Auf dem Zwergplaneten Pluto könnte in geologisch jüngerer Zeit Flüssigkeit an der Oberfläche geflossen sein. Darüber berichtet der indische Sender NDTV an diesem Sonntag unter Berufung auf eine erneute Auswertung von Bildern der Nasa-Raumsonde „New Horizons“. Die US-Weltraumbehörde hatte den Forschungsbefund am 5. August auf ihrer Wissenschaftsseite vorgestellt.
Eisige Welt jenseits des Neptun
Pluto zieht seine Bahn weit außerhalb des Neptun im äußeren Sonnensystem. Der Zwergplanet gehört zum Kuipergürtel, einer ringförmigen Region jenseits der Neptunbahn, in der zahlreiche eisige Kleinkörper die Sonne umkreisen. Wegen seiner großen Entfernung zur Sonne herrschen auf seiner Oberfläche Temperaturen von weniger als minus 200 Grad Celsius. Pluto besitzt zudem eine dünne Atmosphäre, die überwiegend aus Stickstoff besteht.
Nach Angaben der Nasa deuten die Aufnahmen darauf hin, dass flüssiger Stickstoff durch Risse am nördlichen Rand von Sputnik Planitia an die Oberfläche gelangt. Sputnik Planitia ist ein ausgedehnter Gletscher aus gefrorenem Stickstoff und bildet den westlichen, tropfenförmigen Teil der herzförmigen Struktur auf Plutos Oberfläche.
Diese trägt den Namen Tombaugh Regio – nach dem US-Astronomen Clyde Tombaugh, der den Zwergplaneten vor knapp 100 Jahren entdeckte. Sputnik Planitia liegt drei bis vier Kilometer tiefer als der größte Teil der Oberfläche des Himmelskörpers. Seine Fläche übertrifft nach Nasa-Angaben die der US-Bundesstaaten Texas und Oklahoma zusammen – das entspricht in etwa der zweieinhalbfachen Fläche Deutschlands.
Dunkle Muster wie auf feuchten Gletschern
„New Horizons“ hatte Pluto 2015 passiert und dabei detaillierte Bilder des Zwergplaneten aufgenommen. Im nördlichen Abschnitt von Sputnik Planitia sind darauf Konvektionszellen, stadtgroße Umwälzmuster im Eis zu erkennen, durchzogen von schmalen dunklen Linien und größeren dunklen Flecken.
Die Muster ähneln laut Nasa Strukturen auf irdischen Gletschern, deren Oberfläche durch Niederschlag oder aus dem Untergrund aufsteigende Flüssigkeit befeuchtet wurde.
Die Nasa-Raumsonde „New Horizons“ fotografierte Pluto aus der Nähe und lieferte dabei detaillierte Aufnahmen des Zwergplaneten.
© SwRI/imago
Regen aus flüssigem Stickstoff ist auf Pluto nach Angaben der Nasa aufgrund der atmosphärischen und thermischen Bedingungen physikalisch ausgeschlossen. Die Forscher schließen daraus, dass die Flüssigkeit von unten durch die Eiskruste an die Oberfläche dringen könnte. Als möglicher Mechanismus wird ein Aufschmelzen an der Basis des Gletschers genannt, das den gefrorenen Stickstoff verflüssigt.
Nach Darstellung der Nasa handelt es sich um den ersten Nachweis kürzlich geflossener Flüssigkeit auf Pluto. An der Auswertung waren nach Angaben der Behörde Experten für Planetenforschung gemeinsam mit solchen für die Gletscher auf der Erde beteiligt.
Herzform durch Einschlag entstanden
Zur Entstehung von Sputnik Planitia hatte eine internationale Forschungsgruppe um Harry Ballantyne von der Universität Bern im Frühjahr 2024 im Fachblatt Nature Astronomy eine Studie veröffentlicht.
Danach ist der Bereich wahrscheinlich das Ergebnis eines schrägen Einschlags eines etwa 700 Kilometer großen Körpers, der vermutlich überwiegend aus Eis bestand und einen Gesteinskern besaß.
Pluto galt nach seiner Entdeckung 1930 lange als neunter Planet des Sonnensystems. 2006 stufte die Internationale Astronomische Union ihn zum Zwergplaneten herab. Grund war eine neue Definition des Planetenbegriffs, die Pluto nicht mehr erfüllte.
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