Rad-WM

Mehr Applaus als Rennzeit: Walter (92) wird in 50 Sekunden Weltmeister – sein Vorbild fuhr mit 105 noch Rekord

Radsport-Weltmeister mit 92 Jahren: Walter Fowler fährt bei der Masters-WM in London 500 Meter in 50,06 Sekunden – schneller als viele 75-Jährige.

3 Min
Robert Marchand im Januar 2017 bei seinem Stundenrekord im Vélodrome National bei Paris: Mit 105 Jahren fuhr der Franzose 22,547 Kilometer in einer Stunde. Er ist das große Vorbild von Walter Fowler.

Robert Marchand im Januar 2017 bei seinem Stundenrekord im Vélodrome National bei Paris: Mit 105 Jahren fuhr der Franzose 22,547 Kilometer in einer Stunde. Er ist das große Vorbild von Walter Fowler.

© Federico Pestellini/Imago

Walter Fowler musste nur ankommen. Zwei Runden auf der Holzbahn, 500 Meter, dann gehörte das Regenbogentrikot ihm.

Der Brite ist 92 Jahre alt und war in seiner Altersklasse der 90- bis 94-Jährigen der einzige Starter. Bei der Masters-Bahnrad-WM in London trat überhaupt niemand sonst über 90 an, wie das britische Magazin Cycling Weekly berichtet. Allein fahren durfte er nur mit Sondergenehmigung der Veranstalter.

„Bei den Weltmeisterschaften stehe ich immer als Ältester auf der Liste“, sagte Fowler dem Blatt.

Weltrekord mit 92: 500 Meter in 50,06 Sekunden

Die Uhr blieb bei 50,06 Sekunden stehen. Das sind im Schnitt knapp 36 Kilometer pro Stunde, mit stehendem Start.

Weil vor ihm noch nie jemand in diesem Alter die Strecke gefahren war, gilt die Zeit automatisch als Weltrekord. Billig erkauft ist er trotzdem nicht: Laut Fowler waren mehrere Fahrer aus jüngeren Altersklassen langsamer, bis hinunter zu den 75- bis 79-Jährigen.

Gefahren wurde im Lee Valley VeloPark, der Bahn der Olympischen Spiele 2012.

Nur fünf Wochen Training

Vor der WM hatte Fowler mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Danach blieben ihm fünf Wochen Vorbereitung, die er ausschließlich in die 500 Meter steckte.

Im Rennen lief es wie immer bei ihm. Rasanter Start, dann ging ihm in der Mitte die Luft aus. Die erste Runde sei schon immer seine stärkste gewesen, sagte er dem Magazin.

Bei der Siegerehrung bekam er 30 Sekunden Applaus, mehr als die Hälfte seiner Fahrzeit. Fowler verbeugte sich vor dem Publikum. Dann wollte ein anderer Fahrer noch ein Selfie mit ihm.

Radsport-Comeback nach 50 Jahren Pause

Angefangen hat alles 1949. Mit 15 fuhr Fowler seine ersten Bahnrennen, 1958 hängte er das Rad für eine Karriere im Marketing an den Nagel. Ein halbes Jahrhundert später wollte er wissen, ob er es noch kann, berichtete die Regionalzeitung Express & Star.

Er konnte. Mit 81 knackte er den Stundenweltrekord der 80- bis 84-Jährigen, mittlerweile hat der Mann aus Kinver in den englischen Midlands vier Masters-WM-Titel gesammelt.

Viele ältere Fahrer schöpften aus seinen Starts Mut, sagt Fowler. Ihr Gedanke sei: Wenn Walter das mit 92 schafft, schaffe ich es mit 88 auch.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Vorbild Robert Marchand: Stundenrekord mit 105 Jahren

Ans Aufhören denkt er nicht. Als Nächstes peilt Fowler den Rekord der 95- bis 99-Jährigen an, 2027 will er seinen WM-Titel verteidigen. Sein eigentliches Ziel liegt aber im Jahr 2034. Dann wird er 100.

Den Weg dorthin hat der Franzose Robert Marchand vorgezeichnet. Der 1,52 Meter kleine Ex-Feuerwehrmann aus Amiens stieg erst mit 68 wieder ernsthaft aufs Rad. Mit 105 Jahren fuhr er im Januar 2017 bei Paris 22,547 Kilometer in einer Stunde, Weltrekord in einer eigens für ihn geschaffenen Altersklasse.

Hinterher klagte Marchand laut der Nachrichtenagentur AP, er habe das Schild für die letzten zehn Minuten übersehen. Dann sagte er, er warte jetzt auf einen Rivalen. Marchand starb 2021 mit 109 Jahren.

Der Rivale trainiert inzwischen in den Midlands. Er hat noch acht Jahre Zeit.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner