Nach Informationen der Berliner Zeitung ist er bis heute Deutschlands dienstältester Strafgefangener. Das heißt, kein anderer Verurteilter saß bis dato länger in einem deutschen Gefängnis.
Neumann hatte mehrfach Anträge auf Entlassung gestellt. Erfolglos. So auch im Mai vorigen Jahres. Dagegen hatte er Beschwerde eingelegt – und damit seine Freiheit erkämpft. Das OLG gab dem Antrag mit Beschluss vom 17. März statt. Vor sieben Jahren urteilten die Richter des Karlsruher Oberlandesgerichts noch, dass von Hans-Georg Neumann „im Falle der bedingten Entlassung aus der Strafhaft mit Wahrscheinlichkeit“ neue Gewalttaten zu erwarten seien.
Seit 55 Jahren hinter Gittern: Hans-Georg Neumann ist Deutschlands dienstältester Gefangener
Eine Freilassung komme nur in Betracht, wenn sich der Strafgefangene „aufgrund zunehmender Alterung und damit einhergehender körperlicher Einschränkung“ bereit fände, in einer altersgerechten und hinreichend strukturierten Umgebung mit ständiger Beobachtung und langfristiger Betreuung zu leben.
Zweifacher Mord: Neumann erschoss ein Liebespaar im Auto
Der Mann war nach OLG-Angaben am 30. Mai 1963 vom Landgericht Berlin wegen zweifachen Mordes verurteilt worden. Er hatte ein Paar in dessen Auto überfallen und später erschossen. Damals kam er in Berlin ins Gefängnis. Erst 25 Jahre alt war er da. Später saß er in Bruchsal ein. Dort hatte er sich zuletzt auch in therapeutische Behandlung begeben. „Das hat ihm sehr gutgetan“, sagte seine Karlsruher Anwältin Angela Maeß der Deutschen Presse-Agentur. „Ich gehe davon aus, dass er sich freut und die Zeit, die ihm bleibt, zu nutzen weiß“, so Maeß.
Wann genau er entlassen wird, wurde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht mitgeteilt. Gesetzlich vorgeschriebene Fristen dafür gebe es nicht, sagte ein OLG-Sprecher. Bis zur Entlassung werde der 84-Jährige nun in den Genuss sogenannter vollzugsöffnender Maßnahmen kommen – sprich Ausführungen in Freiheit oder auch unbegleitete Ausgänge, sagte der Sprecher weiter.
Nach lebenslanger Haft: Gefangener muss auf Freiheit vorbereitet werden
„Nach dieser langen Haft braucht er eine gewisse Vorbereitungszeit, um sich an ein Leben in Freiheit zu gewöhnen“, betonte auch seine Anwältin. „Mein Mandant wäre sonst aufgeschmissen.“ Er habe aber Ziele und Pläne und auch Kontakte nach draußen.
Für seine Entscheidung hatte sich das OLG auf ein Sachverständigengutachten bezogen, das auch dem Landgericht vorgelegen hatte. Allerdings sei man zu einer anderen Einschätzung gekommen als die Vorinstanz. „Es ist immer das Interesse abzuwägen, wieder in Freiheit zu kommen, gegen die Gefährlichkeitsprognose“, sagte der OLG-Sprecher.
Erst lebenslange Haft, nun Freispruch?
Lebenslang bedeutet, dass die Strafe nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden und der Verurteilte in die Freiheit entlassen werden kann. Gute Führung ist die Basis; die Bedingung für die Freiheit ist aber vor allem eine günstige Sozialprognose. Gutachter überprüfen dann, ob der Antragsteller noch gefährlich ist oder nicht. Wird der Antrag auf Entlassung abgelehnt, kann der Häftling alle zwei Jahre einen neuen stellen. Wurde bereits bei der Verurteilung die besondere Schwere der Schuld festgestellt, gelten andere Regeln.
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