BERLIN. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will erneuerbare Energien aus Wind, Sonne oder Wasser zu einer zentralen Säule der Energieversorgung ausbauen und deren Anteil an der Stromerzeugung stärker ausbauen als im Koalitionsvertrag vereinbart. Gabriel sagte am Donnerstag in Berlin, er halte bis 2020 einen Anteil von 25 Prozent für möglich. Im Koalitionsvertrag ist von 20 Prozent die Rede. "Wir haben da riesige Potenziale", sagte Gabriel und verwies auf eine Studie dreier führender Forschungsinstitute. Derzeit beträgt der Anteil von Ökostrom etwas mehr als neun Prozent.Laut Studie ist es unter Beibehaltung der aktuellen Rahmenbedingungen möglich, bis 2020 den Stromanteil aus grünen Energien zu verdreifachen und damit den sinkenden Anteil der Atomenergie aufzufangen. Auch könne der Kohlendioxidausstoß bis 2020 um 110 Millionen Tonnen verringert werden.Gabriel betonte, die Kosten des Ausbaus für den durchschnittlichen deutschen Haushalt stiegen nur moderat. Heute gebe es monatliche Mehrkosten von 1,50 Euro. Bis 2014 stiegen diese auf 2,80 Euro. Ab 2016 würden sie dauerhaft sinken. Dies sei ein geringer Preis, um die Zukunft kommender Generationen zu sichern, sagte Gabriel. Zudem werde der wirtschaftliche Nutzen häufig unterschätzt. Bereits heute gebe es in diesem Sektor 130 000 Arbeitsplätze. Diese Zahl lasse sich bis 2020 verdoppeln. Im Kernenergiebereich sind heute hingegen nur rund 40 000 Menschen beschäftigt.Die Union bekannte sich zwar zum Ausbau erneuerbarer Energien, zeigte sich jedoch skeptisch, ob dies schnell genug machbar ist. Fraktionsvize Katherina Reiche sagte der Berliner Zeitung: "Es ist richtig, regenerative Energien kräftig auszubauen. Ich halte das 25-Prozent-Ziel aber für zu ehrgeizig." Ein derartiger technologischer Sprung sei in der Kürze der Zeit und zu vertretbaren Kosten nur schwer zu realisieren. Der von Rot-Grün beschlossene Atomausstieg führe dazu, dass bereits ab 2010 eine Versorgungslücke entstehe, die durch erneuerbare Energien nicht zu schließen sei. Der Atomausstieg sei falsch, so Reiche. (jöm., xus.)------------------------------Grafik: Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien
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