MeLa 2026

Kurz vor der Wahl: Landwirtschaftsmesse wird zur politischen Arena für die Zukunft von MV

69.600 Menschen besuchten die 35. MeLa in MV. Vier Tage lang standen moderne Agrartechnik, Tierzucht und die Zukunft des ländlichen Raums im Mittelpunkt.

5 Min
Schäfer Maik Gersonde mit seiner Schafherde bei der Landwirtschaftsmesse MeLa 2026 im Vorführring.

Schäfer Maik Gersonde mit seiner Schafherde bei der Landwirtschaftsmesse MeLa 2026 im Vorführring.

© Jens Büttner/dpa

Am Sonntag ist die 35. Mecklenburgische Landwirtschaftsausstellung MeLa mit einem Besucherplus zu Ende gegangen. Nach Angaben der Veranstalter kamen vom 9. bis 13. September rund 69.600 Besucher auf das Gelände bei Güstrow. Im vergangenen Jahr waren es 67.100. Damit stieg die Besucherzahl um 2.500 beziehungsweise knapp 3,7 Prozent.

Insbesondere am Wochenende war der Andrang groß. Allein am Sonnabend wurden nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums etwa 25.000 Gäste gezählt. Rund um Mühlengeez bildeten sich zeitweise kilometerlange Staus. Die Verkehrsprobleme zeigten einerseits, wie groß das Interesse an der Messe war. Andererseits dürfte die An- und Abreise für zahlreiche Besucher zur Geduldsprobe geworden sein.

Mit 872 Ausstellern aus dem In- und Ausland bestätigte die MeLa ihren Stellenwert als größte Landwirtschaftsausstellung in Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem Gelände präsentierten sie Neuheiten aus der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft.

Landwirtschaft zwischen Hightech und Tradition

Das Angebot der MeLa 2026 reichte von leistungsstarken Traktoren und klassischen Landmaschinen bis zu digitalen Anwendungen und automatisierten Systemen. Im Bereich „Campus Wissenschaft“ stellten Forschungseinrichtungen Lösungen für das sogenannte Smart Farming vor. Dazu gehörten Roboter, die künftig bestimmte Arbeiten auf Höfen oder an technischen Anlagen übernehmen könnten.

Die Messe zeigte damit, wie stark sich die Landwirtschaft verändert. Digitalisierung, Automatisierung und effizientere Produktionsverfahren sollen Betriebe entlasten und dabei helfen, mit steigenden Kosten, Fachkräftemangel und wachsenden Anforderungen umzugehen. Gleichzeitig blieben traditionelle Themen wie Tierzucht, regionale Lebensmittel und handwerkliche Verarbeitung wichtige Bestandteile der Ausstellung.

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Auch historische Landmaschinen waren in Mühlengeez zu sehen. Besitzer führten ihre Oldtimer vor und erinnerten daran, wie sich die Arbeit auf Feldern und Höfen in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Mehr als 800 Tiere auf dem Messegelände

Zu den Publikumsmagneten gehörte erneut die große Tierschau. Mehr als 800 Tiere wurden auf der MeLa präsentiert – darunter Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen, Geflügel und Kaninchen. Im Mittelpunkt stand 2026 das Rauhwollige Pommersche Landschaf. Die alte regionale Rasse wurde als „Tier der MeLa“ in einer eigenen Schau vorgestellt.

Für das kommende Jahr haben die Veranstalter bereits einen Nachfolger bestimmt: Das Silberkaninchen soll „Tier der MeLa 2027“ werden. Die traditionsreiche Kaninchenrasse ist an den hellen Haaren zu erkennen, die ihrem Fell einen silbrigen Schimmer verleihen.

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, lenkt beim Eröffnungsrundgang auf der Landwirtschaftsmesse MeLa einen Radlader.

Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, lenkt beim Eröffnungsrundgang auf der Landwirtschaftsmesse MeLa einen Radlader.

© Jens Büttner/dpa

Die Kinder-MeLa vermittelte jüngeren Gästen unterdessen, wo Lebensmittel herkommen und wie viel Arbeit hinter ihrer Erzeugung steckt. Das Angebot sollte nicht nur Wissen über Landwirtschaft vermitteln, sondern auch Interesse an Berufen in der Branche wecken.

