Im Streit um das private Mauerkreuz-Mahnmal am Checkpoint Charlie zeichnet sich bislang keine Einigung zwischen dem Grundstückseigentümer und der Chefin des Mauermuseums, Alexandra Hildebrandt, ab. Die Bankaktiengesellschaft Hamm (BAG), der das Areal an der Friedrichstraße/Ecke Zimmerstraße gehört, wollte sich am Mittwoch nicht zum weiteren Vorgehen des Unternehmens äußern. Laut Alexandra Hildebrandt vom "Haus am Checkpoint Charlie" läuft allerdings der Pachtvertrag mit der BAG Ende Dezember aus. "Ich bemühe mich um eine Verlängerung", sagte Hildebrandt am Mittwoch der Berliner Zeitung. Noch gebe es jedoch keine Antwort von der BAG Hamm.Damit steigt der Druck auf die Museumschefin, das Gelände - auf dem sie Mauersegmente und mehr als tausend Holzkreuze aufstellen ließ - doch schon im Januar räumen zu müssen. Die Gedenkaktion hatte Hildebrandt bis zum 31. Dezember beim Bezirk Mitte angemeldet, ein Antrag auf Baugenehmigung wurde nicht verlangt. Die Senatsbauverwaltung von Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ließ jetzt erklären, dass die Installation so wie bisher nicht genehmigungsfähig sei. Weder die Bauverwaltung noch die Senatskulturverwaltung wollen die Kreuze aber abräumen lassen. Was der Eigentümer unternimmt, ist dagegen unklar.Am liebsten wolle sie die Grundstücke rechts und links der Friedrichstraße selbst kaufen, sagte Hildebrandt. Dazu brauche sie allerdings Sponsoren. Auch Kultursena- tor Thomas Flierl (PDS) hatte vor kurzem nicht ausgeschlossen, dass das Land die Grundstücke erwerben könne - wenn auch nur für den Fall, dass das Areal im geplanten Gedenkkonzept eine Rolle spiele. Frühestens zur Sommerpause 2005 stünde das fest. Eine Arbeitsgruppe, an der sich Bund, Land und externe Experten beteiligen, berät derzeit über Vorschläge, die bis zum Frühjahr mit verschiedenen Einrichtungen abgesprochen werden sollen. Danach will Flierl noch ein Colloquium veranstalten, bevor der Senat sich mit dem Thema befasst. Erst dann würde das Parlament entscheiden: frühestens im Juni kommenden Jahres.Enterbung des LandesHildebrandt verteidigte unterdessen die Entscheidung des Museumsträgers "Arbeitsgemeinschaft 13. August", das Land Berlin aus der Vereinssatzung als Vermögenserbe zu streichen. "Das Museum ist das Lebenswerk meines verstorbenen Mannes Rainer Hildebrandt", sagte die Witwe. Daher sei nunmehr die "Rainer-Hildebrandt-Stiftung" mit Sitz in der Schweiz als Begünstigte eingetragen worden, falls der Verein aufgelöst würde. "Das ist nur gerecht und nachvollziehbar." Auch ihr Mann habe diesen Schritt vorgehabt, als er die Stiftung in der Schweiz gründete. Mit der Übertragungsklausel solle der Bestand des Hauses gesichert werden, sagte Hildebrandt. Vermutungen, der Verein werde sich in Kürze selbst auflösen, so dass Trägerschaft und Finanzverantwortung auf die Hildebrandt-Stiftung in Einsiedel übergehe, wies sie zurück. "Solche Pläne haben wir nicht."Laut Kulturverwaltung unternimmt das Museum weitere Schritte, um die eigene Unabhängigkeit zu sichern. So zahle der Verein derzeit die rund 380 000 Euro Lottomittel zurück, die von 1967 bis 1997 zum Ankauf von Kunstwerken geflossen waren - um sie behalten zu können. Alle weiteren Finanzhilfen - knapp 150 000 Euro Landeszuschüsse von 1992 bis 1994 und mehr als eine halbe Million Euro aus Lottomitteln für den Ausstellungsumbau 1999 - müssten nicht zurückgezahlt werden, hieß es.------------------------------Foto: 1 065 Holzkreuze erinnern am Checkpoint Charlie an die Mauertoten.
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