Explosionen

Meuterei erschüttert Niger: Kämpfe am Flughafen und Präsidentenpalast

Soldaten griffen in Nigers Hauptstadt strategische Orte an. Die Militärregierung erklärt, sie gewinne schrittweise die Kontrolle zurück.

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Nigrische Nationalgardisten. In Niamey ist es in der Nacht zu Schüssen und Explosionen gekommen.

Nigrische Nationalgardisten. In Niamey ist es in der Nacht zu Schüssen und Explosionen gekommen.

© Sam Mednick/AP

Aufständigsche Soldaten haben in der Nacht zum Samstag mehrere strategische Einrichtungen in Nigers Hauptstadt Niamey angegriffen. Stundenlang waren Schüsse und Explosionen am Flughafen und nahe dem Präsidentenpalast zu hören, berichtete Reuters unter Berufung auf vier Quellen und eigene Augenzeugen. Die Regierung erklärte über die nigrische Nachrichtenagentur ANP, die Sicherheitskräfte brächten die Lage schrittweise unter Kontrolle.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums begann die Meuterei gegen 0.20 Uhr in der Militärbasis 101 am internationalen Flughafen Diori Hamani. Eine Gruppe von Soldaten soll dort Kameraden festgesetzt und auf weitere sensible Orte der Hauptstadt geschossen haben.

Die Streitkräfte hätten die Aktion durch ein schnelles Eingreifen eingedämmt, hieß es in einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, Ruhe zu bewahren.

Niamey: Palast gesichert, Flughafen umkämpft

Wie weit die Regierung die Lage kontrollierte, blieb zunächst unklar. Nach Informationen von Reuters galt der Präsidentenpalast gegen 9 Uhr GMT als von loyalen Truppen gesichert. Der Bereich um den Flughafen sei jedoch noch umkämpft gewesen, während Meuterer das Staatsfernsehen unter ihre Kontrolle gebracht hätten.

Der Nachrichtenagentur AP zufolge unterbrach der Staatssender RTN seine Liveübertragung für einige Stunden, nahm sie später aber wieder auf. Sicherheitskräfte wurden am Flughafen und im Regierungsviertel Plateau zusammengezogen, eine wichtige Zufahrtsstraße nach Niamey wurde gesperrt.

Die Basis beherbergt neben der nigrischen Luftwaffe auch das Hauptquartier der gemeinsamen Streitmacht von Niger, Burkina Faso und Mali. Angaben über Tote oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Soldaten aus mehreren Regionen beteiligt

An der stundenlangen Aktion waren laut Reuters Soldaten aus Ouallam, Téra und Dosso im Südwesten des Landes beteiligt. Das berichteten eine nigrische Sicherheitsquelle und der Sahel-Experte Yvan Guichaoua.

Zu Beginn der Kämpfe hatte eine Sicherheitsquelle gegenüber Reuters noch von „Terroristen“ gesprochen. Spätere Berichte und die Regierungserklärung beschrieben die Angreifer dagegen als meuternde Soldaten. Reuters konnte die Angaben nicht unabhängig bestätigen.

Druck auf Militärmachthaber Tiani wächst

Die Meuterei ist eine neue Herausforderung für General Abdourahamane Tiani. Er hatte im Juli 2023 den gewählten Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt und versprochen, die Sicherheitslage zu verbessern. Dennoch dauern die Angriffe dschihadistischer Gruppen an.

Der Flughafen war bereits zweimal in diesem Jahr Ziel solcher Attacken. Im Januar griff der regionale Ableger des Islamischen Staates an, im Juni bekannte sich der westafrikanische Al-Kaida-Ableger zu einem Angriff.

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Abkehr vom Westen

Seit dem Putsch von 2023 hat Niger seine Zusammenarbeit mit langjährigen westlichen Partnern wie Frankreich und den USA weitgehend beendet und die Beziehungen zu Russland vertieft.

Gemeinsam mit den ebenfalls von Militärregierungen geführten Nachbarstaaten Mali und Burkina Faso trat das Land zuletzt aus der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas aus und gründete die Allianz der Sahelstaaten (AES). Die drei Staaten arbeiten auch militärisch enger zusammen; das Hauptquartier ihrer gemeinsamen Streitmacht befindet sich nach Angaben von AP auf der nun angegriffenen Basis am Flughafen von Niamey.

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