Bauerntag wurde zur politischen Arena vor der Wahl

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern bekam die 35. MeLa eine besonders politische Bedeutung. Beim traditionellen Bauerntag diskutierten Vertreter mehrerer Parteien mit den Landwirten über die Zukunft der Agrarwirtschaft und der ländlichen Räume. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Zukunft für Acker, Stall und Dorf“.

Ein Besucher steht vor einem Mähdrescher auf der Technikschau der 35. Landwirtschaftsmesse MeLa in Mühlengeez bei Güstrow.

Ein Besucher steht vor einem Mähdrescher auf der Technikschau der 35. Landwirtschaftsmesse MeLa in Mühlengeez bei Güstrow.

© Jens Büttner/dpa

Auf der Tagesordnung standen unter anderem die Zukunft der Nutztierhaltung, finanzielle Unterstützung für landwirtschaftliche Betriebe, Energiepreise und regionale Wertschöpfung. Auch die medizinische Versorgung auf dem Land, schnelles Internet, kommunale Finanzen sowie Natur- und Klimaschutz wurden angesprochen.

Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern nutzte die Veranstaltung, um ein Zehn-Punkte-Programm für die kommende Landesregierung vorzustellen. Der Verband fordert unter anderem verlässlichere politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und bessere Perspektiven für die Tierhaltung.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) kündigte den Bau von zwei neuen Schlachthöfen in MV an. Noch 2026 soll der Förderbescheid für einen kombinierten Betrieb übergeben werden, in dem Rinder, Schweine, Schafe und Wild verarbeitet werden können.

Besonders Schweinehalter warten dringend auf neue regionale Kapazitäten: Seit der Schlachthof in Teterow 2019 die Schweineschlachtung eingestellt hat, können Schweine im Land nicht mehr in nennenswertem Umfang geschlachtet werden. Durch die Schließung des grenznahen Schlachthofs im brandenburgischen Perleberg Ende 2025 wurden die Transportwege noch länger und teurer – auch aus Sicht des Tierschutzes ein Problem.

Darüber hinaus kündigte Backhaus für den 15. September den ersten Spatenstich für einen neuen Geflügelschlachthof im Nordosten an. Der Minister begründete das Vorhaben mit den steigenden Geflügelbeständen in MV. Beide Projekte sollen dazu beitragen, Tiere wieder näher an ihren Haltungsbetrieben zu schlachten und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.

Messegelände in Mühlengeez soll weiter wachsen

Die MeLa hat sich seit ihrer Premiere im Jahr 1991 deutlich entwickelt. Damals beteiligten sich 181 Unternehmen, knapp 15.000 Menschen besuchten die erste Ausstellung. Inzwischen gilt die MeLa als größte Landwirtschaftsausstellung Norddeutschlands und als wichtigster Branchentreff der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft im Nordosten.

Das neue feste Gebäude war auf der MeLa Halle 4 und dient nun auch als Veranstaltungsort außerhalb der Messe sowie dem Bevölkerungsschutz.

Das neue feste Gebäude war auf der MeLa Halle 4 und dient nun auch als Veranstaltungsort außerhalb der Messe sowie dem Bevölkerungsschutz.

© Katja Frick/Ostdeutsche Allgemeine

Das Land Mecklenburg-Vorpommern will den Standort weiter stärken. Für rund 4,2 Millionen Euro wurde zu Beginn der 35. MeLa durch Stieblich Hallenbau aus Güstrow in Rekordzeit eine neue Halle errichtet, zudem wurde das Gelände digitalisiert und unter anderem Stromleitungen erneuert. Durch die zusätzliche Halle sind künftig auch wetterunabhängige und ganzjährige Veranstaltungen möglich. In Krisensituationen kann das Gebäude zudem für Aufgaben des Bevölkerungsschutzes genutzt werden.

Mit 69.600 Gästen, rund 900 Ausstellern und einem breit gefächerten Programm zieht die MeLa 2026 insgesamt eine positive Bilanz. Die Ausstellung machte zugleich deutlich, vor welchen Herausforderungen die Landwirtschaft steht: Betriebe benötigen wirtschaftliche Sicherheit, verlässliche politische Entscheidungen und qualifizierten Nachwuchs. Wie die beim Bauerntag formulierten Forderungen nach der Landtagswahl umgesetzt werden, wird sich zeigen.

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