Brandschutz

MV bekommt doch noch eine Landesfeuerwehrschule: Das ist geplant und darum dauerte es

In Malchow soll für rund 60 Millionen Euro eine neue Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz entstehen. Erste Arbeiten auf dem Gelände laufen bereits.

6 Min
Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, besucht die Baustelle für den Neubau der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, besucht die Baustelle für den Neubau der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz.

© Stefan Sauer/dpa

Der Bau einer neuen Landesfeuerwehrschule in Malchow wird konkreter. Auf einem rund 6,4 Hektar großen Gelände an der Ahornallee sollen unter anderem ein Bettenhaus, ein Multifunktionsgebäude sowie Technik- und Ausbildungshallen entstehen. Dieser Neubaukomplex soll die bisherige Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz Mecklenburg-Vorpommern in der Malchower Strandstraße ersetzen.

Mit dem Projekt reagiert das Land auf ein Problem, das Feuerwehren und Kommunen schon seit Jahren beschäftigt: Die Kapazitäten der bestehenden Schule reichen nicht aus. Insbesondere bei Lehrgängen für Führungskräfte und Spezialisten gab es in der Vergangenheit lange Wartezeiten. Die neue Schule soll deshalb nicht nur modernere Ausbildungsbedingungen bieten, sondern auch deutlich mehr Feuerwehrleute und Katastrophenschützer aufnehmen können.

Allerdings befindet sich das Vorhaben noch in einer frühen Phase. Zwar laufen seit Februar 2026 vorbereitende Arbeiten auf dem Grundstück. Der eigentliche Neubau hat jedoch noch nicht begonnen. Einen verbindlichen Termin für den Hochbaustart, die Fertigstellung oder die Inbetriebnahme konnte die Landesregierung bislang nicht nennen.

Vorbereitende Arbeiten laufen seit Februar 2026

Im Februar 2026 begannen die ersten Arbeiten auf dem neuen Gelände. Zunächst wird die Fläche vorbereitet. Unter anderem müssen rund 16.000 Quadratmeter Betonflächen sowie Reste früherer Gebäude beseitigt werden.

Ende August 2026 gab die Landesregierung öffentlich den Startschuss für die Planung des Neubaus. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Innenminister Christian Pegel und Finanzminister Heiko Geue stellten das Vorhaben gemeinsam vor.

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Der Begriff „Startschuss“ sorgte dabei zumindest für Erklärungsbedarf. Denn er konnte den Eindruck erwecken, der Hochbau beginne unmittelbar. Tatsächlich sind bislang nur die vorbereitenden Arbeiten in der Bauausführung. Für die neuen Gebäude selbst wurde mit der Planung begonnen. Die notwendigen Genehmigungs- und Vergabeverfahren für den Hauptbau stehen noch nicht vollständig fest beziehungsweise sind noch nicht abgeschlossen.

50 Millionen Euro aus dem Sondervermögen eingeplant

Finanziell ermöglicht wird das Vorhaben vor allem durch das Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes. Nach Angaben des Finanzministeriums sind im sogenannten MV-Plan bis zu 50 Millionen Euro für die derzeit vorgesehenen Neubaumaßnahmen eingeplant.

Darüber hinausgehende Kosten der ersten Ausbaustufe sollen aus den Einnahmen der Feuerschutzsteuer finanziert werden. Das Gesamtprojekt soll eine Größenordnung von rund 60 Millionen Euro haben.

Eine abschließende Kostenberechnung gibt es jedoch noch nicht. Wie teuer die einzelnen Gebäude tatsächlich werden, soll sich erst nach Abschluss der laufenden Planung zeigen.

Kapazität soll in zwei Schritten deutlich wachsen

Nach Angaben des Innenministeriums verfügt die Landesschule derzeit über 56 Übernachtungsplätze. Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts soll die Zahl zunächst auf 76 Betten steigen. Mit dem zweiten Bauabschnitt sollen schließlich 98 Betten zur Verfügung stehen.

Auch die Ausbildungskapazität soll sich deutlich erhöhen. „Derzeit werden an der Landesschule circa 14.000 Teilnehmertage pro Jahr angeboten. Entsprechend wird sich die jährliche Ausbildungskapazität voraussichtlich um 24 Prozent nach dem ersten Bauabschnitt beziehungsweise um 43 Prozent nach dem zweiten Bauabschnitt im Vergleich zur aktuellen Kapazität erhöhen“, so eine Sprecherin des Innenministeriums.

Damit könnte die Schule künftig rechnerisch etwa 20.000 Teilnehmertage pro Jahr ermöglichen. Wie viele zusätzliche Lehrgänge tatsächlich angeboten werden können, hängt jedoch nicht allein von Räumen und Übernachtungsmöglichkeiten ab. Entscheidend sind dabei auch die Zahl der Lehrkräfte, die technische Ausstattung und die verfügbaren Haushaltsmittel für den laufenden Betrieb.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, besucht die Baustelle für den Neubau der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, besucht die Baustelle für den Neubau der Landesschule für Brand- und Katastrophenschutz.

