Kulturstaatsministerin Christina Weiss hat gestern konstatiert, bei den Beutekunst-Verhandlungen mit Russland nicht voranzukommen. Es sei aber nicht die deutsche Beutekunst-Politik gescheitert, sondern die öffentliche Meinung in Russland zur Frage einer Rückführung der Kunstschätze habe sich seit Mitte der 90er-Jahre grundlegend verändert, hieß es gestern in einer Presseerklärung von Weiss.Am selben Tag hatten drei maßgebliche Museumsdirektoren die deutsche Beutekunst-Politik für gescheitert erklärt. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung forderten Martin Roth, Generaldirektor der Dresdner Kunstsammlungen, Hartmut Dorgerloh, Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, einen radikalen Kurswechsel. Die Verhandlungen mit Russland seien festgefahren und keine Rückführungen in Sicht. Lehmann sagte, dass sich sogar die Zusage des Moskauer Puschkin-Museums, die dortigen Depots zu besichtigen, "als Chimäre" erwiesen habe.Die drei Direktoren kritisieren nicht nur die starre Haltung Russlands, sondern lassen auch ihre Enttäuschung über die Bundesregierung anklingen. Für den Bundeskanzler stünde die Wirtschaftspolitik im Vordergrund, das heikle Thema der Beutekunst käme in den Gesprächen mit Putin allenfalls "in Fußnoten" vor. "Wenn die Politik diese Entschlossenheit nicht aufbringen kann, dann sollte man den Museen die Lösung der Probleme überlassen", forderte Roth.Erst am Dienstag hatte die Berliner Gemäldegalerie ein französisches Bild an Russland zurückgegeben. Damit will die Preußen-Stiftung demonstrieren, dass sie ihrerseits der Verpflichtung zur Restitution treu bleibt. Kulturstaatsministerin Christina Weiss, die Chefunterhändlerin auf deutscher Seite, will heute in einer Rede in St. Petersburg zu dem Thema Stellung nehmen. Anlass ist die Übergabe einer Bronzekopie des antiken "Betenden Knaben" an Schloss Peterhof.Krasse GegensätzeAuch in der Bremer Kunsthalle, die sich seit Jahren vergeblich um die Rückführung der 362 Meister-Blätter aus der "Baldin-Sammlung" bemüht, ist man enttäuscht. Direktor Wulf Herzogenrath und Anne Röver-Kann, die Kustodin des Kupferstichkabinetts, waren im Februar bei einem Berliner Museumstreffen im kleinen Kreis dabei, aus der nun das programmatische Interview hervorgegangen ist. Von Gipfel zu Gipfel habe man vergeblich gehofft, dass Gerhard Schröder dem russischen Präsidenten konkrete Zusagen abringen würde.Günter Nooke, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, zeigte Verständnis für die Klagen der Museen: "Die Situation in der Beutekunst steht leider im krassen Gegensatz zu dem positiven Bild, das der Kanzler von den deutsch-russischen Beziehungen zeichnet. Wenn Putin ein lupenreiner Demokrat wäre, würde er sich an das Völkerrecht halten und das Duma-Gesetz von 1998 nicht anerkennen."Christina Weiss verweist auf die großen Bemühungen der Bundesregierung, bei den Rückführungsverhandlungen weiterzukommen. Dennoch sei die damals fest terminierte und schriftlich vereinbarte Rückgabe der Bremer Baldin-Sammlung 1998 am plötzlichen Widerstand der russischen Duma gescheitert. Auch die 18 Millionen Euro, die die Bundesregierung im Rahmen der Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen 2003/2004 ausgegeben hat, habe die "erhoffte Signalwirkung" für die "Beutekunst"-Verhandlungen nicht auslösen können.Seit ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren habe sie die Rückführung der Kulturgüter "offensiv" gegenüber ihren russischen Amtskollegen Michail Schwydkoi und Alexander Sokolow vertreten, sagte Weiss. Bei den letzten deutsch-russischen Kulturbegegnungen im Dezember 2004 in Hamburg seien in Anwesenheit von Wladimir Putin und Gerhard Schröder Arbeitsgruppen auf den Weg gebracht worden. (sep.)
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