Neukaledonien

Tödliche Haiattacke: Behörden jagen Tiere vor Nouméa

Ein Wassersportler stirbt nach einem Haiangriff vor Neukaledoniens Hauptstadt. Die Behörden starten eine Dezimierungskampagne. Warum die Jagd der Tiere vor Gericht landen könnte.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die Begegnung mit einem Tigerhai vor der Küste von Neukaledonien endete für einen Wassersportler tödlich.

Die Begegnung mit einem Tigerhai vor der Küste von Neukaledonien endete für einen Wassersportler tödlich.

© Michael Weberberger/imago

Nach dem tödlichen Haiunfall eines 55-jährigen Mannes vor der Küste der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa haben die Behörden eine gezielte Jagd auf Tiger- und Bullenhaie gestartet. Gleichzeitig wurde das Schwimmen sowie jegliche andere Wasseraktivität in einem 300 Meter breiten Küstenstreifen verboten. Die Maßnahmen lösen scharfe Kritik von Umweltorganisationen, Wissenschaftlern und indigenen Gruppen aus – und beschäftigen bereits die Gerichte.

Der Mann war laut Behördenangaben am 23. Februar beim Wingfoilen nahe dem beliebten Strand Anse Vata von einem mindestens drei Meter langen Tigerhai angegriffen worden, wie der britische Guardian und der australische Sender ABC berichten. Es handelt sich um den ersten tödlichen Haiangriff in dem französischen Überseegebiet seit 2023.

Die Bürgermeisterin von Nouméa, Sonia Lagarde, verteidigte die Jagd auf die Haie und sprach bewusst nicht von Tötungen, sondern von „Regulierung“. Laut Guardian verwies sie auf zahlreiche Meldungen von Anwohnern und Fischern über eine deutliche Zunahme von Haien in Küstennähe.

Alternativen wie dauerhafte Drohnenüberwachung oder zusätzliche Schutznetze seien für Neukaledonien finanziell nicht tragbar. „Neukaledonien ist nicht Australien. Diese Systeme sind extrem teuer“, so Lagarde. Seit Beginn der Operation wurden sieben Tigerhaie und ein Bullenhai gefangen. Tiere unter 2,10 Meter Länge werden laut Behördenangaben wieder freigelassen.

Gericht stoppte bereits 2023 eine ähnliche Aktion

Die Umweltorganisation Ensemble Pour La Planète (EPLP) hat umgehend juristische Schritte eingeleitet, wie ABC berichtet. „Das Töten gesetzlich geschützter Arten ohne solide wissenschaftliche Grundlage ist keine Politik, sondern eine emotionale Reaktion“, sagte EPLP-Vertreterin Martine Cornaille.

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Die Organisation hatte bereits 2023 erfolgreich vor Gericht gegen eine ähnliche Kampagne geklagt. Damals hatten die Behörden nach dem Tod des australischen Touristen Chris Davis 127 Haie gefangen, bevor ein Gericht die Aktion als „unverhältnismäßig“ stoppte.

Auch der Hai-Verhaltensforscher Eric Clua kritisierte das Vorgehen gegenüber ABC als „nutzlos“. Statt wahllos Haie zu töten, forderte er eine DNA-basierte Identifikation des konkreten Angreifers. „Stellen Sie sich vor, es gibt einen Serienmörder in Sydney und die Polizei tötet einfach jeden Menschen auf der Straße“, sagte Clua.

Indigene Kanak betrachten Haie als ihre Ahnen

Die größte Unabhängigkeitskoalition Neukaledoniens lehnt die Tötungen laut Guardian ebenfalls ab und fordert gewaltfreie Präventionsmaßnahmen. Die Aktivisten-Gruppe Nyié kâ protestierte vor dem Rathaus von Nouméa. „Unsere Herkunft verbindet uns mit den Haien. Sie gelten als eine Vorfahren-Art“, sagte Sprecher Aile Tikoure mit Verweis auf die spirituelle Beziehung der indigenen Kanak zur Meereswelt.

Die Hai-Tötungskampagne war zunächst bis Mittwoch angesetzt. In dem französischen Überseegebiet stehen im Mai Gemeindewahlen an,  was die Debatte zusätzlich politisch auflädt.

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