Die Nato hat nach einer Serie tödlicher Angriffe auf Handelsschiffe zusätzliche Kräfte für die Schwarzmeerregion angekündigt. Wie Bündnissprecherin Allison Hart am Dienstag mitteilte, sollen die Verstärkungen der Überwachung, Aufklärung und Untersuchung der Vorfälle dienen.
Nach Angaben des militärischen Nato-Sprechers Martin O’Donnell gehören dazu Seeaufklärungsflugzeuge, Radarsysteme, Drohnen und Spezialisten für die Analyse von Sprengstoffen.
Zuvor hatte der Nordatlantikrat, das wichtigste politische Entscheidungsgremium des Bündnisses, in Brüssel über die Sicherheitslage beraten. „Die Nato wird zusätzliche Mittel in die Region entsenden“, erklärte Hart. Das Bündnis habe seine Präsenz an der Ostflanke bereits verstärkt, auch mit Fähigkeiten zur Drohnenabwehr.
Welche Staaten wie viele Flugzeuge oder Drohnen bereitstellen und wo diese eingesetzt werden, blieb zunächst offen. Ein Teil der Unterstützung ist nach O’Donnells Angaben bereits entsandt, weitere Kräfte sollen folgen.
Angriffe rücken an die Grenzen des Bündnisses
Auslöser sind wiederholte Angriffe auf zivile Schiffe nahe den Küsten der Nato-Mitglieder Rumänien und Bulgarien. In der vergangenen Woche gerieten zwei Chemikalientanker nach Drohnentreffern nahe der rumänischen Schwarzmeerküste in Brand. Sieben Seeleute wurden anschließend als vermisst gemeldet.
In den zehn Tagen davor waren mindestens fünf weitere Frachter in der Region getroffen worden. Dabei wurden mindestens 23 Besatzungsmitglieder als tot oder vermisst gemeldet. Die Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Vorfälle und dürfen nicht ohne Weiteres zusammengezählt werden.
Die Nato hat die jüngste Angriffsserie bislang keinem Staat offiziell zugeschrieben.Dimitar Bechev, Senior Fellow der Denkfabrik Carnegie Europe, bewertet die Angriffe als Ausweitung des russischen Krieges auf Seegebiete von EU- und Nato-Staaten. Die Nato selbst hat die jüngste Angriffsserie bislang keinem Staat offiziell zugeschrieben.
Moskau hat sich zu diesen Angriffen nicht bekannt. Die nun angekündigten forensischen Untersuchungen sollen helfen, die eingesetzten Sprengstoffe und die Umstände der Vorfälle aufzuklären.
Wichtige Handelsroute für Ukraine auf dem Spiel
Die Angriffe treffen eine Route, über die die Ukraine Waren auf den Weltmarkt bringt. Russische Attacken auf ukrainische Schwarzmeerhäfen haben die Bedeutung der Donauhäfen und der küstennahen Verbindungen entlang Rumäniens und Bulgariens erhöht. Über sie werden unter anderem Getreide und andere Agrarprodukte transportiert.
Weitere Angriffe können Besatzungen gefährden, Transporte erschweren und Versicherungen verteuern. Zugleich wächst das Risiko einer Konfrontation nahe dem Bündnisgebiet. Entscheidend ist dabei der genaue Ort: Hoheitsgewässer gehören zum Staatsgebiet, eine ausschließliche Wirtschaftszone dagegen nicht. Die gemeldeten Vorfälle betreffen unterschiedliche Seegebiete.
Rumänien schießt Drohnen ab
Die Spannungen beschränken sich nicht auf Handelsschiffe. Nach einem Bericht von Stars and Stripes schossen rumänische F-16 am Samstag zwei schnelle Angriffsdrohnen über rumänischen Hoheitsgewässern ab. Die Zeitung beruft sich auf das Verteidigungsministerium in Bukarest. Bulgarien hatte seinerseits zusätzliche verbündete Flugzeuge und Drohnenabwehr angefordert.
Auch die US-Schifffahrtsbehörde MARAD warnt grundsätzlich vor hohen Risiken im Schwarzen Meer. Neben gezielten Angriffen nennt sie treibende Minen, Fehlidentifikationen und mögliche Störungen von Drohnen- und Raketenlenksystemen. Handelsschiffe sollen ihre Schutzmaßnahmen überprüfen und verdächtige Aktivitäten umgehend melden.
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