Südkoreas Präsident Lee Jae Myung hat die Besatzung des ersten südkoreanischen Containerschiffs begrüßt, das über die Arktis nach Europa und zurück gefahren ist. Bei einer Zeremonie in Busan würdigte er am Dienstag nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap die Testfahrt der „PanStar Acro“. Das Schiff war am Sonntag nach einer 50-tägigen Reise mit Stopps im britischen Felixstowe, in Rotterdam und im polnischen Danzig zurückgekehrt.
Die Regierung will im kommenden Jahr weitere Fahrten mit Container- und Autotransportschiffen erproben. Einen regelmäßigen Verkehr strebt sie ab dem Jahr 2030 an. Minister Hwang Jong-woo, zuständig für Ozeane und Fischerei, erwartet allerdings erst um das Jahr 2040 wirtschaftlich tragfähige Bedingungen.
Kürzerer Weg zwischen Asien und Europa
Die getestete Verbindung führt über die Beringstraße und entlang der russischen Arktisküste. Sie ist Teil der Nordostpassage, die Asien und Europa nördlich des eurasischen Festlands verbindet. Gegenüber dem Weg durch den Indischen Ozean, den Suezkanal und das Mittelmeer kann sie die Strecke erheblich verkürzen.
Die Reederei PanStar hatte vor dem Auslaufen für Busan–Rotterdam eine um etwa 35 Prozent kürzere Strecke und rund zehn Tage Zeitersparnis prognostiziert. Weniger Fahrstrecke dürfte damit den Treibstoffverbrauch senken. Ob diese Einsparungen unter realen Bedingungen erreicht wurden, muss die Auswertung der Reise zeigen.
Die Route soll außerdem eine zusätzliche Verbindung schaffen, wenn andere Seewege ausfallen. Lee verwies auf die Folgen des Krieges im Nahen Osten für die Schifffahrt. Südkoreas Wirtschaft habe erfahren, wie stark sie durch blockierte Handelswege erschüttert werde. Die Arktisroute könne in Krisen eine weitere Option bieten.
Schmelzendes Eis schafft neue Möglichkeiten
Die Erwärmung der Arktis und die abnehmende Eisdecke machen die nördlichen Gewässer zeitweise leichter zugänglich. Minister Hwang erwartet, dass Schiffe die Route innerhalb der kommenden 15 Jahre mehr als sechs Monate jährlich nutzen könnten. Südkorea will zudem die Nordwestpassage zwischen Asien und Nordamerika untersuchen.
Für einen regelmäßigen Güterverkehr reicht eine kürzere Strecke allein jedoch nicht aus. Eis kann Schiffe zu Umwegen oder langsamerer Fahrt zwingen. Zusätzliche Versicherungsprämien und schwankende Reisezeiten erschweren die Planung. Für Unternehmen ist entscheidend, ob Waren verlässlich zu vereinbarten Terminen ankommen.
PanStar kündigte deshalb an, bei der Testfahrt neben der Wirtschaftlichkeit auch die Termintreue und den Treibstoffverbrauch zu prüfen. Erfasst werden sollten zudem technische Daten zum Betrieb des Schiffs bei niedrigen Temperaturen.
Die „PanStar Acro“ vor ihrer Testfahrt im August 2026 in Busan. Das Containerschiff hat inzwischen die Reise über die Arktis nach Europa und zurück abgeschlossen.
© Yonhap/imago
Kooperation mit Russland „besser als erwartet“
Auch die Auslastung bleibt eine Herausforderung. Die „PanStar Acro“ transportierte 737 TEU Exportfracht nach Europa. TEU bezeichnet die Ladekapazität eines Standardcontainers mit einer Länge von 20 Fuß. Auf der Rückfahrt waren laut Ministeriumsdaten, die das Büro des Oppositionsabgeordneten Kang Seung-kyoo vorlegte, ausschließlich Leercontainer an Bord: insgesamt 1743 TEU.
Damit blieb die zuvor angekündigte Importfracht aus. Lee räumte ein, dass die Gewinnung von Ladung für die Rückreise zu den noch ungelösten Aufgaben gehört. Leercontainer zurückzubringen ist zwar Teil der Logistik, bedeutet aber keinen ausgewogenen Warenverkehr.
Hinzu kommt die Abhängigkeit von Russland. Die Route verläuft entlang seiner Küste und erfordert Zusammenarbeit mit Moskau. Außenminister Cho Hyun erklärte laut Reuters, Russland sei „kooperativer als erwartet“ gewesen. Bei einer Fortdauer des Ukraine-Krieges könnten jedoch Schwierigkeiten entstehen. Lee versicherte laut Yonhap, Südkorea werde internationale Regeln und Sanktionsgrundsätze strikt einhalten.
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