BERLIN. Seine Kisten sind bereits gepackt, sein Büro ist geräumt. Nach über 14 Jahren hat Andreas Troge heute seinen letzten Arbeitstag. "Das ist ein emotionaler Moment", gibt der Präsident des Umweltbundesamtes zu. Er hätte gerne weitergemacht, doch die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Und so tritt mit Troge einer der profiliertesten und einflussreichsten Umweltexperten des Landes ab.Der oberste Umweltberater der Bundesregierung hat in seiner langen Karriere viele Dienstherren kommen und gehen sehen. Da war die damalige Umweltministerin und CDU-Parteifreundin Angela Merkel, die ihn 1995 ernannt hatte. Da war der Grüne Jürgen Trittin, mit dem er sich für den Atomausstieg stark machte. Da war zuletzt der Sozialdemokrat Sigmar Gabriel, der Troge gerne weiter im Amt gesehen hätte - als eine Art große Koalition von zwei Ökologen aus zwei unterschiedlichen Volksparteien.Das wäre Gabriel schon allein deswegen leicht gefallen, weil der 59-jährige Troge ähnlich wie der andere große Umweltpolitiker der CDU, Klaus Töpfer, in seiner Partei zwar respektiert aber nie wirklich geliebt wurde. Kein Wunder: Troge hält den Atomausstieg für richtig. Er will ein Tempolimit auf Autobahnen. Er befürwortet die Ökosteuer. In der Union sieht man das bekanntlich anders. Doch Troge sagt, die CDU bleibe seine politische Heimat: "Ich gebe den Glauben nicht auf, dass sich die progressiven Kräfte durchsetzen."Für einen, der seine Berufskarriere als Umweltreferent im Bundesverband der Deutschen Industrie gestartet hatte, sind solche Sätze keine Selbstverständlichkeit. Schon damals Anfang der Achtzigerjahre sprach der promovierte Volkswirt immer wieder über die Chancen des Umweltschutzes - gerade auch für die Wirtschaft. Doch in einer Zeit, in der Umweltgesetze noch als größter Feind der Wirtschaft galten, fand Troge damit wenig Gehör. Heute dagegen setzt nicht nur Barack Obama auf eine grüne Wirtschaftsrevolution und spricht von von einem "Green New Deal". Auch in anderen Ländern ist die ökologische Industriepolitik längst nicht mehr nur Vision sondern Realität.Andreas Troge war immer der Meinung, dass es die Aufgabe des Staates ist, das Umsteuern der Wirtschaft mit anzuschieben. Er selbst drückt es so aus: "Wer will, dass sich Eisenspäne in die richtige Richtung drehen, der muss den Magneten an eine andere Stelle setzen." Troge hat immer eine klare Vorstellung davon gehabt, wo der Magnet hingehört. Seine Meinung will er auch weiter kundtun. Die Umweltpolitiker - egal welcher politischen Couleur - werden es auch in Zukunft nicht leicht mit ihm haben.------------------------------Foto: Andreas Troge verlässt das UBA.
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