Zum ersten Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs hat Rumänien eine Drohne in seinem eigenen Luftraum abgeschossen. Der Abschuss gelang am Freitagvormittag einem rumänischen Piloten an Bord eines F-16-Kampfjets. Das gab Präsident Nicușor Dan auf Facebook bekannt.
Die Drohne befand sich den Angaben zufolge über einem unbewohnten Gebiet. „Deshalb konnte geschossen werden, ohne ein Risiko einzugehen“, erklärte Dan. Der Vorfall ereignete sich nahe der Ortschaft Padina im Kreis Buzău.
Für das Nato-Mitglied ist das ein Novum: Zwar drangen im Verlauf des seit fast viereinhalb Jahren andauernden Krieges wiederholt Drohnen in den rumänischen Luftraum ein. Einige stürzten ab – abgeschossen wurde jedoch bislang keine.
Wie der Einsatz ablief – Minute für Minute
Der Weg vom ersten Radarkontakt bis zum Abschuss dauerte laut dem rumänischen Nachrichtenportal Digi24 rund anderthalb Stunden. Um 9.39 Uhr registrierte das Radarsystem des Verteidigungsministeriums ein Luftziel etwa 20 Kilometer östlich von Sulina.
Die Drohne drang in den rumänischen Luftraum ein und flog laut Ministerium auf der Route Sulina – Brăila – Fetești – Buzău. Zur Überwachung stiegen zunächst zwei Eurofighter Typhoon der italienischen Luftwaffe vom Stützpunkt Mihail Kogălniceanu auf.
Kurz darauf entschied das Verteidigungsministerium, zwei F-16 der rumänischen Luftwaffe vom Stützpunkt Fetești starten zu lassen. Sie erhielten die Freigabe zum Waffeneinsatz. Um 11.02 Uhr feuerte einer der F-16 eine Rakete auf die Drohne und zerstörte sie über dem unbewohnten Gebiet bei Padina.
Was zum Schutz der Bevölkerung geschah
Parallel zum Einsatz wurden laut Digi24 Warnungen an die Bevölkerung ausgelöst. Das Nationale Militärische Führungszentrum informierte den Katastrophenschutz IGSU.
Dieser verschickte über das RO-Alert-System Warnmeldungen an die Menschen in den Kreisen Tulcea und Brăila. Nach Angaben des Ministeriums wurden alle vorgesehenen Schutzmaßnahmen umgesetzt.
Herkunft der Drohne noch unklar
Wem die Drohne gehörte, ist bislang nicht bestätigt. Präsident Dan machte zunächst keine Angaben zur Herkunft oder dazu, ob eine unmittelbare Bedrohung ausging.
Die Behörden untersuchen nun, unter welchen Umständen die Drohne eindringen konnte und um welchen Typ es sich handelte. Ergebnisse sollen nach Abschluss der Ermittlungen veröffentlicht werden.
Der kommissarische Verteidigungsminister Radu Miruță gratulierte den beteiligten Soldaten. Der Einsatz zeige, dass sich die Investitionen der vergangenen Jahre in die Landesverteidigung auszuzahlen begännen, schrieb er auf Facebook.
„Mit Professionalität, Besonnenheit und schneller Reaktion haben sie eine Drohne neutralisiert, die heute unerlaubt in den rumänischen Luftraum eingedrungen ist“, so Miruță. Er forderte weitere Investitionen in Luftverteidigung und Drohnenabwehr: „Die heutigen Bedrohungen unterscheiden sich grundlegend von denen vor zehn Jahren.“
Der Alaska-Plan ist tot: Warum jetzt trotzdem neue Ukraine-Verhandlungen möglich sind
Ukraine: Ex-Verteidigungsminister Fedorow schmettert Angebote von Selenskyj ab
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]