Kart-Wunderkind

Mit fünf Jahren weltweit gesperrt: Verband entzieht Kart-Wunderkind Emily (5) die Lizenz

Kart-Wunderkind Emily (5) aus Luzern gesperrt: Auto Sport Schweiz entzieht ihr die Lizenz bis Ende 2027. Ihr Vater wirft dem Verband nun Lügen vor.

4 Min
Ein Kind im Kart vor der Zielflagge (Symbolbild). Die fünfjährige Emily aus der Schweiz darf bis Ende 2027 an keinem Rennen mehr teilnehmen.

Ein Kind im Kart vor der Zielflagge (Symbolbild). Die fünfjährige Emily aus der Schweiz darf bis Ende 2027 an keinem Rennen mehr teilnehmen.

© Imago/Aleksandr Finch

Die Disziplinarkommission schreibt selbst, dass Emily das Reglement nicht verstehen kann. Dann sperrt sie die Fünfjährige. Weltweit, bis Ende 2027.

Emily aus dem Kanton Luzern sitzt seit ihrem dritten Geburtstag im Kart, auf Instagram folgen ihr rund 287.000 Menschen. Der Schweizer Motorsportverband Auto Sport Schweiz hat ihr die Lizenz entzogen, wie das Pendlerblatt 20 Minuten berichtet.

Dazu kommen 2000 Franken Busse und 1500 Franken Verfahrenskosten. Ihr Vater Markus Brun wirft dem Verband Lügen vor.

Rennen am Gardasee: Darum wurde Emily gesperrt

Auslöser ist ein Event im Mai auf dem South Garda Karting Circuit in Norditalien. Emily besitzt nur die Puffo-Trainingslizenz. Die erlaubt laut Verbandsurteil Demonstrations- und Trainingsfahrten, Rennen sind ausdrücklich ausgeschlossen.

Die Kommission wertete das Event in Italien als Rennen. Außerdem soll Emily in einem Kart gesessen haben, das deutlich stärker war als in der Puffo-Klasse erlaubt. Darin sieht der Verband ein hohes Risiko für das Kind.

Puffo ist die Einstiegsklasse für die Allerkleinsten, solche Babykarts haben oft kaum mehr als ein PS. Emily habe diese Klasse übersprungen, sagt ihr Vater. Das Fahrzeug sei ihr schlicht zu langsam gewesen.

Eltern verantwortlich, Kind bestraft

Die Hauptverantwortung sieht die Kommission bei den Eltern, eine Fünfjährige könne die Regeln nicht begreifen. Gesperrt wird trotzdem Emily.

Die Begründung laut dem Blatt, das aus dem Urteil zitiert: Das Internationale Sportgesetz sehe „keine Strafminderungen für Minderjährige“ vor. Für einen Verband, der sich auf Kinderschutz beruft, ist das eine bemerkenswerte Logik.

Vater: Lizenz war gar nicht nötig

Markus Brun hält das Urteil für falsch. Emily sei eingeladen worden, für das Event habe es ausdrücklich keine Lizenz gebraucht, das habe die Familie vorher abgeklärt. So gibt das Blatt seine Darstellung wieder.

Im Gespräch mit dem Blatt verweist Brun auf die Kinder von zwei Bekannten. Auch sie seien in Italien ohne Lizenz gestartet, Folgen hätten sie keine. Der Verband erklärt das damit, dass diese Kinder gar keine Lizenz besitzen, die man entziehen könnte. Dass sie eine Tageslizenz gelöst hätten, bestreitet der Vater.

Schon beim Lizenzantrag habe man der Familie klargemacht, Emily bekomme keine Sonderbehandlung, sagte Brun der Zeitung. Man wisse, wer Emily sei.

Eine Berufung legt Brun nicht ein, dafür wären 4500 Franken Vorschuss fällig gewesen. Weitere rechtliche Schritte prüft er laut dem Blatt aber noch.

Opa hatte ein eigenes Formel-1-Team

Rennsport hat in der Familie Tradition. Emilys Großvater ist Walter Brun, früherer Rennfahrer aus dem Kanton Luzern. Sein Team Brun Motorsport holte 1986 den Teamtitel der Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Von 1988 bis 1990 leistete er sich mit EuroBrun einen eigenen Formel-1-Rennstall. In drei Jahren sammelte das Team keinen einzigen WM-Punkt. Ein Jahr ohne Pokal ist in dieser Familie also nicht der erste Durchhänger.

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Verstappen und Norris folgen ihr auf Instagram

Bekannt wurde Emily durch ein Video ihres ersten kontrollierten Drifts. Zu ihren Followern zählen laut dem TCS-Magazin „Touring“ Max Verstappen, Lando Norris und Usain Bolt.

Inzwischen hat sie einen Vertrag mit einer Motorsport-Marketingfirma. Den Vorwurf, er vermarkte seine Tochter, weist Brun zurück. Ohne Social Media lasse sich der teure Rennsport nicht finanzieren, sagt er.

Ein Jahr Training statt Pokale

Aufgeben will die Familie nicht. Emily soll das Jahr zum Trainieren nutzen, „dann kommt sie stärker und schneller zurück“, sagte ihr Vater dem Schweizer Blatt. Für sie sei ohnehin jede Runde ein Rennen.

Die Sperre trifft damit vor allem ein Kind, das von Lizenzklassen nichts weiß und im Training trotzdem schneller sein will als alle anderen. Dass der Verband genau das als Abschreckung versteht, wird er den Eltern im Kartsport noch erklären müssen.

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