HEINERSDORF. Seine Eröffnungsrede zum Beginn der "Zukunftskonferenz Heinersdorf" muss Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) heute Nachmittag unter Polizeischutz halten. 100 Polizisten und Zivilbeamte vom Staatsschutz werden im Einsatz sein und das Gelände rund um die Grundschule am Wasserturm in der Berliner Straße sichern. Der Veranstaltungsort ist bereits abgesperrt, die Straßenbahn der Linie M 2 wird heute umgeleitet und fährt nicht an der Schule vorbei. "Wir sind auf Störungen aller Art vorbereitet", sagte ein Polizeisprecher.Denn die Moschee-Gegner der Interessengemeinschaft Pankow-Heinersdorfer Bürger (ipahb) haben zu einer Kundgebung gegen die Konferenz aufgerufen. Sie fühlen sich ausgegrenzt. Auf Flugblättern fragen sie "Wurden Sie auch nicht eingeladen?". Ipahb-Vorsitzender Joachim Swietlik sagt: "Wenn es um die Zukunft von Heinersdorf geht, müssen alle Organisationen eingeladen werden, die in Heinersdorf aktiv sind." Swietlik kritisiert das "selektive Auswahlverfahren" der Veranstalter: So wurde nicht der Verein, sondern einzelne Personen eingeladen. "Offenbar sollten unliebsame Personen nicht dabei sein", sagt Swietlik. Als Vorsitzender der Moschee-Gegner hatte er keine Einladung erhalten.Der Ortsteil Heinersdorf am nördlichen Rand Berlins wurde vor zwei Jahren bundesweit bekannt, weil die Ahmadiyya Gemeinde in der Tiniusstraße eine Moschee baut. Es ist die erste in Ostdeutschland. Im Frühjahr 2008 wird sie eröffnet. Gegen den Bau sammelten Anwohner Unterschriften und demonstrierten mehrfach. An diesen Demonstrationen beteiligten sich auch Neonazis und Mitglieder von NPD und Republikanern.Zu der dreitägigen Zukunftskonferenz haben sich 70 Teilnehmer angemeldet. Es sind Anwohner, Gewerbetreibende, Mitglieder von Kirchen, Kleingartenanlagen, der BVG, der AWO und der Verwaltung, Bezirkspolitiker und Vertreter der Ahmadiyya Gemeinde. Bundestagsvizepräsident Thierse ist Schirmherr, das Bezirksamt Pankow unterstützt die Konferenz, der Integrationsbeauftragte des Senats finanziert sie."Der Moscheebau wird aber nicht das zentrale Thema der Konferenz sein", sagt Carl Chung vom Mobilen Beratungsteam "Ostkreuz" der Stiftung SPI. Sein Team hat im vergangenen Jahr die Heinersdorfer Bewohner dabei unterstützt, als Gegenpol zu den Protesten die Zukunftswerkstatt zu gründen. "In Heinersdorf leben nicht nur Moschee-Gegner", sagt Chung. Seit der Moschee-Debatte sei der Ortsteil in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. In Arbeitsgruppen will die Zukunftskonferenz nun zunächst hinter verschlossenen Türen über Themen wie Stadtentwicklung und über Nachbarschaft reden sowie neue Ideen für den Stadtteil entwickeln. Die Methode stammt aus den USA. Chung erklärt, zum Konzept gehöre es, Personen einzuladen und keine Organisationen. Auch Heinersdorfer, die zur ipahb gehören, hätten Einladungen erhalten, sich jedoch nicht angemeldet.------------------------------Foto: In der Tiniusstraße in Heinersdorf baut die Ahmadiyya Muslim Gemeinde eine Moschee mit Minarett. Im Frühjahr 2008 soll das Gebetshaus fertig sein.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]