Advent bedeutet ja eine Verheißung, die Ankunft Christi wird gefeiert. Im Naumburger Dom kam etwas an und zurück. Etwas, das durch einen lächerlichen Streit mit der regionalen Denkmalschutzbehörde verbannt worden war: Der einzigartige Cranach-Triegel-Altar steht wieder auf seinem Sockel im Westchor. Zurückgekehrt aus dem Exil im österreichischen Stift Klosterneuenburg. Wir berichteten.
Und nun kommt, unmittelbar vor Heiligabend, noch etwas obendrauf, das die Amtsschimmel-Posse für immer auf den Mond schicken sollte: Die internationale Organisation „Future for Religious Heritage“ in Brüssel kürte das Cranach-Triegel-Retabel zum „Religious Heritage Innovator of the Year 2023“. Die wirkmächtige Organisation zeichnete soeben die wichtigsten europäischen Projekte aus, die sich religiösen Stätten verschrieben haben. Die Organisation der Vereinigten Naumburger Domstifter wurde mit dem Projekt des Cranach-Triegel-Retabels geehrt für „diese herausragende Leistung für das religiöse Erbe“.
„Zu modern“: Naumburger Dom bald ohne Triegels Marienaltar?
Irrtum der Denkmalschützer: Der Triegel-Cranach-Altar darf nach Naumburg zurück
Im Auftrag der Domstifter hat Michael Triegel, Maler der „Leipziger Schule“, die 1541 im Bildersturm zerstörte Mitteltafel und Predella des Marienaltars Cranach d. Ä. von 1519 neu gemalt. Es entstand ein Bildwerk aus Renaissance und frühem 21. Jahrhundert – und der Naumburger Dom gewann so das einst wichtigste liturgische Kunstwerk im Westchor wieder. In altmeisterlicher Virtuosität waren Triegel die Szenen „Maria mit dem Kinde“ (vorn) und die „Auferstehung“ (Rückseite) gelungen, die wohl auch Cranach akzeptiert hätte.
Freuet euch! Auch ihr Denkmalschützer!
Triegels renaissance-naher Stil ist zugleich metaphorisch verrätselt. Die Heiligengestalten und Gegenstände lud er auf mit biblischen wie weltlichen Bedeutungen zwischen Mittelalter und heute. Doch die Denkmalschutzbehörde der Region akzeptierte nicht, sah den Welterbe-Status des Doms gefährdet: Angeblich würde der Altar die Sicht auf die Stifterfigur der Uta von Naumburg versperren. War das nicht auch schon anno 1519 so? Mit der Posse erzwangen die „Hüter“ zunächst bei der Unesco die Entfernung des Retabels. Die Pariser Instanz revidierte den „Irrtum vom Amt“ im Sommer. Nun hat Naumburg seinen Marienaltar wieder zum Fest der Christenheit. Freuet euch alle, auch ihr Denkmalschützer!
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