© Stefan Sauer/dpa

Die Landesregierung bezeichnet die neue Schule als landesweites Kompetenzzentrum für die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Führungskräften und Spezialisten der Feuerwehren und des Katastrophenschutzes. Die Einrichtung ist vor allem für die vielen ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Land wichtig. Bestimmte Führungs- und Speziallehrgänge können nur auf Landesebene durchgeführt werden.

Engpässe für Ausbildung sind seit Jahren bekannt

Die Diskussion über fehlende Ausbildungsplätze hat eine lange Geschichte. Bereits 2019 wurde öffentlich über erhebliche Engpässe berichtet. Allein für mehrere Führungskräftelehrgänge in der Mecklenburgischen Seenplatte standen damals nur 95 Plätze zur Verfügung, obwohl 242 Feuerwehrleute angemeldet worden waren. Teilweise gab es Wartezeiten von zwei Jahren und mehr.

Das Problem betrifft nicht nur einzelne Feuerwehren. Mecklenburg-Vorpommern ist im Brand- und Katastrophenschutz stark auf ehrenamtliche Kräfte angewiesen. Wer eine Führungsfunktion übernehmen oder sich auf besondere Einsatzlagen vorbereiten soll, benötigt entsprechende Lehrgänge. Werden diese nicht rechtzeitig angeboten, können die Ortsfeuerwehren wichtige Funktionen nur verzögert besetzen.

Am bisherigen Standort der Landesschule lassen sich die Kapazitäten nach Einschätzung des Landes nicht ausreichend erweitern. Es fehlen geeignete Flächen für zusätzliche Gebäude, Übungsanlagen und Unterkünfte. Im Laufe der Jahre wurde immer deutlicher, dass kleinere Umbauten allein das Problem nicht lösen würden.

2022 sagte Schwesig Unterstützung für den Neubau zu

Ein wichtiger politischer Schritt erfolgte 2022. Bei einer auswärtigen Kabinettssitzung in der Landesfeuerwehrschule wurde die Idee eines vollständigen Neubaus diskutiert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte später, sie habe damals zugesagt, das Projekt umzusetzen, sobald sich dafür finanzielle Spielräume ergeben.

Diese Formulierung verweist zugleich auf einen wesentlichen Grund für die lange Vorlaufzeit: Ein Neubau dieser Größenordnung konnte nicht ohne gesicherte Finanzierung begonnen werden. Neben den eigentlichen Schul- und Unterkunftsgebäuden müssen technische Hallen, Übungsbereiche, Verkehrsflächen und die notwendige Infrastruktur finanziert werden.

In den folgenden Jahren wurden die Standortplanung und die Suche nach einem geeigneten Grundstück vorangetrieben. 2023 beschäftigten sich die Stadt Malchow und das Land unter anderem mit dem erforderlichen Planungsrecht für die Fläche an der Ahornallee.

Land kaufte Grundstück in Malchow 2024 für einen Euro

Am 20. Juni 2024 wurde der Kaufvertrag für das neue Grundstück unterzeichnet. Die Fläche umfasst genau 63.785 Quadratmeter und wurde von der Stadt Malchow für den symbolischen Preis von einem Euro an das Land Mecklenburg-Vorpommern übertragen.

Der niedrige Kaufpreis bedeutete allerdings nicht, dass das Grundstück ohne weitere Kosten genutzt werden kann. Das Land verpflichtete sich im Gegenzug, die frühere Gewerbefläche zu beräumen und für die künftige Nutzung herzurichten. Auf dem Gelände befinden sich Betonflächen, Gebäudereste und Abfallablagerungen.

„Altlasten im Sinne von Boden- und Grundwasserverunreinigungen durch Gefahr- und Schadstoffe sind am Standort nicht nachweislich. Festgestellt wurden Vergrabungen von Hausmüll und gemischten Bauabfällen. Die Abfallablagerungen bestehen im Wesentlichen aus Hausmüll und gewerblichen Abfällen. Neben überwiegend nicht gefährlichen Abfallarten wurden auch gebrauchte Geräte, teerhaltige Produkte und asbesthaltige Baustoffe vorgefunden“, erklärt eine Sprecherin des Finanzministeriums auf Nachfrage der OAZ.

Für die fachgerechte Beseitigung der Abfallablagerungen sowie der in den baulichen Anlagen vorhandenen Gefahr- und Schadstoffe würden derzeit Kosten in Höhe von rund 350.000 Euro veranschlagt. Diese seien bereits in den Kosten des ersten Bauabschnitts berücksichtigt.

Insgesamt kosten die vorbereitenden Maßnahmen nach Angaben des Landes rund drei Millionen Euro. Dazu gehören neben der Entsorgung auch Baumfällungen, Rückbauarbeiten, die Beräumung des Grundstücks und die Einfriedung des Areals.

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