Bücherfrage

Nadja Küchenmeister, wie ist es, in einer Kirche zu lesen?

Wenn Orgel und Gedicht zusammenkommen, kann das nur ein besonderer Abend sein. Wir haben Nadja Küchenmeister vor ihrem Auftritt in der Luisenkirche gefragt.

Cornelia Geißler
Cornelia Geißler
3 Min
Die Lyrikerin Nadja Küchenmeister lebt in Berlin.

Die Lyrikerin Nadja Küchenmeister lebt in Berlin.

© Natalia Reich

Die Konzertreihe Orgel & Lyrik bringt Orgelmusik und zeitgenössische Lyrik in der Luisenkirche Berlin-Charlottenburg in einen künstlerischen Dialog. Am ersten Sonntag im November ist die Berliner Dichterin Nadja Küchenmeister dort zu erleben. Wir wollen von ihr wissen: Verleitet die Lesung in einer Kirche dazu, ganz besondere Gedichte auszusuchen?

Nadja Küchenmeister: Vor einer Lesung mache ich mir stets Gedanken über das Publikum, das mich erwartet. Mit den Jahren gewinnt man ein Gespür dafür, welche Gedichte sich für den jeweiligen Anlass und Raum eignen.

In diesem Fall wurde die Auswahl der Texte maßgeblich angeregt durch Thomas Wohlfahrt, den Kurator der Reihe „Orgel & Lyrik“. Mit Ruth Wiesenfeld und Jack Day, denen die Konzeption und musikalische Leitung des Abends obliegt, kam es im Vorfeld zu einem Austausch über das Wesen unserer gemeinsamen Veranstaltung. So werde ich drei Kapitel aus meinem Langgedicht „Der Große Wagen“ lesen, doch werden auch kürzere Gedichte zu hören sein.

Die Kirche als besonderer Ort

Eine Kirche ist für mich ein Ort der Einkehr und der Besinnung auf etwas, das größer ist als man selbst. Dementsprechend war es unser Anliegen, Nahes und Fernes, Weltliches und Transzendentes im Zusammenspiel wahrnehmbar zu machen. Den beteiligten Musikerinnen und Musikern, zu denen auch Perrin Ford und Elham Hamedi gehören, ist es zu verdanken, dass Orgel, Klavier, Gesang und Text ein ganz neues, drittes Element entstehen lassen – etwas, das ohne die Musik nicht im Text und ohne den Text nicht in der Musik zu finden wäre.

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Die Besonderheit liegt im Versuch, die Eigenständigkeit von Wort und Klang zu wahren und beide dennoch so miteinander zu verschränken, dass sie sich zu einem Ganzen fügen. Nach der ersten gemeinsamen Probe hörten wir bereits, an welchen Nuancen es noch feinerer Abstimmungen bedarf. Das kann mit Fragen des Tempos einhergehen, mit der Dauer musikalischer Passagen oder auch mit Überlegungen zu thematischen Übergängen. Es sind diese subtilen Korrekturen, die den Abend, wie wir hoffen, zu einem lebendigen Erlebnis in der Luisenkirche machen.

Orgel & Lyrik  mit Nadja Küchenmeister, 1.11., 19 Uhr,  Luisenkirche, Gierkeplatz 4, 10585 Berlin. Eintritt 10 Euro, erm. 8 Euro

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