Großbritannien und Frankreich haben sich auf eine Neuauflage ihres Abkommens zur Eindämmung irregulärer Migration über den Ärmelkanal verständigt. Die Vereinbarung soll voraussichtlich am Donnerstag von der britischen Innenministerin Shabana Mahmood unterzeichnet werden und läuft über drei Jahre, wie die BBC berichtet.
Auch die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Informationen aus dem französischen Innenministerium, dass man sich auf eine Verlängerung des sogenannten Sandhurst-Abkommens aus dem Jahr 2018 geeinigt habe. Das Abkommen wurde bereits im Jahr 2023 verlängert und wäre in diesem Jahr ausgelaufen.
Großbritannien soll bis zu 766 Millionen Euro zahlen
Frankreich soll im Rahmen der Vereinbarung die Zahl seiner Sicherheitskräfte an der Küste bis 2029 um mehr als die Hälfte auf 1400 erhöhen, wie AFP berichtet. Zudem sei laut BBC ein Einsatz von zwei Hubschraubern, Drohnen und eines Kamerasystems vorgesehen.
Im vergangenen Jahr kamen der BBC zufolge rund 41.000 Migranten über den Ärmelkanal nach Großbritannien. Mindestens 29 Menschen starben laut AFP bei dem Versuch, die britische Küste in kleinen Booten zu erreichen.
Nach Angaben des britischen Innenministeriums, über die die BBC berichtete, sollen außerdem erstmals mindestens 50 in Ausschreitungs- und Mengenkontrolltaktiken geschulte Polizisten an die französischen Strände entsandt werden, um gegen gewaltbereite Gruppen vorzugehen.
Großbritannien soll für das Abkommen bis zu 766 Millionen Euro bereitstellen, allerdings könnten dem Bericht zufolge rund 100 Millionen Pfund (ca. 115 Millionen Euro) dieser Summe umgeleitet oder zurückgezogen werden, wenn nicht genügend Überfahrten gestoppt werden.
Der britische Premierminister Keir Starmer bezeichnete das Abkommen laut AFP als „historisch“. Die bisherige Zusammenarbeit habe „Zehntausende Überfahrten verhindert“, erklärte Starmer. Innenministerin Mahmood erklärte, die Vereinbarung werde Migranten von der gefährlichen Reise abhalten und „Menschenschmuggler hinter Gitter bringen“.
Kritik aus der Opposition
Der konservative Abgeordnete Chris Philp warf der Regierung vor, „eine halbe Milliarde Pfund ohne Bedingungen“ zu überweisen. Frankreich habe im vergangenen Jahr nur ein Drittel der Überfahrten verhindert. Auch Reform UK kritisierte das Abkommen. Die Liberaldemokraten forderten ein umfassendes Rückführungsabkommen mit Frankreich.
Der britische Flüchtlingsrat erklärte, polizeiliche Maßnahmen allein würden Schutzsuchende nicht von den Überfahrten abhalten. Ohne sichere Wege blieben den Menschen nur die gefährlichen Boote, sagte Imran Hussain vom Refugee Council der BBC. (mit AFP)
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