Die EU hat eine neue Arktis-Strategie vorgestellt, mit der sie ihren Einfluss in der zunehmend umkämpften Polarregion stärken will. Wie die EU-Kommission am Dienstag mitteilte, gehören dazu der Bau eines neuen Unterseekabels, zusätzliche Eisbrecher-Kapazitäten und eine engere Zusammenarbeit mit Partnerstaaten.
Die neue Strategie folgt laut Kommission als Reaktion auf zunehmende geopolitische Konkurrenz, wachsende Risiken für kritische Infrastruktur und den beschleunigten Klimawandel in der Arktis, der neue Schifffahrtswege und Rohstoffvorkommen leichter zugänglich macht.
Die Arktis sei eng mit Europas Sicherheit und Wohlstand verbunden, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag. „Neue Schifffahrtsrouten und Ressourcen treiben den strategischen Wettbewerb an“, erklärte von der Leyen . Mit der neuen Strategie investiere die EU in mehr Sicherheit, widerstandsfähige Infrastruktur und wirtschaftliche Chancen.
Warum die Arktis für Europa wichtiger wird
Mit dem Rückgang des Meereises wächst das Interesse an Schifffahrtsrouten zwischen Europa und Asien. Solche Verbindungen können Wege gegenüber der Fahrt durch den Suezkanal verkürzen. Zuletzt hatte etwa Südkorea erstmals den Weg über den hohen Norden als Schifffahrtsroute getestet. Die schwierigen Wetterbedingungen, fehlende Infrastruktur und begrenzte Rettungsmöglichkeiten machen sie allerdings weiterhin riskant.
Zugleich verfügt die Region über begehrte Rohstoffe. Dazu gehören Metalle, die für moderne Industrie, Energietechnik und Rüstung wichtig sind. Wer Verkehrswege und Infrastruktur kontrolliert, kann damit auch wirtschaftlichen und politischen Einfluss gewinnen.
Die EU sieht sich dabei wachsender Konkurrenz gegenüber. Russland hat seine militärische Präsenz in der Arktis ausgebaut und arbeitet dort enger mit China zusammen.
Das Europaparlament warnte bereits 2025 vor Risiken für die freie Schifffahrt und vor Angriffen auf wichtige Infrastruktur. Auch US-Präsident Donald Trumps wiederholte Forderung nach einer Übernahme Grönlands hat Europas Blick auf die Region verändert.
Neues Datenkabel soll Grönland mit der EU verbinden
Ein zentrales Vorhaben ist eine sichere Unterseekabelverbindung zwischen Grönland und der EU. Sie soll nach einem Bericht von Associated Press die digitale Anbindung stärken.
Unterseekabel transportieren große Datenmengen und sind damit entscheidend für Kommunikation und Wirtschaft. Werden sie beschädigt, können Verbindungen ausfallen. In der dünn besiedelten Arktis mit wenigen Ausweichverbindungen ist das besonders problematisch.
Ein geplantes Kabelzentrum soll deshalb helfen, Leitungen im Nordatlantik und in der Arktis zu überwachen, zu schützen und nach Schäden zu reparieren. Es soll den Ausgangspunkt für ein umfassenderes maritimes Sicherheitszentrum bilden, das Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt.
Die Grönland-Verbindung ist Teil weitergehender Überlegungen für ein arktisches Kabelnetz mit Kanada, Japan und Südkorea. Euronews berichtete darüber bereits auf Grundlage des Strategieentwurfs. Es handelt sich um geplante Verbindungen, nicht um bereits fertig finanzierte Bauprojekte.
Eisberge vor Tasiilaq im Osten Grönlands. Die EU plant eine direkte Unterseekabelverbindung zwischen der Insel und dem europäischen Kontinent.
© Sergi Reboredo/mago
Eisbrecher sollen Europas Handlungsspielraum vergrößern
Die EU will außerdem prüfen, wie Mitgliedstaaten und Partner Eisbrecher gemeinsam beschaffen und nutzen können. Solche Schiffe ermöglichen Fahrten durch vereiste Gewässer und unterstützen Forschung, Versorgung und Einsätze auf See. Trotz schwindenden Meereises bleiben sie für die Präsenz in der Region wichtig.
Brüssel will zudem arktische Handels- und Verkehrsnetze enger mit europäischen Häfen, Energieanlagen und anderer Infrastruktur verbinden.
Hunderttausende EU-Bürger in der Arktis
Die neue Strategie verbindet die genannten Sicherheitsvorhaben mit Klimaschutz und Unterstützung für lokale und indigene Gemeinschaften. Mehr als eine halbe Million EU-Bürger leben in der Arktis. Mit Dänemark, Finnland und Schweden gehören drei arktische Staaten zur Union.
Bei fossilen Brennstoffen bleibt die Linie differenziert: Öl, Kohle und Gas sollen nach dem erklärten EU-Ziel im Boden bleiben. Laut Reuters fehlt gegenüber der Strategie von 2021 jedoch die ausdrückliche Zusage, ein internationales rechtliches Verbot neuer Förderprojekte anzustreben. EU-Vertreter verwiesen dazu auf die schwierige Suche nach internationaler Zustimmung.
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