BERLIN, 13. September. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) ist mit dem Osten zufrieden. "Das ist äußerlich ein neues Land geworden, da kann man in ganz Deutschland stolz sein", sagte der Minister, der für den Aufbau Ost zuständig ist und wenige Tage vor der Bundestagswahl seine Bilanz nach 15 Jahren deutscher Einheit zog. Es ist eine Halbzeitbilanz, denn die Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West sei bis 2019 geplant, erinnerte Stolpe. "Die zweite Halbzeit ist zu gewinnen", sagte der Minister bei der Vorstellung seiner Bilanz am Dienstag in Berlin.Tatsächlich zeigen die Statistiken, dass viel erreicht wurde. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen in den neuen Bundesländern hat sich seit 1991 auf 83 Prozent des Westniveaus verdoppelt. Die Produktivität im verarbeitenden Gewerbe stieg im Vergleich zu den alten Ländern auf 79,9 Prozent. Der Gewinnanteil am Umsatz war 2002 bei Unternehmen im Osten mit 1,5 Prozent erstmals höher als im Westen mit 1,3 Prozent.Autobahn-Ausbau gefordertInsgesamt seien seit der Wiedervereinigung rund 500 000 neue Firmen gegründet worden: "Manche haben sich ganz erstaunlich entwickelt." Was Stolpe als umso bemerkenswerter herausstellte, da damit eine halbe Million Ostdeutscher den Schritt ins Unternehmertum gewagt habe. Von dem hätten sie vor der Wende noch gelernt, dass es moralisch verwerflich sei.Als Hauptgrund dafür, dass die blühenden Landschaften im Osten trotzdem wohl noch etwas auf sich warten lassen werden, nannte Stolpe die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ist nach 15 Jahren Einheit im Schnitt mit 18,4 Prozent noch immer fast doppelt so hoch wie im Westen. Im Baugewerbe, das zu Hochzeiten im Osten deutlich über 800 000 Menschen beschäftigte, gingen seit 1996 rund 400 000 Arbeitsplätze verloren. Diesen Einbruch konnte lange auch das starke Wachstum im verarbeitenden Gewerbe nicht ausgleichen - obwohl dieses im Jahr 2004 mit 8,8 Prozent pro Jahr sogar doppelt so hoch war wie im Westen.Für die zweite Hälfte des Aufbau Ost forderte Stolpe weitere Investitionen in die Infrastruktur wie Bahnstrecken und Autobahntrassen. Vom Ausbau der A20 etwa profitierten sogar Tiere. Denn für diese Autobahn sei der "Krötentunnel" erfunden worden. "Zur Freude der Storche", sagte Stolpe über dieses spezielle Beispiel ostdeutscher Strukturhilfe: "Ist doch klar, die müssen jetzt nur noch am Ausgang stehen und auf die Kröten warten."------------------------------Foto: Industriekerne erhalten: Schiffbauhalle von Neptun in Warnemünde.
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