Der DFB-Pokal ist ein Wettbewerb für Helden. Für Spieler, die an einem Abend über sich hinauswachsen und sich damit einen Platz in der Erinnerung ihrer Fans sichern. Auch in der ersten Runde dieser Saison gab es im Fußball-Osten einige Spieler, die das Potenzial dazu hatten. Und dann gibt es noch jene Pokalhelden aus vergangenen Tagen, die plötzlich wieder in den Blickpunkt rücken – manchmal an einem Ort, an dem man sie nicht unbedingt erwartet hätte.
Zweitligisten wollen weitere Erfolgserlebnisse
An diesem Wochenende warten auf die ostdeutschen Mannschaften, die vor wenigen Tagen ihr Glück in Runde eins des DFB-Pokals mit unterschiedlichem Erfolg versuchten, neue Herausforderungen im Liga-Alltag. In der Zweiten Bundesliga geht es für den ambitionierten Dynamo Dresden um die Etablierung in dieser Spielklasse. Der 1. FC Magdeburg will mit der Abstiegszone nichts zu tun haben, und für Energie Cottbus gibt es nur das Ziel Klassenerhalt.
In der Regionalliga Nordost rangeln der FC Carl Zeiss Jena, der Hallesche FC, Erzgebirge Aue und die VSG Altglienicke, die im DFB-Pokal allesamt nach meist großartiger Gegenwehr gegen die höherklassigen Mannschaften ausschieden, um den direkten Aufstieg in die Dritte Liga.
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Zudem machte der Brandenburger Landespokalsieger, der Oberligist VfB Krieschow, den Fußball-Osten um eine Besonderheit reicher. Mit 480 Einwohnern wurde Krieschow zum kleinsten Ort, der jemals Gastgeber eines DFB-Pokal-Spiels war.
Der VfB gehörte nach der 0:9-Niederlage gegen Bundesligist Mainz 05 zu den sieben ostdeutschen Vereinen, die ausgeschieden sind. Für die Pokalverlierer und die Sieger aus dem Osten – Dynamo Dresden, 1. FC Magdeburg und 1. FC Union Berlin – gilt es nun, die unterschiedlichen Erlebnisse im Cup-Wettbewerb im Liga-Betrieb zu verarbeiten.
Diese oft dramatischen K.o.-Duelle bringen häufig Pokalhelden hervor, die für ewig im Gedächtnis der Fans bleiben. Auch dieses Mal hatten einige Spieler der ostdeutschen Vertreter das Potenzial, zum Helden aufzusteigen, was aber am Ende leider nicht gelang.
So hielt Keeper Luis Zwick die sensationell aufspielende VSG Altglienicke im Duell gegen Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg lange Zeit mit großartigen Paraden im Rennen, ehe der Viertligist im Elfmeter-Drama mit 5:6 unterlag.
Die VSG hat gezeigt, dass sie in der Lage ist, im Rennen um den Drittliga-Aufstieg ganz vorn zu sein. Auch Elias Löder vom FC Carl Zeiss Jena hätte zum Pokalhelden aufsteigen können, als er einen wunderbaren Treffer, der zum „Tor des Monats“ taugt, gegen Zweitligist Darmstadt erzielte. Jena aber unterlag mit 1:2.
Sein Treffer gegen den SV Darmstadt 98 hatte das Zeug zum „Tor des Monats“, dennoch überwog bei Jenas Elias Löder die Enttäuschung über die knappe Niederlage gegen den Zweitligisten.
© Sven Sonntag/Imago
Bei Dynamo Dresdens souveränem 6:0-Sieg beim Regionalligisten Westfalia Rhynern ragte Angreifer Ben Bobzien mit einem schönen Treffer und zwei Assists heraus, was aber noch lange nicht zum Heldenstatus reicht.
Dennoch beeindruckte Dynamo mit wunderschönen Kombinationen. Dass die Dresdner den Gegner zuvor viermal beobachtet hatten, erinnerte altgediente Dynamo-Fans gar an den „Dresdner Kreisel“ aus den 1970er-Jahren. Nicht wenige Experten trauen vor allem den spielstarken Dresdnern zu, im DFB-Pokal weit zu kommen und in der Zweiten Liga eine gute Rolle zu spielen.
Der Rückrunden-Vierte der Vorsaison hat seine permanente Aufgeregtheit in Verein und Umfeld weitgehend abgelegt. Mit dem Schweizer Cheftrainer Thomas Stamm und Geschäftsführer Sören Gonther tragen Profis die Verantwortung, die mit ruhiger Hand und Weitsicht den Verein führen.
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Ein ehemaliger großartiger Pokalheld der Dresdner rückte in den vergangenen Tagen noch einmal überraschend ins Blickfeld: Ex-Stürmer Robert Koch. Der 40-Jährige trainiert seit Juli 2024 den nun berühmten Dorfverein VfB Krieschow. Koch war einst ein Hauptdarsteller beim verrücktesten und aufregendsten DFB-Pokal-Spiel, das ich als Reporter in 35 Jahren in vielen Stadien je erlebt habe.
Am 30. Juli 2011 schrieb Koch Pokalgeschichte. In Runde eins des DFB-Pokals empfing der damalige Zweitligist Dynamo Dresden den deutschen Vizemeister Bayer 04 Leverkusen. Bei strömendem Regen führte der Favorit nach 49 Minuten mit 3:0. Niemand unter den 26.000 Fans gab noch einen Pfifferling auf Dynamo. Bayer wechselte nach einer Stunde sogar die Stars Michael Ballack und Torjäger Stefan Kießling ein.
Was danach passierte, glich einem Wunder. Nach einer Flanke von Cristian Fiél schaffte Sebastian Schuppan per Kopf das 1:3 (68.). Danach folgte die Gala von Robert Koch. Der traf auch mit wuchtigem Kopfball zum 2:3 (70.) und per Abstauber zum umjubelten 3:3 (86.). Das Stadion stand Kopf.
Danach ging Stürmer Alexander Schnetzler nach einem Zauberpass allein auf Bayer-Keeper David Yelldell zu, lupfte elegant über diesen hinweg zum 4:3-Siegtreffer (117.). Die Arena wurde zum Tollhaus. Ich hatte damals Glück, konnte kurz mit Koch und Schnetzler sprechen, ehe der Siegtorschütze flugs per Hubschrauber nach Mainz zum „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF geflogen wurde.
Dynamo Dresden muss nach Heidenheim
Für die SG Dynamo Dresden, die gerade zum 24. Mal im DFB-Pokal antreten konnte, war dieser 4:3-Triumph das wohl emotionalste Cup-Duell seit 1991. Auch Robert Koch, der einst 133 Spiele und 26 Tore für Dynamo bestritt, wird den Weg der Dresdner in dieser Saison weiter eifrig verfolgen.
Dynamo muss am Sonnabend beim 1. FC Heidenheim antreten, der bei der 2:5-Pleite beim Viertligisten SSV Jeddeloh II die größte Pokal-Blamage erlebte. Eine brisante Konstellation. Koch muss mit dem VfB Krieschow zeitgleich beim Tabellenführer der NOFV-Oberliga Süd, Germania Halberstadt, spielen. Auch das ist eine große Herausforderung.
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