Der Syntainics MBC und Basketball auf europäischer Ebene: Zumindest das scheint eine Erfolgsgschichte zu sein. Konnten die Weißenfelser im Jahr 2004 nach Alba Berlin als zweiter deutscher Verein mit dem Fiba Europe Cup einen internationalen Titel gewinnen, so könnte es in dieser Saison ein zweites Mal klappen. Wenige Tage nach dem überraschenden und wichtigen Erfolg gegen Alba Berlin (99:68) feierten die Wölfe im Viertelfinal-Hinspiel der European North Basketball League bei Donar Groningen in den Niederlanden einen klaren 100:81-Sieg.
Damit verschaffte sich das MBC-Team nicht nur eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel am 25. März (19.30 Uhr) in der Weißenfelser Stadthalle, sondern sammelte zugleich Selbstbewusstsein für das Ostderby am Sonnabend bei Science City Jena und den Kampf um den Verbleib in der Bundesliga. Denn: Dort sind die Basketballer aus Weißenfels nach einem tollen Start im Laufe der Saison auf den drittletzten Tabellenplatz abgerutscht und kämpfen, wie schon so häufig in ihrer Vereinsgeschichte, gegen den Abstieg.
Es wäre zwar nicht der erste Rückschlag für den Traditionsstandort im Süden Sachsen-Anhalts, aber er soll natürlich unter allen Umständen vermieden werden. Wenngleich im 38.000-Seelen-Ort jede Saison in der Bundesliga alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist. Gefühlt jede Spielzeit der jüngeren Vergangenheit war auch stets ein sportlicher Balanceakt, in dem es durch den Rückhalt der Fanszene und das Engagement der vielen prägenden Gesichter am Ende ein Happy End gab.
Lehrer bringt Basketballsport nach Weißenfels
Auf eins dieser Gesichter muss die Weißenfelser Basketball-Familie seit Ende Februar dieses Jahres verzichten: Joachim Stumpf ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Er gilt als Mitinitiator des professionellen Basketballs in Weißenfels und hinterlässt eine Lücke. „Wir verlieren einen Mentor und wahren Freund und wollen sein Erbe in jedem Basketballspiel in Weißenfels hochhalten“, äußerte Geschäftsführer Martin Geissler seine Betroffenheit.
Basketball in Weißenfels wäre ohne Stumpf, aber auch ohne Horst Müller in der heutigen Form wohl gar nicht existent. Müller, der ebenfalls bereits gestorben ist, stammte aus Heringsdorf von der Ostsee-Halbinsel Usedom und hatte an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert. Nach Abschluss seines Studiums kam er 1958 als Sportlehrer in die Saalestadt und sorgte dafür, dass an der erweiterten Oberschule Basketball gespielt wurde. Dabei gelang es Müller, den einen oder anderen Schüler, darunter den jungen Stumpf, für seine gerade gegründete Basketball-Mannschaft zu gewinnen.
Folglich gehörte auch Stumpf der ersten Männermannschaft des SSV Einheit Weißenfels an, die 1977 aus der minimalistischen Turnhalle in die größere Sporthalle West wechselte, wodurch sich die Trainingsbedingungen verbesserten und das Team prompt den Aufstieg in die erstklassige Oberliga feierte.
Familiäre Atmosphäre und Baustoffhändler-Beziehungen
Mit diesem Aufstieg im Jahre 1979 wechselte Stumpf vom Parkett an die Seitenlinie. Als neuer Mannschaftsleiter strebte er an, ein Leistungszentrum für den Jugendbasketball einzurichten. Dieses Projekt scheiterte jedoch aufgrund fehlender staatlicher Unterstützung.
Ob Fußball, Handball oder Tischtennis: Für die meisten Mannschaften ohne staatliche Förderung stellte der Spielbetrieb in der höchsten Spielklasse der DDR sowohl einen sportlichen als auch wirtschaftlichen Kraftakt dar. In Weißenfels existierten nur Fachschulen für Lederverarbeitung sowie für die Ausbildung von Krankenschwestern und Unterstufenlehrerinnen.
Der SSV Einheit konnte dabei nur mit einer familiären Atmosphäre und mit Joachim Stumpf punkten, der als damliger Baustoffhändler weitreichende Beziehungen besaß und diese auch zugunsten des Basketballsports in der Saalestadt einsetzte.
Basketballer steigen 1999 erstmals in die Bundesliga auf
Nach der deutschen Wende expandierte Joachim Stumpf mit seinem Baustoffhandel. Zudem unternahm er Geschäftsreisen in die Tschechische Republik, um wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen. Von dort brachte er die drei professionellen Basketballer Ladislav Rous, Pavel Raska und Vladimir Vyoral mit, die fortan die Weißenfelser verstärken sollten.
MBC-Headcoach Milenko Bogicevic mit dem Maskottchen der Wölfe: Der MBC will alles daransetzen, um auch in der neuen Saison erstklassig zu sein.
