Kampfjet

Nach Bruch mit Frankreich: Holt Deutschland mehr F-35-Jets aus den USA?

Berlin sondiert nach dem Bruch mit Frankreich neue Wege. Im Gespräch sind mehr F-35-Jets, ein Einstieg bei GCAP oder eine deutsche Industrieallianz.

5 Min
Deutschland könnte weitere F-35-Kampfjets aus den USA bestellen.

Deutschland könnte weitere F-35-Kampfjets aus den USA bestellen.

© AFP/WOJTEK RADWANSKI

Nach dem Ende des deutsch-französischen Kampfjet-Projekts FCAS hat die Bundesregierung die Suche nach einer Alternative aufgenommen. Verteidigungsminister Pistorius prüft mehrere Wege, aus dem europäischen Ausland kommt teils heftige Kritik am Aus von FCAS.

Vizeregierungssprecher Steffen Mayer betonte, „dass wir ein Interesse an europäischen Lösungen haben“. Eine Entscheidung gebe es aber noch nicht. „Wir werden jetzt intern in der Regierung, aber auch mit unseren Partnern in Frankreich, auch im europäischen Kontext und sicherlich auch mit der Industrie beraten, welchen Weg wir hier weiter einschlagen“, sagte Mayer. Die Kampfjet-Frage habe „hohe Priorität“. „Wenn eine Tür zugeht, dann gehen häufig auch andere Türen auf.“

Auch das Bundesverteidigungsministerium zeigte sich offen: „Eine europäische Lösung ist eine der Optionen“, sagte ein Sprecher. Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie müsse dabei „ein wichtiger Pfeiler“ sein. Es gehe auch um „Souveränität“ in der Rüstung und darum, „dass wir Hochtechnologie auch in Deutschland halten wollen“.

Pistorius nennt vier Optionen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte am Dienstag erklärt, sein Ministerium prüfe „mehrere Optionen“. Eine Möglichkeit sei, weitere F-35-Kampfjets aus den USA zu bestellen, zusätzlich zu den bereits georderten 35 Maschinen. „Die zweite Option ist, wir steigen in ein bestehendes, schon laufendes, anderes internationales Projekt ein. Oder wir machen selber eins unter deutscher Führung durch Airbus und andere Partner“, führte Pistorius aus. Möglicherweise gebe es noch eine vierte Option, „über die ich jetzt nicht reden will“. Als bestehendes internationales Projekt gilt laut Defense News vor allem das britisch-italienisch-japanische Global Combat Air Programme.

Eine der Optionen für die Bundesregierung ist die bereits bekannte Allianz „Team Gen 6“ um Airbus und sieben weitere Unternehmen, die am Donnerstag auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin eine Vereinbarung zur Entwicklung eines europäischen Kampfjets unterzeichnen will. Pistorius nannte den Vorstoß „denkbar“.

Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, zeigte Sympathie für die Anschaffung weiterer F-35-Jets. Zwischen der Auslieferung der letzten Eurofighter 2035 „und der Verfügbarkeit eines zukünftigen europäischen Kampfflugzeugs entsteht eine Lücke, die wir überbrücken müssen“, sagte Neumann dem Handelsblatt. Ohne Tarnkappen-Fähigkeiten und das Zusammenwirken mit unbemannten Systemen stoße die Luftwaffe an „operationelle Grenzen“.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Kritik aus dem europäischen Ausland

Spaniens Verteidigungsministerin Margarita Robles nannte das FCAS-Aus „sehr besorgniserregend“ für Europa. Spanien war neben Deutschland und Frankreich am Projekt beteiligt. Belgiens Ministerpräsident Bart De Wever kritisierte die Einstellung als „komplette Dummheit“. „Was für eine Zeitverschwendung! Was für eine Arroganz!“, sagte er. Belgien hatte seit 2023 eine Art Beobachterstatus.

Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), forderte neue Kooperationen. „Deutschland verfügt mit Großbritannien, Spanien und auch Schweden über starke europäische Partner“, sagte er der Rheinischen Post. Grünen-Chefin Franziska Brantner sah ein Versagen der Bundesregierung: „Wenn es schlecht läuft, steht am Ende gar kein europäisches modernes Kampfflugzeug, oder nur eines mit einem amerikanischen Motor“, sagte sie dem Handelsblatt. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) verteidigte das Vorgehen. Es sei nötig gewesen, „den Stecker zu ziehen“.

Merz sieht Chance für deutsche Rüstungsindustrie

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht im Scheitern des Projekts auch eine Chance für die deutsche Rüstungsindustrie. „Damit lösen wir zwar eine langjährige Blockade auf, wir eröffnen der Industrie aber auch neue Möglichkeiten, beim Bau moderner Kampfflugzeuge auf anderem Wege voranzukommen“, sagte Merz bei der Eröffnung der ILA. Trotz des Endes des gemeinsamen Kampfjet-Baus sieht er keine vollständige Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Frankreich. „Der eigentliche Kern“ des FCAS-Projekts – die sogenannte „Combat Cloud“, über die unterschiedlichste Waffensysteme vernetzt werden sollen – solle weitergeführt werden. Hier liege eine große Chance für ein „zentrales deutsch-französisches verteidigungspolitisches Zukunftsprojekt“.

Die Verteidigungsminister beider Seiten sollten bis zum nächsten deutsch-französischen Regierungstreffen im Juli ausarbeiten, wie die Zusammenarbeit beim FCAS-Kern fortgesetzt werden könne. Hintergrund des Endes war ein Streit zwischen dem französischen Hersteller Dassault und dem Airbus-Konzern über die Führung im Projekt sowie unterschiedliche militärische Anforderungen – französische Jets sollten auch auf Flugzeugträgern landen und Atomwaffen tragen können.

Airbus hofft auf „Leuchtturmprojekt“

Der Chef von Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, richtete an Merz die Erwartung, dass die Industrie nun einen „klaren Auftrag“ für das weitere Vorgehen sowohl beim geschrumpften FCAS-Projekt als auch für die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeugs erhält. Beide Projekte zusammen hätten das Potenzial, „das technologische und wirtschaftliche Leuchtturmprojekt für die deutsche und europäische Industrie zu werden“.

Schöllhorn betonte, dass die Nato-Luftwaffen weiterhin bemannte Kampfjets benötigten, die dann mit unbemannten Drohnen vernetzt werden könnten. Die deutsche Industrie wolle weiterhin ein Kampfflugzeug „für und mit Europa“ entwickeln. „Wir plädieren nicht für einen deutschen Alleingang, wir denken europäisch“, sagte Schöllhorn. Die deutsche Industrie müsse aber „wesentlich und in verantwortungsvoller Rolle beteiligt werden“. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt, dass Airbus und das an FCAS beteiligte spanische Unternehmen Indra nun eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Hersteller Saab Gripen anstreben. (mit AFP)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner