Bundeskanzler Friedrich Merz könnte laut einem Medienbericht den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle in den kommenden Tagen offiziell Russland zuschreiben. Der Fall reiht sich in eine Serie von Drohnenzwischenfällen an dem Flughafen ein.
Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen berichtete, bereitet die Bundesregierung eine offizielle Zuordnung des Vorfalls vom 4. August an Moskau vor. Gemeinsam mit der Ankündigung sollten umfangreiche Maßnahmen vorgestellt werden – eine Kombination aus direkten deutschen Schritten und neuen EU-Sanktionen. Vorgesehen sei der Termin für Anfang kommender Woche parallel zum Treffen der EU-Außenminister in Irland am Dienstag. Merz (CDU) könne die Entscheidung aber auch vorziehen.
Ein Regierungssprecher wollte den Bericht nicht bestätigen. Das Kanzleramt beteilige sich nicht an Spekulationen, sagte er. Merz selbst hatte am Donnerstag in einem RTL-Interview angekündigt, die Verantwortlichen des Vorfalls würden in Kürze benannt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach bislang lediglich von „fremden Mächten“.
Möglicher Sprengstoff Hexogen
In der Nacht zum 4. August hatten Einsatzkräfte am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entdeckt. Nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen entfernte ein Sprengstoffroboter den Zünder, der ohnehin nicht funktioniert habe. Der Flughafen wurde rund zwei Stunden gesperrt. Eine zweite Drohne soll mit einem durchstartenden DHL-Frachter zusammengestoßen sein, der nach Hannover umgeleitet wurde.
Am 14. August wurde nach Berichten von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR im nahen Kabelsketal eine dritte Drohne gefunden. Einen Tag später stellten Ermittler dort eine Substanz sicher, bei der es sich nach ersten Einschätzungen um rund 50 Gramm des militärischen Sprengstoffs Hexogen handeln könnte.
Weitere Drohnensichtung Mitte der Woche
Bereits am Mittwoch war nach Angaben eines Polizeisprechers im Gespräch mit MDR Sachsen erneut eine Drohne am Flughafen Leipzig/Halle gesichtet worden. Zwei Maschinen mussten umgeleitet werden, darunter ein Ferienflieger. Der Flugverkehr sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Bei dem Fluggerät habe es sich um eine private Drohne gehandelt, die Sanierungsarbeiten an einem Haus im nahen Großkugel dokumentieren sollte. Die Umleitung sei eine besondere Vorsichtsmaßnahme wegen des Vorfalls von Anfang August gewesen.
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Bericht: Berlin will Russland für Drohnenvorfall in Leipzig verantwortlich machen
Laut Deutscher Flugsicherung haben in diesem Jahr in Leipzig bereits sechs Drohnen den Flugverkehr gestört, in Dresden fünf. Der Flughafen Leipzig/Halle wird seit Jahrzehnten von Bundeswehr und Nato für Materialtransporte genutzt, unter anderem im Rahmen des SALIS-Programms mit Antonov-Frachtern des Typs An-124. (mit AFP)
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