Münchner Verkehrsblockade

Daniela Vates
2 Min

Vor ein paar Tagen hat Christian Ude noch mit Edmund Stoiber angestoßen. Da hat der Münchner Oberbürgermeister mit drei Schlägen das erste Bierfass des Oktoberfests angezapft und damit das Volksfest eröffnet. Die erste Maß bekam traditionsgemäß der bayerische Ministerpräsident, es war die letzte erste Maß für Stoiber als Landesvater. Ude sagte ein paar nette Abschiedsworte. Jetzt ist ihm nach Nettsein nicht mehr zu Mute. Stoiber verkündete, die Magnetschwebebahn Transrapid zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen könne nun gebaut werden.Nicht einen Euro soll die Stadt München dafür bezahlen müssen. Das klingt nicht so schlecht: Doch Ude kündigte Widerstand an, Klagen, Vetos, alles was eben geht. Der 59-jährige SPD-Politiker hält Stoibers Lieblingsprojekt für zu teuer, zu umständlich und zu laut. Ude will lieber eine Express-S-Bahn bauen, das sei billiger und weniger aufwändig. Der frühere Mieteranwalt wirbt auch damit, dass auf der Transrapid-Trasse Wohnungen entstehen könnten, im wohnraumarmen München, das regelmäßig Spitzenplätze bei den Mietpreisen belegt, zieht das als Argument immer.Es ist nicht so, dass sich Ude gegen alle Neubauten wehrt: Für Hochhäuser in der Stadt war Ude durchaus zu haben. Doch stoppte ihn sein Parteifreund und Amtsvorgänger Georg Kronawitter, der das historische Stadtbild der barocken Landeshauptstadt gefährdet sah. Diese Niederlage hat Udes Selbstbewusstsein nicht beeinträchtigt: Im Vorjahr revidierte er seinen Entschluss, bei der Wahl 2008 nicht mehr für das Oberbürgermeisteramt zu kandidieren. Er will sogar die gesamte Wahlperiode im Amt bleiben. 21 Jahre säße er dann im Münchner Rathaus. So gut gefällt ihm die Rolle, und so wenig Vertrauen hat er wohl in potenzielle Nachfolger in seiner Partei. Ein Schicksal wie Stoiber, der ähnliches dachte, wird Ude wohl dennoch nicht ereilen.Seine Popularität und sein Redetalent an anderer Stelle für die SPD zu nutzen, etwa als Spitzenkandidat für den Landtag, hat er stets abgelehnt; zu desperat ist die Lage der SPD in Bayern. Und wie glücklos erfolgreiche Bürgermeister im Bund wirken können, macht sein einstiger Leipziger Kollege Wolfgang Tiefensee als Verkehrsminister vor.Der will den Transrapid nun voranbringen. In München. Dort lästert die CSU, Ude werde der Erste sein, der sich bei der Transrapid-Eröffnung aufs historische Bild drängen werde. Im Zweifelsfall hat eben auch ein OB angenehm lästige Pflichten.------------------------------Foto: Christian Ude (SPD), OB in München

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