheidenden dritten Durchgang – die zweite deutsche Medaille ist damit sicher.

Nicht ganz so weit kamen Leonie Müller und Helena Engels. Müller traf im Viertelfinale bis 70 kg auf die Türkin Busenaz Sürmeneli, die sowohl Olympia- als auch WM-Gold in der Vitrine hat – und brachte sie in der ersten Runde über die Distanz durchaus in Bedrängnis, ehe Sürmeneli im weiteren Verlauf die Kontrolle übernahm und sich durchsetzte. Engels unterlag in der Gewichtsklasse bis 75 kg ebenfalls im Viertelfinale. Trotzdem zählen beide zu den besten Acht ihrer Gewichtsklassen. Das bei einem Turnier, zu dem mehr als 400 Athletinnen und Athleten aus über 40 Ländern angereist sind – ein Teilnehmerfeld, das es in dieser Größe zuvor noch nicht gegeben hatte.

Zwei Medaillen hat der DBV nun sicher, die Farbe entscheidet sich in den kommenden Tagen. Für Maxi Klötzer beginnt das an diesem Mittwoch – mit dem Taschenmesser ihres Vaters in der Tasche.

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