Die Nasa hat mit ihrem experimentellen Flugzeug X-59 erstmals die Schallgeschwindigkeit überschritten. Der Testflug ist Teil eines Programms, das leiseren zivilen Überschallverkehr ermöglichen soll. Wie die US-Raumfahrtbehörde am Freitag mitteilte, erreichte Testpilot Jim „Clue“ Less auf dem Stützpunkt Edwards Air Force Base in Kalifornien eine Spitzengeschwindigkeit von rund Mach 1,1 (etwa 1147 Kilometer pro Stunde) und eine Flughöhe von 13.228 Metern. Der Flug begann örtlicher Zeit um 11.08 Uhr und dauerte 81 Minuten.
Würde ein Flugzeug die Strecke von Berlin nach New York mit Mach 1,1 zurücklegen, könnte es die rund 6.400 Kilometer lange Strecke theoretisch in knapp 4 Stunden und 45 Minuten bewältigen. Damit wäre die Reisezeit fast halb so lang wie bei heutigen Linienflügen, die je nach Route und Windverhältnissen meist zwischen acht und neun Stunden benötigen.
Die X-59 ist so konstruiert, dass sie mit Überschallgeschwindigkeit fliegen kann, dabei aber nur ein leises Geräusch erzeugt statt eines lauten Überschallknalls. Während des Testflugs begleitete ein F-15-Jagdflugzeug der Nasa die Maschine zur Überwachung. Dessen Überschallknalle hätten mögliche Geräusche der X-59 überdeckt, hieß es in der Mitteilung.
Weiterer Test mit höherer Geschwindigkeit geplant
In wenigen Tagen soll die Maschine laut Nasa ihren ersten Flug unter „Missionsbedingungen“ absolvieren und dabei eine Reisegeschwindigkeit von Mach 1,4 (rund 1489 Kilometer pro Stunde) sowie eine Höhe von etwa 16.764 Metern erreichen. Diese Werte bildeten die Grundlage für spätere Flüge über mehreren Ortschaften in den USA, bei denen Daten zur Wahrnehmung des leisen Geräuschs gesammelt werden sollen.
Nasa-Chef Jared Isaacman erklärte laut Pressemitteilung der Behörde, das Team habe seit dem Erstflug am 28. Oktober 2025 erhebliche Fortschritte gemacht und in den vergangenen 90 Tagen 16 Flüge absolviert. Er dankte sowohl dem Nasa-Team als auch dem Hersteller Lockheed Martin Skunk Works.
Zivile Überschallflüge bislang verboten
Die gesammelten Daten will die Nasa nach eigenen Angaben mit US-amerikanischen und internationalen Aufsichtsbehörden teilen, um neue Lärmstandards zu erarbeiten. Diese sollen einen künftigen kommerziellen Überschallflugverkehr über Land ermöglichen. Wie das Portal Space.com berichtete, hatte die US-Luftfahrtbehörde FAA solche Flüge im Jahr 1973 zum Schutz von Menschen und Eigentum vor lauten Überschallknallen untersagt.
Die Schallmauer wird bereits regelmäßig von Militärjets und Forschungsflugzeugen durchbrochen, während normale Passagierflugzeuge unterhalb der Schallgeschwindigkeit fliegen.
Die Nasa überschreitet die Schallmauer indes bereits regelmäßig bei Testflügen und praktisch bei jedem Raketenstart. Insgesamt sind Überschallflüge im militärischen und wissenschaftlichen Bereich alltäglich, machen aber nur einen kleinen Teil aller weltweiten Flüge aus.
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