© Eckehard Schulz/imago
„Rous hatte für die Tschechen bei den Olympischen Spielen gespielt“, lobt der frühere Einheit-Basketballer Mario Leuschner die Qualität des neuen Teamkollegen. Auch dank der drei Neulinge schaffte der SSV Einheit Weißenfels in der Saison 1990/91 mit Rang drei in der Oberliga den Sprung in die Regionalliga und einen Startplatz im europäischen Korać-Cup.
In den darauffolgenden Jahren avancierte der SSV Einheit, nun als Hagebau Weißenfels auflaufend, zu einem der besten Basketballteams des deutschen Ostens. Im Sommer 1997 stiegen die Saalestädter in die 2. Bundesliga auf. Joachim Stumpf war sowohl Hauptsponsor des Vereins als auch Präsident und Geschäftsführer in Personalunion. Der Traum vom Aufstieg in die Basketball-Bundesliga wurde im Sommer 1999 erreicht. Als Tabellenzweiter hatte man die Aufstiegsrunde eigentlich knapp verpasst. Da aber der TV Oberelchingen sein Startrecht für die Bundesliga zurückgab, durften die „Mitteldeutschen“ ins deutsche Basketball-Oberhaus aufrücken.
Abenteuer Bundesliga wegen Insolvenz vorerst beendet
Jedes der folgenden Bundesligaspiele wurde zum Highlight in der Kleinstadt an der Saale. Nun kamen die Basketballfans von Alba Berlin, Bayer Leverkusen oder den Skyliners Frankfurt am Main nach Weißenfels. „Die Sporthalle West platzte ständig aus allen Nähten“, erinnert sich Mario Leuschner, der in dieser Zeit Nachwuchstrainer war. Ihre Premierensaison in der Bundesliga beendeten die Weißenfelser auf dem achtbaren sechsten Platz.
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Allerdings stießen die Weißenfelser an ihre Grenzen, den gesamten Spielbetrieb zu finanzieren. Mit dem Erreichen der Bundesliga stiegen auch Spielergehälter und Reisekosten stark an. „Wir werden mit Weißenfels im Vereinsnamen keine Chance haben, neue Geldgeber zu gewinnen, um Spitzenbasketball zu finanzieren“, wurde der damalige Geschäftsführer Stumpf in der Weißenfelser Lokalzeitung zitiert.
Es folgte die Umbenennung in Mitteldeutscher Basketballclub. Doch auch dieser umstrittene Schritt konnte die Insolvenz der Betreibergesellschaft im Frühjahr 2004 nicht abwenden. Im Zuge der wirtschaftlichen Niederlage gelang mit dem eingangs erwähnten Gewinn des Fiba Europe Cup der sportlich größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Das Abenteuer Bundesliga aber musste nach nur fünf Jahren beendet werden.
MBC spielt seit 2017 durchgäng erstklassig
Im Sommer 2004 ging der Mitteldeutsche BC mit dem SV Halle eine Spielgemeinschaft ein, die in der Regionalliga neu begann. Diese bekam eine neue Geschäftsführung und zog in die gerade errichtete Stadthalle von Weißenfels um. Gleichzeitig wurde der damals erst 20-jährige Martin Geissler zum Manager des MBC berufen.
Nachdem es die „Wölfe“ 2007 geschafft hatten, wieder in die 2. Bundesliga (damals neu strukturiert als ProA) aufzusteigen, pendelten sie neun Jahre zwischen 1. und 2. Bundesliga, ehe sie seit 2017 durchgängig dem Basketball-Oberhaus angehören.
MBC-Geschäftsführer Martin Geissler: Seit über 20 Jahren leitet er die Geschicke des anhaltinischen Basketball-Vereins.
© Sebastian Kahnert/dpa
MBC wird 2025 deutscher Pokalsieger
Geissler und seine Mitstreiter wollen das Ansinnen des verstorbenen Joachim Stumpf weiterführen, den Mitteldeutschen Basketballclub auf eine gesunde wirtschaftliche Basis stellen und die Verantwortung auf viele Schultern verteilen. „Momentan unterstützen uns über 160 Sponsoren, die einen Saisonetat von 4,5 Millionen Euro ermöglichen, der allerdings auch erforderlich ist, um unseren Zuschauern attraktiven Spitzensport zu bieten“, verriet Ex-Manager Geissler zum Ende seiner Amtszeit.
Während der 2025 errungene deutsche Pokalsieg zu den größten Erfolgen des Vereins zählt, will man in Weißenfels in den verbleibenden zehn Punktspielen der laufenden Bundesliga-Saison alles daransetzen, um auch im zehnten Jahr erstklassig zu bleiben.
Als Nächstes muss sich der Mitteldeutsche Basketball Club am Sonnabend (21. März, 16 Uhr) im ostdeutschen Derby bei Science City Jena beweisen. Mit den Thüringern haben die Wölfe noch eine Rechnung zu begleichen. Nach den beiden zuletzt kassierten Niederlagen – 82:104 in Jena und 86:95 in Weißenfels – wollen sie mit dem Schwung der beiden eingangs eingefahrenen Siege das Parkett bei Science City nun endlich auch einmal als Sieger verlassen. Lutz Walter, Jörgen Heller/OAZ
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