Wirtschaft

Nach Evonik-Aus: Bitterfeld spricht von „schmerzlichem Einschnitt“

Vom Evonik-Aus erfuhr die Stadt Bitterfeld erst am Tag der Verkündung. Für die Region sei das ein „schmerzlicher Einschnitt“ und ein „bedauerliches Signal“.

4 Min
Für die Stadt Bitterfeld ist das Evonik-Aus ein herber Verlust. Der Chemiekonzern hatte angekündigt, den Standort Bitterfeld zu schließen.

Für die Stadt Bitterfeld ist das Evonik-Aus ein herber Verlust. Der Chemiekonzern hatte angekündigt, den Standort Bitterfeld zu schließen.

© Benjamin Westhoff

Das Chemieunternehmen Evonik schließt seinen Standort in Bitterfeld. Davon betroffen sind rund 40 Mitarbeiter. Doch nicht nur für die Belegschaft erweist sich das angekündigte Aus als Schock. Auch die Stadt Bitterfeld erfuhr erst am Tag der Verkündung von der Schließung. Sie bezeichnet das Ende als „schmerzlichen Einschnitt“, warnt aber vor Trugschlüssen.

„Die offizielle Ankündigung der Standortschließung erfolgte im Rahmen der Unternehmenskommunikation durch das Unternehmen selbst“, sagt Detmar Oppenkowski, Stabsleiter für Öffentlichkeitsarbeit, gegenüber dieser Zeitung. „Somit hat auch die Stadt Bitterfeld-Wolfen im Rahmen der offiziellen Ankündigung von der Standortschließung erfahren“, so der Pressesprecher.

Evonik-Aus für Bitterfeld schmerzlicher Einschnitt

Die angekündigte Schließung des Evonik-Standorts sei für Bitterfeld-Wolfen ein schmerzlicher Einschnitt. Sie bedeute vor allem für die betroffenen Beschäftigten und ihre Familien eine Phase großer Unsicherheit. „Ihnen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung.“

Darüber hinaus verliere die Stadt ein Unternehmen, das über viele Jahre Teil der industriellen Entwicklung Bitterfeld-Wolfens und des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen gewesen sei. „Jede Standortschließung eines etablierten Unternehmens ist ein Verlust – wirtschaftlich, strukturell und auch emotional. Sie macht deutlich, vor welchen Herausforderungen die energieintensive Chemieindustrie in Deutschland derzeit steht“, so der Sprecher weiter. Im selben Atemzug warnt die Stadt jedoch vor Trugschlüssen.

„Gleichzeitig darf die Entscheidung eines einzelnen Unternehmens nicht mit der Zukunft des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen gleichgesetzt werden. Der Chemiepark gehört zu den bedeutendsten Industriestandorten Ostdeutschlands.“ Er zeichne sich durch eine leistungsfähige Infrastruktur, eng vernetzte Stoff- und Energieverbünde, eine hohe Innovationskraft sowie zahlreiche erfolgreiche Unternehmen aus, die auch künftig auf den Standort setzen und investieren würden.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Chemiepark für Bitterfeld-Wolfen zentraler Motor

„Für die Stadt Bitterfeld-Wolfen ist der Chemiepark ein zentraler Motor für Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation. Deshalb werden wir gemeinsam mit den Unternehmen weiterhin alles daran setzen, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts weiter zu stärken.“

Die aktuelle Entwicklung sei deshalb einerseits ein Warnsignal, andererseits aber auch ein Auftrag, den Industriestandort Bitterfeld-Wolfen konsequent weiterzuentwickeln. Das Ziel bleibe es, bestehende Unternehmen zu sichern, neue Investitionen zu gewinnen und den Standort als einen der führenden Chemiestandorte Deutschlands nachhaltig zu stärken. Dafür werde sich die Stadt auch künftig weiterhin mit Nachdruck einsetzen.

Auf die Frage ob denn versucht wurde, das Unternehmen zu halten, sagt der Sprecher: „Die Stadt Bitterfeld-Wolfen sucht stetig den Dialog mit den ansässigen Unternehmen und signalisiert in den Gesprächen ihre Bereitschaft, im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützend tätig zu sein.“ Die unternehmerische Entscheidung von Evonik basiere jedoch auf konzerninternen strategischen und wirtschaftlichen Überlegungen, auf die eine Kommune nur sehr begrenzten Einfluss habe. Insbesondere die aktuell sehr hohen Energiekosten seien durch die Stadt Bitterfeld-Wolfen selbst nicht beeinflussbar.

„Bedauerliches Signal“ für Wirtschaftsstandort

„Die Schließung bedeutet zunächst den Verlust von Industriearbeitsplätzen und stellt die betroffenen Beschäftigten vor erhebliche Herausforderungen“, so Detmar Oppenkowski. Darüber hinaus sei sie ein bedauerliches Signal für den Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig sehe man die Entwicklung differenziert. Bitterfeld-Wolfen verfüge über einen starken Industriestandort mit einer hohen Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften.

Gemeinsam mit der Agentur für Arbeit, den Unternehmen der Region sowie weiteren Partnern werde die Stadt sich dafür einsetzen, den betroffenen Beschäftigten möglichst schnell neue berufliche Perspektiven zu eröffnen und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts weiter zu stärken.

Am vergangenen Montag hatte der Chemiekonzern angekündigt zwei kleinere Standorte zu schließen. Neben Bitterfeld betreffe das auch ein Werk in Hamburg. Betroffen seien in beiden Standorten insgesamt rund 90 Mitarbeiter. Der Konzern sicherte zu, „sozialverträgliche Lösungen“ zu erarbeiten.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner