Steglitz-Zehlendorf

Nach Blackout in Berlin: Steglitz-Zehlendorf bilanziert 900.000 Euro erstattete Hotelkosten

Nach dem tagelangen Stromausfall im Januar hat der Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf die Erstattungen weitgehend abgeschlossen. Rund 2900 Anträge wurden bewilligt.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Das Sozialamt des Bezirks bearbeitete nach dem Stromausfall mehr als 3000 Anträge auf Erstattung von Übernachtungskosten.

Das Sozialamt des Bezirks bearbeitete nach dem Stromausfall mehr als 3000 Anträge auf Erstattung von Übernachtungskosten.

© Schoening/imago

Nach dem großflächigen Stromausfall in Berlin-Steglitz-Zehlendorf im Januar hat das Bezirksamt Betroffenen bislang knapp 900.000 Euro für Hotelübernachtungen erstattet. Das geht aus einer neuen Bilanz des Amts für Soziales hervor, die der dpa vorliegt.

Von 3116 geprüften Anträgen seien 2933 ausgezahlt worden, hieß es weiter. 129 Anträge lehnte die Behörde ab, 54 wurden zurückgezogen. Die durchschnittliche Erstattung lag demnach zwischen 52 und 55 Euro pro Person und Nacht. Drei doppelte Auszahlungen habe der Bezirk erkannt und zurückgefordert.

Anlass war Brandanschlag auf Stromversorgung

Auslöser der Erstattungen war ein Brandanschlag auf die Stromversorgung Anfang Januar. Rund 45.000 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe waren nach Angaben der SPD-Fraktion Steglitz-Zehlendorf mitten in einer Kälteperiode teils mehrere Tage ohne Strom und Heizung.

Bezirksstadtrat Tim Richter hatte bereits im April erklärt, das Amt bearbeite die Anträge mit Sorgfalt, aber pragmatisch und schnell. Rund ein Dutzend zusätzlich abgeordnete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Berliner Verwaltung unterstützten die Auszahlung.

Erstattet wurden reine Übernachtungskosten sowie die City Tax für den Zeitraum vom 3. bis einschließlich 8. Januar. Frühstück, Verpflegung oder Parkgebühren sind laut Bezirksamt ausgeschlossen. Die Erstattung war nicht auf bestimmte Hotels beschränkt.

Kritik an sozialer Schieflage

Die SPD-Fraktion im Bezirk hatte kritisiert, dass Betroffene die Hotelkosten zunächst selbst vorstrecken mussten. Wer dazu nicht in der Lage gewesen sei, habe auf Notunterkünfte ausweichen müssen. Der Berliner Landesbeirat für Menschen mit Behinderungen forderte verbindliche Notfallpläne, eine sichere Notstromversorgung in Pflegeeinrichtungen und die Beteiligung von Behindertenvertretungen bei der Krisenvorsorge.

Der Gehörlosenverband Berlin beklagte, während des Stromausfalls seien keine Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt worden. Informationen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten seien ausschließlich über Lautsprecher weitergegeben worden.

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Parallel läuft noch bis Mitte September eine Befragung der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu den Erfahrungen der Bevölkerung während des Stromausfalls. Sie ist Teil des Forschungsprojekts KRIKO-BE, das gemeinsam mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin und dem Bezirksamt Konzepte für die Krisenkommunikation entwickeln soll.

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