Freund Hein, wie man im Mittelalter den Tod umschrieb, um ihm den Schrecken zu nehmen, reißt immer mehr Lücken in die Reihen jener, die das Berliner Kunst-Leben jahrzehntelang prägten. Es bereicherten mit ihren Ideen, originellen, ja, aufsehenerregenden Ausstellungen und die Grundlage schufen, dass die Stadt nach dem Mauerfall 1989 zu einem internationalen Kunstmagneten wurde.
Ursula Prinz, Jahrgang 1942, war eine solche Persönlichkeit, die stets mit Liebe, Akribie, aber ohne Rampenlichtdrang zu einer festen Größe des Berliner Kunstbetriebs wurde. Nun tragen Freunde, Kollegen, Künstlerinnen und Künstler, denen sie Beachtung verschaffte, ihre Förderin in wenigen Tagen zu Grabe. Sie starb schon im Hochsommer, in aller Stille, im 84. Lebensjahr. Jetzt erst ist es möglich, am Grab Abschied zu nehmen von einer Frau, die ihr Leben der Kunst in Berlin gewidmet hat, 30 Jahre lang dem Landesmuseum Berlinische Galerie.
Die Frau hinter dominanten Männern
Die an der FU Berlin promovierte Kunsthistorikerin war für die Instanz nicht nur die Vize-Direktorin und damit die nimmermüde Frau, die mit fröhlicher Gelassenheit alles stemmte hinter so rastlosen, sprunghaften und dominanten Männern wie dem charismatischen Gründungsdirektor Eberhard Roters und dessen Nachfolger Jörn Merkert. Sie war auch eine passionierte Kuratorin und Sammlungs-Kustodin, vor allem für die Nachkriegsavantgarde und junge Kunst im Berlin der Siebziger-, Achtziger- und der turbulenten Nachwendejahre.
Unvergesslich bleiben ihre Ausstellungen „Androgyn. Sehnsucht nach Vollkommenheit“ oder „Neue Heimat. Berlin Temporary“, ebenso die legendären Ausstellungsreihen „Paarungen“ mit der Gegenüberstellung von neuer und alter Kunst, nicht zuletzt „Korrespondenzen“, die Berliner Künstlerinnen mit Kolleginnen aus Italien, Schottland, den USA oder Schweden zwischen 1991 und 1994 zusammenbrachte.
Ehrenamt in der Camaro-Stiftung
Die Berlinische Galerie, viele Jahre nur im Notquartier im Gropius-Bau untergebracht, bekam erst 2004, durch maßgeblichen Einsatz des aus dem Berliner Osten stammenden linken Kultursenators Thomas Flierl, ein eigenes Haus in der Alten Jakobstraße. Ursula Prinz verhalf dem Landesmuseum mit Verve zu Strahlkraft und ging 2007 in den Unruhestand. Sie reiste, nahm sich viel Zeit für die Musik, ihre zweite große Leidenschaft. Und sie brachte alle ihre Erfahrungen in die 2009 gegründete Camaro-Stiftung ein, bis 2023 im Ehrenamt als Vorsitzende des Stiftungsrates. Nun fehlt sie.
Trauerfeier und Beisetzung am Dienstag, 29. September, um neun Uhr auf dem Waldfriedhof Dahlem, Hüttenweg 47
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