Kriminalität

Missbrauchsskandal erschüttert Frankreichs Schulen: Mehr als 100 Einrichtungen betroffen

In Paris laufen Ermittlungen wegen sexueller Gewalt und Misshandlungen an mehr als 100 Schulen und Kitas. Eltern sprechen von einem Systemversagen, betroffen sind teils Kinder ab drei Jahren.

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Schüler vor einer Schule: In Frankreich laufen Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen an mehr als 100 Schulen und Kitas.

Schüler vor einer Schule: In Frankreich laufen Ermittlungen wegen Missbrauchsvorwürfen an mehr als 100 Schulen und Kitas.

© Tesson/Andia.fr/imago

Frankreichs Justiz untersucht derzeit Vorwürfe gegen sogenannte „Animateure“ – Betreuer, die an Schulen und Kindergärten Aufsicht während der Mittagspause, bei Freizeitangeboten oder nach dem Unterricht übernehmen. Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft laufen Ermittlungen an 84 Vorschulen, rund 20 Grundschulen und etwa zehn Kindertagesstätten in Paris. Das berichten unter anderem die französische Zeitung Le Monde sowie der britische Guardian.

Die Vorwürfe reichen laut Anwälten und Elterninitiativen von körperlicher Gewalt bis hin zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung. Betroffen seien teilweise Kinder im Alter von drei oder vier Jahren. In den vergangenen Monaten wurden laut der Stadt Paris bereits 78 Betreuer suspendiert, darunter 31 wegen Verdachts auf sexualisierte Gewalt.

Prozess gegen Schulbetreuer beginnt

Am Dienstag beginnt in Paris der Prozess gegen einen Schulbetreuer, der laut BBC und TF1 beschuldigt wird, fünf Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren sexuell missbraucht zu haben. Der Mann soll an einer Schule im 11. Arrondissement gearbeitet haben. Weitere Verfahren gegen Betreuer sollen im Sommer folgen.

Vergangene Woche nahm die Polizei bei einer Razzia an Schulen im wohlhabenden 7. Arrondissement zudem 16 Menschen fest. Drei von ihnen wurden später wegen sexueller Übergriffe auf Kinder angeklagt.

Elterninitiativen werfen der Stadt Paris und den Behörden vor, Warnsignale über Jahre ignoriert zu haben. Der Anwalt Florian Lastelle sprach laut Guardian von einem „massiven Skandal“. Frankreich könne nicht mehr behaupten, das staatliche Schulsystem garantiere die Sicherheit von Kindern.

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Kritik an schlechter Kontrolle und Billigsystem

Im Zentrum der Kritik steht das französische Betreuungssystem außerhalb des eigentlichen Unterrichts. Die „Animateure“ werden nicht direkt von Schulen oder dem Bildungsministerium eingestellt, sondern häufig von Kommunen – oft mit geringer Ausbildung und schlechter Bezahlung. Nach Angaben von Elternverbänden seien Sicherheitsprüfungen und Kontrollen lückenhaft gewesen.

Der neue Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire kündigte inzwischen ein Reformpaket im Umfang von 20 Millionen Euro an. Künftig sollen Betreuer bereits nach einer einzelnen Beschwerde suspendiert werden. Zudem soll es mehr Schulungen und bessere Kontrollmechanismen geben. Grégoire sprach laut Le Monde von möglichen „systemischen Risiken“ und warnte vor einem „Schweigekodex“ innerhalb des Systems.

Gewerkschaften der Betreuer warnen allerdings inzwischen vor einer Atmosphäre des Generalverdachts. Viele Animateure fühlten sich pauschal kriminalisiert. In der vergangenen Woche kam es deshalb zu Streiks und Protesten in Paris.

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