Asien

Myanmar: Mindestens 55 Tote bei Explosion in Bergbau-Lager in Rebellengebiet

In einem Dorf im Norden Myanmars explodiert ein Sprengstofflager und fordert zahlreiche Todesopfer. Das Dorf wird von der Ta’ang-Rebellengruppe kontrolliert.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
In einem Dorf im Shan-Staat nahe der chinesischen Grenze in Myanmar ist ein Lager der Rebellen Gruppe TNLA explodiert.

In einem Dorf im Shan-Staat nahe der chinesischen Grenze in Myanmar ist ein Lager der Rebellen Gruppe TNLA explodiert.

© imageBROKER/alimdi /Arterra/Marica van der Meer/imago

Bei einer Explosion in einem von Rebellen kontrollierten Dorf im Norden Myanmars sind nach Angaben der BBC mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen und Dutzende weitere verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich am Sonntagmittag im Dorf Kaung Tat im Township Namkham, Shan-Staat, nahe der chinesischen Grenze, wie die BBC unter Berufung auf eine mit der Lage vor Ort vertraute Quelle berichtete. Unter den Toten seien 25 Frauen und 30 Männer.

Die Region steht unter Kontrolle der Ta'ang National Liberation Army (TNLA), die seit Längerem heftige Kämpfe gegen die Militärjunta Myanmars führt. Laut einer Mitteilung der TNLA, die der burmesische Sender DVB zitiert, explodierten in einem Lagerhaus aufbewahrte Sprengstoffe, die im Bergbau eingesetzt werden. Die Rebellengruppe sprach von einem Unglücksfall und kündigte eine eingehende Untersuchung sowie rechtliche Schritte gegen Verantwortliche an.

Krankenhaus mit Verletzten überfüllt

Anwohner schilderten gegenüber DVB Szenen der Verwüstung. Ein Ortsansässiger berichtete, im Umkreis von rund zwei Meilen um die Anlage seien Wohnhäuser zerstört worden, Sprengstoffpakete seien in die Umgebung geschleudert worden. Es habe sich weder um einen Luftangriff noch um Artilleriebeschuss gehandelt. Ein weiterer Bewohner sagte DVB, das Krankenhaus von Namkham sei mit Verletzten überfüllt, dringend würden Blutkonserven benötigt.

Gegenüber der BBC schilderte eine Anwohnerin, viele Menschen hätten den Knall zunächst für einen Luftangriff gehalten. Unter den Toten seien auch Kinder, Hunderte Häuser seien beschädigt worden, ganze Stadtviertel betroffen. Sie selbst sei mit einer leichten Beinverletzung davongekommen, ihr Haus jedoch zerstört worden. „Die Menschen weinten und riefen nach ihren Eltern. Es fühlte sich an, als sei die Welt untergegangen“, zitiert die BBC die Frau. Sie fragte, warum eine Anlage mit Sprengstoffen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten habe betrieben werden dürfen.

Ein von DVB befragter Anwohner verwies darauf, dass in dem von der TNLA kontrollierten Gebiet chinesische Akteure nach Gold, Edelsteinen und Mineralien schürften; der gelagerte Sprengstoff sei für diese Tätigkeiten bestimmt gewesen. Die Stadt Namkham war während der sogenannten Operation 1027 von der TNLA gemeinsam mit Verbündeten der Widerstandsbewegung erobert worden, wie DVB berichtet. Eine Stellungnahme des TNLA-Sprechers Lway Yay Oo lag DVB nicht vor.

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