Naturkatastrophe

Nach Erdbeben in Venezuela: Zahl der Toten steigt weiter, Hilfe reicht nicht aus

In La Guaira suchen Retter noch immer nach Verschütteten, die Behörden richten Notunterkünfte ein. Unicef sieht hunderttausende Kinder auf Hilfe angewiesen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die venezolanische Militärpolizei patrouilliert in einem von den Erdbeben betroffenen Gebiet in La Guaira.

Die venezolanische Militärpolizei patrouilliert in einem von den Erdbeben betroffenen Gebiet in La Guaira.

© Matias Delacroix/AP

Die Zahl der gemeldeten Todesopfer nach den schweren Erdbeben in Venezuela ist auf 1719 gestiegen. Das teilte die venezolanische Nationalversammlung am Dienstag auf ihrer Website mit. Parlamentspräsident Jorge Rodríguez erklärte demnach, seit dem Doppelbeben vom 24. Juni seien außerdem 5034 Verletzte registriert worden. Besonders betroffen ist der Küstenstaat La Guaira.

Die beiden Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten Venezuela  am Mittwoch binnen kurzer Zeit getroffen. Rodríguez sprach in dem Lagebericht von 611 seismischen Ereignissen seit Beginn der Katastrophe, darunter zwei starke Beben und 609 Nachbeben.

Nach Darstellung der Nationalversammlung wurden 855 Gebäude beschädigt. 189 Bauten seien vollständig eingestürzt, 666 weitere teilweise oder schwer beschädigt. Zugleich bleiben mehrere Lagezahlen vorläufig, etwa zur Zahl der von der Katastrophe betroffenen Familien oder Personen und zum Umfang internationaler Hilfe.

Viele Schulen und Kliniken beschädigt

Die Behörden haben nach eigenen Angaben in La Guaira Notunterkünfte eingerichtet. In der Hauptstadt Caracas und im Bundesstaat Miranda gebe es zusammen 50 provisorische Lager. Eine Expertenkommission soll nun prüfen, welche beschädigten Gebäude noch bewohnbar sind.

Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass 1,8 Millionen Menschen nach den Beben humanitäre Hilfe benötigen, darunter 680.000 Kinder. Krankenhäuser in Caracas sowie in den Bundesstaaten La Guaira, Carabobo, Aragua und Falcón seien schwer beschädigt. Allein im Hauptstadtbezirk seien nach vorläufigen Angaben 432 Schulen betroffen.

Unicef erklärte, viele Kinder hätten keinen verlässlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Schulen ohne Schäden würden als Übergangsunterkünfte genutzt. Für die Hilfe nach den Erdbeben beziffert Unicef den Bedarf auf 52 Millionen Dollar.

Die internationale Hilfe ist nach offiziellen venezolanischen Angaben angelaufen. Die staatliche venezolanische Nachrichtenagentur AVN berichtete von 3681 Rettern aus 30 Ländern. Der Parlamentsbericht nennt dagegen 3319 ausländische Retter und 45 internationale Delegationen.

Widersprüchliche Angaben zur Lage

Zugleich wächst die Kritik an der staatlichen Reaktion auf die Krise. AP und Reuters berichteten von Betroffenen, die über langsame Hilfe, fehlende Ausrüstung und provisorische Lager im Freien klagen. Parlamentspräsident Rodríguez wies solche Vorwürfe zurück und forderte die Bevölkerung auf, sich an offizielle Informationen zu halten.

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Die Suche nach Verschütteten geht unterdessen weiter. Reuters berichtete unter Berufung auf die venezolanische Führung von der Rettung eines 21 Jahre alten Mannes in La Guaira, der nach 106 Stunden aus den Trümmern geborgen worden sei. Nichtstaatliche Vermisstenregister nennen weiterhin Zehntausende Vermisste. Wie tragfähig diese Zahlen sind, bleibt unklar.

Die Erdbeben haben auch die Infrastruktur getroffen. Nach Reuters-Angaben verhinderten Stromausfälle am Montag den Neustart einer Raffinerie, eines petrochemischen Komplexes und weiterer Industrieanlagen in der Zentralregion.

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