In Hessens Regierung könnte er endlich den Schatten des großmächtigen Vorgängers Joschka Fischer abschütteln. Tarek Al-Wazir dürfte zu einem der einflussreichsten Grünen-Politiker reifen, wenn Andrea Ypsilantis Experiment nicht allzu kläglich scheitert. Ein "Himmelfahrtskommando" nennt die CDU das rot-grüne Bündnis, das auf das Wohlwollen der Linken angewiesen ist - nicht ganz zu Unrecht. Dem 1971 in Offenbach geborenen Al-Wazir selbst war eine gewisse Skepsis gegenüber seinen künftigen Partnern durchaus anzumerken. Er drängte die SPD dazu, schon im Vorfeld der entscheidenden Landtagssitzung am 4. November Probeabstimmungen durchzuführen, damit Ypsilanti das Schicksal einer Heide Simonis erspart bleibt. Und damit er tatsächlich endlich Minister werden kann.Al-Wazir, studierter Politologe und seit acht Jahren Fraktionschef der Grünen in Wiesbaden, wird Ypsilantis Vize und Umweltminister. Von manchen Bürgern wird er als verlässliches Korrektiv für die oft emotional wirkenden Sozialdemokratin empfunden. Der dem Realo-Flügel zugerechnete Grüne konnte der SPD zwar nicht alle Infrastrukturprojekte wie etwa den Ausbau des Frankfurter Flughafens ausreden. Aber er vermochte es immerhin, den Ausbau Kassel-Caldens zu beerdigen und energiepolitische Kompetenzen aus dem Wirtschaftsressort des SPD-Mannes Hermann Scheer herauszulösen. Diesem jubelte er auch noch einen gestandenen Grünen, den Finanzexperten Frank Kaufmann, als Staatssekretär unter. Außerdem schlug er für seine Partei den Posten der eminent wichtigen Bildungsministerin heraus. Umso mehr stehen die Grünen unter Erfolgsdruck.Al-Wazir gehört schon jetzt bundesweit zu den beliebtesten Politikern in seiner Partei. Bescheiden, wie der zweifache Vater auftritt, ist zu vermuten, dass seine Mitarbeiter sich nicht wie weiland bei Joschka Fischer damit herumschlagen müssen, wie der Herr Umweltminister an seinen Espresso kommt. In Interviews gibt er sich sachlich bis spröde, und im Landtag hält er erholsamen Abstand zu den verbalen Exzessen der bürgerlichen Einheitsfront.Al-Wazir ist der Sohn einer deutschen Lehrerin und eines jemenitischen Diplomaten. Er hat erfahren, was es heißt, nirgends so richtig hinzugehören und von rechtsgerichteten Rentnern oder auch dem politischen Gegner "als Student aus Sanaa" in die Ecke der vaterlandslosen Gesellen gedrängt zu werden. Dank seines Intellekts und seiner Wortgewandtheit hat er daraus einen Vorteil gemacht. Nicht zuletzt der Wahltag vom 27. Januar 2008 zeigte, dass man in Deutschland mit Mottos wie "Ypsilanti, Al-Wazir und Kommunisten verhindern" nicht mehr zwangsläufig Mehrheiten holen kann. Dass er nun, 13 Jahre nach seinem Einzug ins Parlament, maßgeblich dazu beitragen kann, Roland Koch aus der Staatskanzlei in Wiesbaden zu entfernen, ist Al-Wazirs wohl größter Triumph. Dafür nimmt er auch das Risiko einer höchst ungewissen Zukunft der neuen Regierung in Kauf.------------------------------Foto: Tarek Al-Wazir, Grünen-Chef in Hessen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]