Die Bundeswehr plant umfangreiche Investitionen in den drei mitteldeutschen Bundesländern. Insgesamt rund vier Milliarden Euro sollen nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums nach Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fließen. In Jena ist die Einrichtung eines Musterungszentrums vorgesehen, das spätestens am 1. Juli 2027 seinen Betrieb aufnehmen soll.
Den größten Anteil erhält Sachsen mit 1,63 Milliarden Euro, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 1,37 Milliarden Euro und Thüringen mit rund 944 Millionen Euro. Das Geld soll in „weitgehend allen Bereichen der Infrastruktur“ eingesetzt werden. Bis 2029 sind zunächst 1,45 Milliarden Euro vorgesehen, weitere 2,49 Milliarden Euro bis 2035. Eine Sprecherin des Ministeriums wies darauf hin, dass es sich um Prognosen handle, die sich „aufgrund der derzeitigen weltpolitischen Lage mit großer Wahrscheinlichkeit“ noch verändern könnten.
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Welche Standorte konkret im Mittelpunkt stehen werden, wollte das Ministerium aus „Gründen der operativen und militärischen Sicherheit“ nicht offenlegen. Geprüft werde aber auch die Reaktivierung stillgelegter Liegenschaften. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bundeswehr ein Moratorium für die zivile Umwandlung ehemals militärisch genutzter Bundesimmobilien verhängt. Betroffen sind 187 nicht mehr genutzte Standorte, darunter nach Angaben des Ministeriums auch „Flächen in Sachsen“. Mit den regionalen Beteiligten stehe man in Kontakt. 13 zuvor zur Stilllegung vorgesehene Standorte sollen nun erhalten bleiben, darunter auch militärisch genutzte Teile des Berliner Flughafens Tegel.
Musterungszentrum in Jena geplant
Das geplante Musterungszentrum in Jena soll in der Goethe-Galerie am Ernst-Abbe-Platz untergebracht werden. Vorgesehen sind dort täglich bis zu 60 Musterungen mit medizinischen Untersuchungen, computergestützten Eignungstests und persönlichen Beratungsgesprächen. Rund 50 Arbeitsplätze sollen entstehen. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) wertete die Ansiedlung als Gewinn für die Innenstadt: „Sicherheit und demokratische Verantwortung gehören zu den Grundpfeilern unseres Gemeinwesens. Dazu gehört auch ein respektvoller gesellschaftlicher Dialog über die Rolle der Bundeswehr in unserer Zeit“, erklärte er in einer Mitteilung.
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Bereits 2023 hatte das Verteidigungsministerium entschieden, im ostsächsischen Bernsdorf-Straßgräbchen in der Oberlausitz (Kreis Bautzen) einen neuen Bundeswehrstandort aufzubauen. Dort soll ein Logistikbataillon mit rund 800 Dienstposten neu aufgestellt werden. Allein für dieses Vorhaben sind in den kommenden zehn Jahren Investitionen von etwa 700 Millionen Euro veranschlagt, wie der sächsische Innenstaatssekretär Ulf Bandiko zuletzt bezifferte.
Hintergrund der Investitionen sind Pläne von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), die er Ende des vergangenen Monats vorgestellt hatte. Die Truppenstärke der Bundeswehr soll demnach von derzeit 186.000 auf mindestens 460.000 Soldaten anwachsen. Hinzu kommen soll eine einsatzbereite Reserve von 200.000 Personen.
In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen leben derzeit 5.910 Reservisten, die meisten davon in Sachsen (2.550), gefolgt von Sachsen-Anhalt (1.740) und Thüringen (1.620). Der Reservistenverband, der sich zuletzt dafür ausgesprochen hatte, die Altersgrenze für aktive Reservisten auf 70 Jahre anzuheben, schätzt deren Gesamtzahl bundesweit auf 60.000. Der Verband hat insgesamt 110.000 Mitglieder. (mit dpa)
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