Luftfahrt

100 Millionen für eine Piste, auf der kaum ein Flugzeug landet – warum Airlines sie trotzdem brauchen

Auf Midway gibt es keinen regulären Passagierverkehr, nur selten landen dort Maschinen. Trotzdem ist der Flughafen für Zehntausende Pazifikflüge wichtig. Warum?

4 Min
Henderson Field auf dem Midway-Atoll im Nordpazifik. Obwohl dort nur selten Flugzeuge landen, dient die Piste Zehntausenden Flügen als möglicher Ausweichflughafen.

Henderson Field auf dem Midway-Atoll im Nordpazifik. Obwohl dort nur selten Flugzeuge landen, dient die Piste Zehntausenden Flügen als möglicher Ausweichflughafen.

© U.S. Fish and Wildlife Service

Mitten im Nordpazifik liegt ein Flughafen, an dem kaum Passagiere ankommen und von dem keine gewöhnlichen Linienflüge starten. Trotzdem könnte die Sanierung seiner einzigen aktiven Start- und Landebahn mehr als 100 Millionen US-Dollar kosten.

Die amerikanische Luftfahrtbehörde FAA steht deshalb vor einer ungewöhnlichen Entscheidung: Soll das Henderson Field auf dem Midway-Atoll aufwendig saniert werden oder kann der Flughafen als Ausweichplatz für Transpazifikflüge aufgegeben werden?

Nach Angaben der FAA dürfte sich der Zustand der Start- und Landebahn innerhalb der kommenden fünf Jahre stark verschlechtern. Fräsarbeiten, ein neuer Belag und Reparaturen an der Ufermauer würden zusammen mehr als 100 Millionen US-Dollar kosten. Für den Transport des Baumaterials könnten zusätzlich Arbeiten am Hafen notwendig werden.

Die FAA sammelt deshalb Stellungnahmen von Airlines, Flugzeugherstellern und anderen Beteiligten. Die Frist wurde inzwischen bis zum 22. September verlängert. Was hat es mit dem Flughafen auf sich?

Nur elf Umleitungen in 18 Jahren

Auf den ersten Blick erscheint eine solche Summe erstaunlich. Zwischen 2003 und 2021 wurden nach Angaben der FAA lediglich mindestens elf zivile und militärische Flüge nach Midway umgeleitet. Regulären Passagierverkehr gibt es nicht.

Eine dieser seltenen Landungen ereignete sich 2011. Damals musste eine Boeing 747 von Delta Air Lines auf dem Weg von Honolulu nach Osaka wegen einer beschädigten Cockpitscheibe nach Midway ausweichen. Rund 380 Menschen waren an Bord.

Entscheidend ist allerdings nicht, wie oft Flugzeuge dort tatsächlich landen.

Henderson Field ist ein sogenannter ETOPS-Ausweichflughafen. Für bestimmte Langstreckenflüge über große Wasserflächen müssen Airlines ihre Routen so planen, dass im Notfall innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit ein geeigneter Flughafen erreichbar ist.

Midway erfüllt genau diese Funktion. Die FAA führt den Flughafen weiterhin ausdrücklich für ETOPS- und andere genehmigte Flüge.

Zehntausende Flüge brauchen Midway in der Planung

Nach Schätzungen der FAA wird der Flughafen jedes Jahr bei Zehntausenden Passagier-, Fracht- und Militärflügen über den Pazifik als möglicher Ausweichplatz eingeplant.

Würde Midway wegfallen, müssten Airlines andere Airports nutzen und ihre Flugplanung teilweise anpassen. Als Alternativen kommen unter anderem Wake Island, die Eareckson Air Station auf den Aleuten und der Flughafen der Marshallinseln infrage.

Mehrere Airlines drängen deshalb auf den Erhalt des Airports. Japan Airlines und Zipair bezeichneten Midway in einer Stellungnahme als wichtigen Ausweichflughafen für ihre Pazifikrouten. Bei zahlreichen Flügen Richtung US-Westküste spiele der Airport eine zentrale Rolle.

Auch die US-Fluggesellschaft National Airlines sieht in Midway eine wichtige Sicherheitsreserve, weil es im zentralen Nordpazifik nur wenige geeignete Alternativen gibt.

Millionen für eine Piste, die möglichst nie gebraucht wird

Schon der laufende Betrieb kostet mehrere Millionen US-Dollar im Jahr. Die rund 2377 Meter lange Asphaltpiste liegt auf Sand Island, einer der kleinen Inseln des Midway-Atolls.

Das Gebiet ist heute vor allem Naturschutzgebiet. Für normale Besucher ist es geschlossen, Millionen Seevögel nutzen das Atoll als Brutgebiet. Bis 1993 befand sich dort ein US-Militärstützpunkt. Bekannt wurde Midway durch die Schlacht von 1942, die als Wendepunkt des Pazifikkriegs gilt.

Für die FAA läuft nun eine ungewöhnliche Kosten-Nutzen-Abwägung: mehr als 100 Millionen US-Dollar für eine Piste, auf der nur selten Flugzeuge landen.

Für die Airlines liegt ihr Wert allerdings gerade darin, dass sie im besten Fall nie gebraucht wird.

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