Fußball-Bundesliga

Multiple Schieflage: Hertha BSC kämpft auf allen Ebenen

Berichte über die prekäre Finanzlage legen nahe, dass Herthas Zukunft im Spitzenfußball auch ökonomisch ungewiss ist. Bei Lizenzentzug droht die Regionalliga.

dpa
3 Min
Schriftzug auf einem Banner in Herthas Ostkurve beim Spiel gegen den VfB Stuttgart: „Verkauft, verbrannt, verkackt ... & weiter gefangen im Hamsterrad!“

Schriftzug auf einem Banner in Herthas Ostkurve beim Spiel gegen den VfB Stuttgart: „Verkauft, verbrannt, verkackt ... & weiter gefangen im Hamsterrad!“

© Matthias Koch/imago

Benjamin Weber ging, wie die meisten Fußballfans in Blau-Weiß, am Sonnabend mit einem Lächeln durch die Katakomben des Olympiastadions. Der Sportdirektor von Hertha BSC war nach dem 2:1 gegen Stuttgart erleichtert wie der Rest der Hertha-Führungscrew. Wenn Weber am Dienstag für 100 Tage als Nachfolger des fristlos gekündigten Fredi Bobic im Amt ist, hat auch ihn aber die Realität wieder eingeholt. Wie der 43-Jährige die kommende Saison beim Berliner Fußball-Bundesligisten planen soll, ist nämlich weiter hochspekulativ – unabhängig von Abstieg oder Klassenerhalt.

Hertha BSC kommentiert Risiko der Lizenzverweigerung nicht

Einen Bericht der Süddeutschen Zeitung zu dem Risiko einer Lizenzverweigerung durch die Deutsche Fußball-Liga oder einen Einspruch des Dachverbandes zur Konformität der Zusammenarbeit mit dem Investor 777 Partners mit der 50+1-Regel wollten die Berliner nicht substanziell kommentieren. „Wir stehen mit der DFL sowohl bezüglich des laufenden Lizenzierungs-Verfahrens als auch hinsichtlich der inhaltlichen Ausgestaltung der geschlossenen Partnerschaft mit unserem Investor 777 Partners in regelmäßigem Kontakt“, hieß es vom Fußball-Bundesligisten auf Anfrage.

„Beide Themen gilt es unter Wahrung sämtlicher rechtlichen Anforderungen – insbesondere der 50+1-Regel – und inhaltlichen Vorgaben zu besprechen und zu klären. Wir werden uns zu diesen laufenden Prozessen und zu Spekulationen in den Medien derzeit aber nicht weiter äußern“, hieß es im Hertha-Statement weiter. Die DFL wies darauf hin, dass sie Lizenzierungsunterlagen einzelner Klubs im laufenden Verfahren nicht kommentiere.

Unstrittig ist allerdings, dass die Berliner in einer enorm schwierigen ökonomischen Lage sind. Ohne die von 777 Partners avisierten 100 Millionen Euro Finanzspritze sind die dem Vernehmen nach bis zum 30. Juni zu erfüllenden Lizenzauflagen nicht zu erfüllen. Scheitert also der Deal mit dem US-Geldgeber an formalen Einwänden, droht den Berlinern der Entzug der Spielberechtigung für Bundesliga und 2. Bundesliga – sie würden sie in der Regionalliga wiederfinden.

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Vieles deutet auf eine turbulente Mitgliederversammlung am Sonntag hin

Die Süddeutsche Zeitung hatte am Montag eine Person aus DFL-Kreisen, die anonym bleiben wollte, zitiert, Hertha sei in der Lizenzfrage „der schlimmste Fall, den wir je hatten“. Herthas Geschäftsführer Thomas Herrich hatte den Klub kürzlich als Sanierungsfall bezeichnet. Die 375 Millionen Euro des früheren Investors Lars Windhorst sind schon lange ausgegeben. Im Oktober wird die Rückzahlung einer Anleihe aus einer vorangegangenen Finanz-Akquise in Höhe von 40 Millionen Euro fällig.

Am Sonntag könnte es bei der Mitgliederversammlung in der Berliner Messe wieder turbulent zugehen. Daran werden die Gratis-Würstchen, die es weiterhin dort gibt, vermutlich nicht viel ändern.

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