Ukraine-Krieg

Neue Angriffe im russischen Hinterland und auf Kiew – Wadephul in der Ukraine

Zum Unabhängigkeitstag der Ukraine ist Außenminister Wadephul angereist. Kurz zuvor trafen russische Raketen Kiew, während ukrainische Streitkräfte Ziele tief in Russland angriffen.

4 Min
Eine ukrainische Rakete fängt während eines russischen Angriffs auf Kiew eine russische ballistische Rakete ab.

Eine ukrainische Rakete fängt während eines russischen Angriffs auf Kiew eine russische ballistische Rakete ab.

© Evgeniy Maloletka/AP

Inmitten anhaltender gegenseitiger Angriffe ist Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Samstag zu einem Besuch in die Ukraine gereist. Anlass sei der 35. Unabhängigkeitstag des Landes, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Im Zentrum der Gespräche stünden die militärische Unterstützung angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf zivile Infrastruktur, die Vorbereitung auf den Winter sowie die Vertiefung der deutsch-ukrainischen Sicherheitskooperation.

Bei seiner Ankunft erklärte Wadephul laut Auswärtigem Amt, die Ferienwochen im Juli und August seien für die ukrainische Zivilbevölkerung die tödlichsten seit mehr als vier Jahren gewesen. Nie zuvor habe Russland mehr Raketen auf sein Nachbarland abgefeuert. Der einzige Ausweg sei Frieden, sagte der Minister mit Blick auf die russische Führung.

Deutsche Hilfe für Energieversorgung geplant

Ein Schwerpunkt des Besuchs ist nach Angaben des Ministeriums die Wintersicherung. Vorgesehen seien die Bereitstellung von Generatoren, Ersatzteilen und weiterer Energietechnik sowie Maßnahmen zum Schutz kritischer Infrastruktur.

Deutschland unterstütze die Ukraine dabei, ihre Energieversorgung aufrechtzuerhalten und widerstandsfähiger zu machen. Zugleich solle die Zusammenarbeit bei militärischen Fähigkeiten und im Umgang mit hybriden Bedrohungen ausgebaut werden.

Neue Angriffe auf Kiew

In der Nacht zum Samstag waren nach Angaben des Kyiv Independent gegen 1 Uhr Ortszeit mehrere Explosionen in Kiew zu hören. Im Stadtteil Darnyzkyj sei ein Lagerhaus in Brand geraten. Nach vorläufigen Angaben der örtlichen Behörden wurde eine Person getötet, weitere seien verletzt worden. Auch aus dem Umland der Hauptstadt wurden Detonationen gemeldet.

Zwei Tage zuvor hatte Russland nach ukrainischen Angaben einen großangelegten Angriff mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen auf Kiew geflogen, bei dem mindestens 15 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden.

Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf sozialen Medien, Russland habe den Angriff über einen längeren Zeitraum vorbereitet, um zivile Infrastruktur möglichst stark zu treffen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Angriff auf Einkaufszentrum in Krywyj Rih

Am Freitag traf ein russischer Drohnenangriff zudem ein belebtes Einkaufszentrum in der Großstadt Krywyj Rih, der Heimatstadt Selenskyjs. Nach Angaben der Nachrichtenagenturen Reuters und AP, die sich auf ukrainische Behörden beriefen, wurden mindestens 14 Menschen getötet und 121 verletzt, darunter 22 Kinder.

Nach dem ersten Einschlag brach nach Behördenangaben ein Feuer aus. Rund 30 Minuten später sei eine zweite Drohne eingeschlagen, während Rettungskräfte bereits am Ort waren.

Selenskyj bezeichnete den Angriff auf Telegram als „zynisch“ und „verabscheuungswürdig“ und erklärte, die zweite Drohne habe gezielt Einsatzkräfte treffen sollen. Diese Darstellung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Die ukrainische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein Kriegsverbrechen ein.

Ukrainische Angriffe auf russische Raffinerie

Auch die ukrainischen Streitkräfte griffen nach einem Bericht des Kyiv Independent in der Nacht zum Freitag Ziele in Russland an. In der Region Samara sei die Raffinerie Nowokuibyschewsk getroffen worden, eine der zehn größten Raffinerien Russlands mit einer Kapazität von 8,8 Millionen Tonnen Öl pro Jahr.

In der Nachbarstadt Tschapajewsk sei zudem ein Lagerhaus des Onlinehändlers Ozon in Brand geraten. Die betroffenen Orte liegen rund 900 Kilometer von der Front entfernt. Das ukrainische Militär äußerte sich zunächst nicht zu den Berichten.

Der Gouverneur der Region Samara, Wjatscheslaw Fjodorischtschew, bestätigte indes den Angriff, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete.

Mehrere Dutzend feindliche Drohnen seien abgewehrt worden. Eine Industrieanlage und der Logistikkomplex von Ozon seien beschädigt worden. Es habe mehrere Verletzte und Tote gegeben, alle würden medizinisch versorgt, erklärte Fjodorischtschew laut Interfax.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner